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Interview mit Liv Kristine
Datum: Donnerstag 09 März 2006 21:08:07
Thema: Interviews


Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, Liv Kristin zu ihrem neuen Album zu befragen und es entwickelte sich ein wirklich interessantes Gespräch daraus.

Aber lest selbst.






Was darf der Hörer vom neuen Album erwarten ?

Ich hab viele Fragen bekommen, aber nicht diese. Es ist ein sehr persönliches Album geworden und eine Einladung geworden in meine eigene Welt. Man hört Pop, man hört Rock, man hört klassische Gitarren und spanische Gitarren., Bouzouki, Mandoline. Also, es ist eine sehr würzige Platte und man kann nicht sagen, dass es ein glattgebügeltes Album ist.

Mir fiel beim hören insbesondere die Nummer „Coming Home“ auf. Hat diese auch etwas mit ihrer Familie und ihrem Sohn zu tun?

Ja, das kann man so sagen. Es hat was für mich mit zuhause zu tun und meiner Familie und ich wohne ja in der Nähe von Stuttgart auf dem Lande und wenn ich heim komme und mein Sohn kommt mir entgegen mit ausgestreckten Armen und Mama ruft, dass ist für mich „Coming home“.

Also, dürfte es sich bei dem Rest auch um recht persönliche Texte handeln?
Ja, es geht um meine eigene persönliche Welt. Meine Träume, Ideen, Wünsche. Eigentlich alles, was das Leben so mit sich bringt. Und „Enter my Religion“ hat eher weniger mit Christentum, Buddha und ähnlichem zu tun,, sondern es ist eher als Metapher für das Leben zu verstehen. Weil, das Leben ist ja eigentlich deine Religion. Das ist das woran du glaubst.
Eine interessante Aussage. (Beide lachen.) Irgendwie hatte ich mir das schon gedacht, dass so was dahinterstecken könnte.

Es ist einfach als Metapher für die Vielseitigkeit des Lebens zu verstehen. Religion ist eben nicht einfach so eine Sache, wie das Leben auch nicht einfach so eine Sache ist. Das kann man nicht so einfach sagen. Und in meinen Texten gibt es auch viele Metaphern, immer wieder. Und ich schreibe schon Texte, seitdem ich ein Kind bin. Gedichte und kleine Geschichten. Ich habe irgendwann einmal noch vor etwas zu schreiben, am allerliebsten Kinderbücher.

Oh, das finde ich toll.

Ja, irgendwann habe ich dafür Zeit.

Zu der Single „Fake a Smile“ gibt es in Kürze ein Video. Wann darf man das denn sehen?

Ab Anfang Februar dürfte damit zu rechnen sein.

Und gibt es in dem Video eine Geschichte, eine besondere Handlung?

Ja, es gibt in dem Video zwei Welten. Es gibt die kalte und industrialisierte Welt in der wir leben. Unter dem Streß unter dem man leidet. Und es gibt die andere Welt, in der man träumt, in der man ich sein kann, in der man Gefühle zeigen kann. Einfach wärmer und liebevoller. Und dieses steht dann im Kontrast zueinander und das sieht man auch im Video. „Fake a Smile“, ist eben das was man tut in der modernen Welt. Du hast zwar die Möglichkeit du selbst zu sein, aber es geht ja nicht immer. Und was tut man da? Man lächelt halt, aber es kommt nicht von Herzen. Und ich versuche immer ehrlich und echt zu sein. Und meine Mutter hat mir gesagt, die grösste Freude und das grösste Glück was du haben kannst ist es jemand anderen etwas Freude und Glück zu scheneken. Und darum geht es eigentlich auch. Wenn ich Kunst mache, wenn ich Musik mache, anderen Menschen etwas schönes zu geben für den Alltag. Damit man abschalten kann.

Das finde ich, ist eine schöne Aussage.

Dankeschön.

Sie haben ja auf dem Album „Bruce Springsteen“ gecovert mit dem Song „Streets of Philadelphia“. Weswegen dieses Lied?

Warum ? Nun, es ist so, wenn ich mir ein Lied angehört habe, kann ich es mir sofort merken, das ist eine angeborene Fähigkeit und ich habe noch nie Noten gebraucht. Ich mache das alles über mein Gehör. Aber bei „Streets of Philadelphia“ von „The Boss“ hat es nicht geklappt. Ich musste mich erstmal hinsetzen und mir den Text durchlesen und mir das Lied mehrmals anhören bis ich es verstanden habe. Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Rhythmus da hier und dort eine „Blue Note“ drin ist und die Intentionen durch seine Stimme sind sehr schwierig hinzubekommen. Und ich dachte ich versuche es mal dieses Lied einzusingen. Und da habe ich erstmal eine Pilotspur aufgenommen, das ist einmal aufnehmen und da ist es auch noch nicht optimal und es ist eigentlich für die Instrumente als Guide gedacht und als wir das mit den Instrumenten komplett eingespielt hatten, habe ich meine Gesangsspuren noch mal neu eingesungen, alles picobello und sowie es sein muss. Und da dachte ich, ich höre mir meine Pilotspur noch mal neu an und der Gesang ist vielleicht nicht perfekt, aber es hat eine viel höhere emotionale Seite. Und da haben wir dann die Pilotspur genommen.

Wie wird es denn mit einer Tour zum Album ausschauen, kann man damit rechnen?

Ja, auf jeden Fall. Ich hoffe ab Frühjahr. Ich weiss nur nicht ob es eine Tour durch grössere oder kleinere Hallen sein wird, eine Clubtour vielleicht.

Nun, dann würde mich mal interessieren, da das Album alles andere als das ist, was sie ja sonst bislang gemacht haben. Den normalen Metalhörer dürfte es wahrscheinlich nicht gerade so zusagen. Welches Klientel möchten sie mit „Enter my Religion“ ansprechen?

Jedem, dem es gefällt. Ohne irgendwelche Grenzen. Ich möchte niemanden speziellen damit ansprechen. Und ich habe auch nicht gedacht, ich mache jetzt soviel Lieder mit klassischen Instrumenten, diese eher rockig, sondern jedes Lied wurde einfach so gemacht, das für jeden etwas dabei ist.

Gibt es denn ein Lied, was ihnen besonders am Herzen liegt auf dieser CD?

„Enter my Religion“. Weil, wo ich das Lied gehört habe, es wurde in einer Nacht von meinem Mann und den anderen Musikern geschrieben und ich habe es am nächsten Morgen hören dürfen und kurze Zeit danach war das Lied dann schon fertig.

Jetzt mal zu was ganz anderem. Sie haben ja den Split von Nightwish mitbekommen. Und da gab es ja durchaus Paralellen zu ihrem Split mit Theatre of Tragedy. Was würden sie jetzt Tarja Turunen sagen?

Ich würde ihr erstmal viel Glück wünschen und es tut vielleicht weh was da geschehen ist, aber die Erfahrung wird da helfen. Ich wurde ja damals bei ToT rausgeschmissen und es war für mich ein brutaler Schock. Heute sage ich einfach, es war eben „Bad Luck“, aber jetzt gibt es Leaves Eyes. Und ich wünsche ihr eben alles Gute und manchmal werden schlechte Erfahrungen in gute Erfahrungen umgewandelt. Und man auf gar keinen Fall denken, jetzt hört alles auf, das war das Ende für mich. So darf man nicht denken. Weil ein Abschnitt ist immer eine Tür für den nächsten Abschnitt
Ich hatte das ja erst gar nicht mitbekommen, ich war in en USA und da klingelte es schon bei uns. Es war die finnische Presse, weil es ein Gerücht gab, ich würde Tarja bei Nightwish ersetzen. Und ich wusste bis dato gar nichts von dem Rausschmiss von Tarja bei Nightwish. Und mein Mann hat sich daraufhin die Homepage von Nightwish angeschaut und dann auch die unserige, wo es dann Gästebucheinträge gab, stimmt es, wirst du die neue Sängerin, und dann das geht ja gar nicht, sie ist ja blond und des geht ja nun mal gar nicht bei Nightwish etc. Das war teilweise wirklich schon amüsant, was da so abging, aber es war ein Gerücht. Und ich habe mich gar nicht getarut zu überlegen, was wäre wenn. Ich bin zwar mit Tuomas von Nightwish gut befreundet und ich schätze ihn sehr, aber für mich würde ein Einstieg bei Nightwish heissen, weniger Zeit für meine Solosachen, weniger Zeit für Leaves Eyes und weniger Zeit für meine Familie. Und ich weiss nicht, ob ich damit leben könnte, weil ich sehr glücklich und ausgeglichen bin, so wie es jetzt ist. Ich habe meinen Lebensweg gefunden und ich möchte eigentlich, dass es so bleibt, wie es ist. Aber Tarja hat mit mir telefoniert und mir viel Glück gewünscht, falls ich bei Nightwish einsteigen würde und ich habe ihr das gleiche gesagt, egal was sie tut, viel Glück und der Zug ist nicht abgefahren, man muss nach vorne sehen.

Ist eigentlich damals überhaupt so richtig rausgekommen, weswegen es zum Split bei ToT kam, es wurde ja damals nicht viel bekannt.

Nicht wirklich, ich habe keine Erklärung bekommen. Ich hab es ja nur von der Homepage mitbekommen, wir haben uns von „Liv“ getrennt aufgrund persönlicher Differenzen. Das war es und keiner hat mit mir telefoniert oder irgendwas wurde gesagt. Ich wurde auch nicht gewarnt. Und ich stand einfach so da und musste es akzeptieren. Bis ich dann mal viel später zu einem Konzert von ihnen in der Nähe von Frankfurt gefahren bin und mich in die erste Reihe gestellt habe und gewunken habe. Ich bin da. Und das war dann wohl zuviel für den Sänger von ToT und er fing an zu weinen und ging daraufhin von der Bühne und die anderen folgten ihm, direkt nach dem letzten Lied. Sie wollten sich am liebsten verstecken. Ich wollte trotzdem wissen was los gewesen ist, und sie meinten es gäb eine Bandkrise und man musste was unternehmen. Nightwish und Within Temptation hatten ToT schon längst überholt, obwohl ToT schon von Anfang an dabei war. Und es gibt auch andere bnads die ToT schon überholt hatten und da lief dann far nix mehr. Und die Jungs meinten, Krise. Was sollten wir tun? Ich war nicht da, die Jungs in Norwegen, ich in Deutschland. Die einfachste Sache der Welt, die Sängerin rausschmeissen, ich konnte mich ja nicht wehren. Und sie dachten, es wäre ein guter Schnitt.

Und der Schuss ging nach hinten los?

Nun, sie müssen nun mit den Konsequenzen leben, ich habe jetzt „Leaves Eyes“ und ich möchte auch nicht mehr zurück.

Als letztes würde ich gerne noch wissen, ihr wart ja mit ToT quasi so etwas wie eine Blaupause für diese Form des Metal. Wie sehen sie die zahlreichen Erben heute?

Es gibt eine Menge,ja. Es gibt gute und es gibt nicht so tolle Bands. Aber bspw. Nightwish gönne ich den Erfolg. Und ich finde es witzig, dass eine Band wie „Evanescence“ als Gothic Metal bezeichnet wird. Es klingt zwar ein bisschen blöd, aber „Evanescence“ hat nichts mit den früheren Gothic Metal Klängen zu tun. Und etwas mit Frauengesang in der Richtung ist für mich noch lange kein Gothic Metal. Ich finde es interessant, dass eine im Ursprung so kleine Szene so in Richtung Populärmusik geht. Es ist interessant zu sehen, wie die Akzeptanz wächst.
Beispielsweise wurden ToT damals oft als Black Metal oder satanistische Musik beschimpft.

Ich selbst höre mir ja heute noch manchmal gerne die“Velvet Darkness they fear“ an, weil es einfach ein gutes Album ist., auch wenn ich es damals wo es rauskam irgendwann totgehört hab. (Wir beide lachen.)

Ja, ich mag das Album auch immer noch sehr gern. Und das nehme ich gerne als Kompliment an.

So, und nicht anders war es auch gedacht.

Wir unterhielten uns danach noch ein wenig über Musik an sich, über das in diesem Jahr noch erscheinende Album „Werk 80 Teil 2“ von Atrocity, von der sie aber noch nichts an Einzelheiten verraten durfte und eben über Gott und die Welt. Und es war eine wirklich schöne halbe Stunde, mit einer überaus freundlichen und hochgradig sympathischen Person.
Persönlich freue ich mich schon auf die anstehenden Konzerte.

madrebel







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