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Konzert Review: X-MAS-Festival: DEICIDE, DESTRUCTION, AMON AMARTH, NILE, DEW-SCENTED, GRAVEWORM;

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Veröffentlicht am Donnerstag 18 Dezember 2003 03:32:59 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifBlack Metal ist Krieg? Wer das sagt lügt! An diesem Abend gab`s ein geniales Package und mächtig was auf die Ohren… Da wäre so manchen Blackies der Kalk aus der Fressleiste gebröselt!



Die Feldherren der Labels hatten mit ihre besten Truppen zu einem Feldzug geschickt, der bis auf weiteres verbrannte Erde zurückgelassen haben dürfte. Als ich zum veranschlagten Beginn der Attacke um kurz nach sieben in die altehrwürdige Rockfabrik kam, hatten MISERY INDEX den noch verhältnismässig wenigen Anwesenden wohl schon heftig eine vor den Latz geknallt und die Südtiroler Gebirgsjäger GRAVEWORM hatten auch schon die Hälfte ihres kurzen Sets absolviert. Mit unter anderem „The Mourning Dream“ und dem abschließenden „Dreaming Into Reality“ griff man aber bereits die ersten Halswirbel an. Sänger Flori nützte den spärlichen Platz so weit als möglich, während der Rest – inklusive Keyboarderin – fleißig die Haare schüttelte. Abgesehen vom etwas dumpfen Keyboardsound hinterließen die Düstermetaller einen sehr guten Eindruck und ernteten schon ordentlich Applaus. Den hatte der Typ am Mischpult allerdings zumindest in den Gefechtspausen nicht verdient, die er mit Schnulzen aus den Achtzigern und immer wieder Queen`s „Radio Gaga“ „versüßte“.

Nachdem sich das Licht über den Schauplatz des Geschehens senkte betrat ein freundlicher junger Mann die Bühne, meinte grinsend „Hallo – wir sind DEW-SCENTED“, und dann feuerte die Niedersachsen-Brigade tödliche Salven aus schweren Maschinengewehren ab, die den Mob sofort zum Toben brachten! „Jeder Schuß ein Treffer!“ konnte man nur noch feststellen, als sich Dew-Scented in einer affenartigen Geschwindigkeit durch Songs wie „Soul Poison“ oder „Bitter Conflict“ thrashten. Sänger Leif moshte ebenso wie seine Mitstreiter das einem Angst und Bange wurde und hätte ohne Ohren sicherlich im Kreis gegrinst, kündigte „einen Song über die Lüneburger Heide“ an, der sich mit „Cities Of The Dead“ als Nackenbrecher allererster Kajüte entpuppte (kurze Zwischenfrage: who the fuck is Slayer???), gratulierte der Rockfabrik zum Geburtstag, und schon donnerten die Kettensägen zu One By One“ los, gab`s einen Moshpit zu „Locked In Motion“, Dew-Scented wurden abgefeiert als gäb`s kein Morgen und schossen mit „Acts Of Rage“ nach einer knappen halben Stunde die letzte Breitseite ab, sagten danke und überließen wieder „Radio Gaga“ das Feld. Angesichts des äußerst gelungenen Gigs störte auch der gelegentlich leicht übersteuerte Sound kaum.

Als das mit ägyptischen Geheimwaffen ausgestattete Sonderkommando NILE loslegte, hatte man erst den Eindruck, der Vierer wollte dem Publikum eine Verschnaufpause gönnen, so verhältnismässig langsam legte man los, hatte Publikum das die Rockfabrik allmählich pickepackevoll war und donnerte gediegenen Death Metal mit der Präzision eines Scharfschützen unters Volk. Im Laufe des vorwiegend in grün und blau gehaltenen Gigs zog man das Tempo aber immer mehr an, und als Nile zum Schloß die Hölle losließen, rotierten wahrscheinlich sogar sämtliche Mumien in Ägypten durch die Pyramiden. Das Publikum moshte, pogte, bangte und divte als wollte man sich schon komplett verausgaben. Cooler Gig!

Wesentlich ungestümer ging – nach „Radio Gaga“ und Chris DeBurgh etc versteht sich – die nun losgelassene Wikingerhorde von AMON AMARTH zu Werke. Mit Breitschwertern und gnadenlosen Axthieben knüppelten die Schweden sich durch ihren Set, Sänger prostete, bangte und röhrte ins Mikrofon wie ein Elch in der Brunftzeit, während der Rest der halbnackten Nordmänner keine Gefangenen machte. Mit Schlachtengesängen wie „Death In Fire“, „Masters Of War“ oder „Versus The World“ preschte man vorwärts, forderte das Blut der Anwesenden bei „Bleed For Ancient Gods“, metzelte auch den letzten Zweifel an den Qualitäten von Amon Amarth mit „For The Stabwounds In Our Back“ ohne Gnade nieder und stimmte nach dem eben stattgefundenen Triumphzug zu Recht „Siegreicher Marsch“ an – immer wieder geil!

In der Pause gab`s mal wieder Kuschelrock, und mein Nachbar meinte, viel könne ja nach diesem Feuerwerk nicht mehr kommen – womit er aber nur zum Teil Recht hatte. Denn im Vergleich zu den letzten drei Bands fanden sich etwas weniger Leute ein, als die Vorhut der schweren Artillerie die Bühne enterte. DESTRUCTION hatten natürlich jede Menge Thrashgranaten in die Munitionskiste gepackt und machten auch mit Abstand am lautesten Krach – aber genau da lag an diesem Abend das Problem: auch die besten und größten Boxen klingen scheiße wenn man zu laut aufdreht. Die erste Hälfte des Sets ging quasi im viel zu lauten und übersteuerten Sound unter, der sich im Laufe der Show zum Glück etwas besserte. Da half auch eine hervorragend aufgelegte schnelle Eingreiftruppe nicht. Schmier und Klampfer Mike rannten auf der nun etwas geräumigeren Bühne hin und her, Schmier beschwor den Gemeinschaftsgeist und forderte einen Moshpit, nachdem man mit Intro und „Curse The Gods“ losgelegt hatte, forderte gläubige Christen auf weg zu hören, als man „Nailed To The Cross“ abfeuerte, erinnerte sich an den Auftritt Destruction`s 1984 beim Nachwuchsfestivals in der Rockfabrik, mit „The Butcher Strikes Back“ ließ man es krachen, Schmier`s Motto bleibt „Thrash Till Death“, MTViva bekamen vor „Desecreators Of The New Age“ ihr Fett ab, „Metal Discharge“ gab`s natürlich auch, die Ankündigung man komme nächstes Jahr auf Headlinertour, und nach „Bestial Invasion“ und dem Klassiker „Mad Butcher“ war dann ohne Zugabe Schluß.

Würde Glen Benton wieder jemanden vermöbeln? Nach wie vielen Songs würden Deicide die Schnauze voll haben? Das dürften die Fragen gewesen sein, die sich einige Anwesende stellten. Aber dann die Überraschung: ein bestens aufgelegter Glen Benton schlappt mit seinen Mitstreitern auf die Bühne, hängt sich den Bass um, und dann feuerte die schwere Artillerie aus allen Rohren! Nachdem Glen nach dem ersten Song grinsend feststellte, das sich die Halle wieder komplett gefüllt hatte, holzte man sich durch „Children Of The Underworld“, „Masters Of Christ“, wobei nach jedem Song pausiert wurde, Glen ins Mikro grinste, Späßchen machte und fast als der Musterschwiegersohn durchgegangen wäre. Gut – zumindest bis er allen „Merry Shitmas“ wünschte, über Santa Claus herzog und dann unter anderem noch „Serpents Of The Light“ ins Mikro kotzte, wonach er sich über den Typen aus dem Publikum lustig machte, der immer „Sacrifice Of Suicide“ grölte mit den Worten „Your english is really bad!“, jede Menge Lacher erntete und dann aber doch das gewünschte Stück herunterknüppeln ließ. Sonstige Bühnenshow? Tendierte gen null, aber die Präzision, mit der Benton und seine Mitstreiter einen Hassklumpen nach dem anderen spielten, war schon beeindruckend. „Once Upon The Cross“ und „Deicide“ wurden ebenfalls auf Zuruf gespielt, vor „Dead But Dreaming“ meinte Glen Benton, danach sei Schluß, da er im Bus noch den allabendlichen Beischlaf vollziehen wolle, aber trotzdem gab`s noch Witzchen, „When Satan Rules The World“, „Dead By Dawn“ und noch was (hab den Namen vergessen…sorry), man winkte kurz, grinste noch mal, sagte Tschüß und verschwand. Zugabe? Fehlanzeige. Zwar schade, und man kann den Deicide-Boss für einen geistigen Tiefflieger und ein Arschloch halten (was er in meinen Augen immer noch ist), aber Deicide hatten eine zwar kurze, aber gelungene Show abgeliefert, für ordentlich Stimmung gesorgt und den Massen den Rest gegeben – alle Achtung!

Dann war ein langer und gelungener Abend zu Ende und man darf gespannt sein auf das nächste Jahr – mal sehen ob das noch getoppt wird! Eintrittspreis (22 / 24 Euro) und T-Shirt-Preise (15 Euro) ok, Stimmung super, Sound auch größtenteils in Ordnung, geniale Bands mit leider recht wenig Spielzeit…wer noch kann sollte sich das nicht entgehen lassen!

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