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Konzert Review: Tourbericht von Soul Demise und Napalm Death!!!

Veröffentlicht am Mittwoch 20 März 2002 21:07:00 von madrebel
phpnuke.gifEin herzlichen Dank an Andreas Bradl von Soul Demise und Susi,
die uns diesen tollen und lesenswerten Tourbericht schickten.

Vorwort zum Tourtagebuch / ND – 02.2002

Diese Tour war wohl die erfolgreichste und gleichzeitig auch arbeitsaufwändigste, die wir bis dato erlebt haben. Es war ein durch und durch positives Erlebnis, welches uns wohl noch lange Zeit angenehme Gedanken bescheren wird.
Obgleich es nicht den gleichen Wechsel emotionaler Hochs und Tiefs gab wie bei der Tour mit Immolation, weswegen mir manchmal der Begriff banal in den Sinn kommt, war es doch sehr aufregend.
Zur allgemeinen Überraschung waren die Jungs von Napalm Death absolut down to earth und sympathisch ohne Ende. Nicht das einer der unsrigen vorher anderes vermutet hätte, aber irgendwie glaubt man doch oft im hintersten Winkel seines Hirnes, es könnte anders sein.
Zudem war es sehr interessant, die einzelnen Musiker über die Tage zu beobachten und festzustellen, wie der Einzelne mit der Zeit (die es totzuschlagen gilt ) umgeht.
Jesse zum Beispiel war immer am Ort des Geschehens und hatte es am liebsten, wenn blanker Unsinn geplaudert wurde. Als Beispiel: „I’m so pretty. The guys of Versace asked me to model for them cause I’m so gorgeous. But I said no”,
woraufhin er am meisten lachen musste.
Danny verbrachte die Zeit damit zu schlafen, was zu essen und ca. 1,5 Stunden vor dem Auftritt mit warm spielen. Darauf angesprochen, ob es nicht langweilig sei,
meinte er, „Nö, ich mag es, so zu leben“.
Barney hingegen liebt es, zu lesen und ernsthafte Gespräche zu führen. Kaum droht man jedoch damit, Photos mit ihm zu schießen und ihn Autogramme geben zu lassen, verdünnisiert er sich vor lauter Unbehagen.
Er hat auch kein Problem damit, mit wildfremden Leuten, Fans oder sonst wem zu plaudern. Er nimmt sich für alle Zeit. Das war für uns schon erstaunlich.
Gitarrist Mitch hingegen hat die meiste Zeit mir seiner Freundin zusammengesessen. Sie war als Merchandiserin dabei. Die beiden sind sogar gemeinsam aufs Klo gegangen.
Trotzdem war auch er hyperfreundlich und plauderte mit jedem. Da Bassist Shane nach dem ersten Konzert ins Krankenhaus kam,
kann ich über ihn nicht viel sagen außer, dass er ebenfalls einen sympathischen Eindruck machte.
Letztendlich stinkt es mir ein wenig, dass gerade er ausfiel, da ich mit ihm ein bisschen über Bässe usw. fachsimpeln wollte.
Man kann halt nicht alles haben. Die Crew war ebenfalls sehr cool. Allen voran der Roadie Steve, der sich selbst als Hot Steve bezeichnete.
Er hat ebenfalls eine Menge Unsinn veranstaltet und erzählt, aber lest selbst.

Tag 1: Samstag 2.2.02: Abfahrt Richtung Schwalmstadt

Irgendwie hört sich der Beginn meiner Tourtagebücher immer gleich an:
Endlich ist es wieder soweit! Für Soul Demise scheint es wirklich nichts geileres als das Tourleben zu geben.
Wir trafen uns also am Samstag gegen Mittag bei Meier und wie immer gab es noch ein paar Sachen zu erledigen, die wie üblich viel mehr Zeit in Anspruch nahmen als geplant.
Deswegen sind wir auch mit der üblichen Verspätung Richtung Schwalmstadt aufgebrochen. Zuvor jedoch hatten wir noch das dämliche Problem,
dass keiner an den Schlüssel für den Proberaum gedacht hatte
(eigentlich sollt man so was gar nicht schreiben!).
Zum Glück hat uns Andy Brückel aus der Patsche geholfen. Danke.
Unterwegs sammelten wir noch Alex auf, der in Würzburg zustieß und kamen schließlich um 22:00 bei Manager Chris in Schwalmstadt an.
Sehr zu unserer Freude hatte seine Mutter ein festliches Mahl zubereitet, welches wir uns herzhaft schmecken ließen.
Anschließend tranken wir noch etliche Bierchen in der hiesigen Rock Bar und legten uns gut gelaunt gegen 3:00 ins Bett, da wir um 7:00 schon wieder aufstehen mussten.

Tag 2: Sonntag 3.2.02: Leer – Zollhaus
Ca. 240 Leute

Das Aufstehen gestaltete sich recht diszipliniert. Nach einem kurzen Frühstück starteten wir um 8:45 Richtung Leer. Auf der Fahrt stellten wir fest, dass wir uns bezüglich der Entfernung um 200 KM verrechnet hatten.
Trotzdem kamen wir ausreichend früh in Leer an, ca. um 15:00. Die ND-Roadies waren schon dabei, das ganze Zeug aufzubauen und wir haben derweil das Zollhaus inspiziert.
Ein riesiger Laden in dem früher wohl mal Getreide usw. zwischengelagert wurde.
Das Catering war überragend, genauso die Bühne. Trotz 2 Backlines war noch ausreichend Platz.
Das war leider nicht immer so. Die Vorbands mussten ihre eigene Backline stellen und so ging es manchmal etwas enger zu.
Bei unserem Gig waren die Leute etwas zurückhaltend und durchaus auf einen gewissen Sicherheitsabstand bedacht. Nichtsdestotrotz konnten wir ne Handvoll Leute zum Bangen verleiten,
was mit Sicherheit auch an dem fetten Sound lag, den uns Mischer Michel zauberte.
Huge Baby, die bei uns musikalisch einen durchwachsenen Eindruck hinterließen, wollte die Meute überhaupt nicht haben,
stellten sie doch einen zu krassen Stilbruch dar.
Nach Death Metal passt Grunge Rock nicht so ganz. Das anwesende Publikum dachte genauso.
Schließlich war es soweit. Napalm Death fingen an zu rocken.
Der Sound war geil, die Liederauswahl ebenfalls, doch komischerweise, waren die Leute immer noch zurückhaltend.
Es bildete sich kein Moshpit und Stagediver gab es auch nur zwei. Sehr erstaunlich, wenn ich da an andere Konzerte denke.
Anbei sei noch erwähnt, dass Jesse jedem von uns freundschaftlich auf die Schulter klopfte und meinte „You guys rock“ – sehr zu unserer Freude und dass die Zeit unseres Beginns um 50 Minuten nach hinten verschoben wurde,
weil der Einlass so langsam vonstatten ging.
Bei unserer letzen Tour hat das niemanden gejuckt!!!!!
Das Bier ist natürlich zur Feier des Tages, reichlich geflossen, weswegen wir auch eine von Jez (ND Tourmanager) angeordnete Bierrationierung hinnehmen mussten.
Offenbar hatten wir den Bestand sehr dezimiert. Da am nächsten Tag ein Day off war, sind wir zu Olly (Fallen Saints) gefahren,
um bei ihm die Zeit zu verbringen. Bei ihm angekommen, tranken wir die an der Tanke erworbenen Bierpaletten und legten uns früher oder später ab. Manch einer erst morgens um 10:00.

Tag 3: Montag 4.2.02 Day off bei Olly.

Was soll man an einem Day off schon anderes machen als saufen?
Insgesamt gingen drei Paletten Bier, drei Falschen Whiskey und eine Flasche Wein drauf.
Die Höhepunkte des Tages waren das gelieferte chinesische Essen, einkaufen im Supermarkt (Bier natürlich) und das Fußballspiel am Abend gegen die hiesige Dorfjugend.
Die ersten 10 Minuten konnten wir echt gut mithalten, führten sogar 3:2 aber dann ging uns megamäßig die Puste aus.
Total ausgepowert und mit hochroten Köpfen fuhren wir nach 45 schweißtreibenden Minuten wieder zurück zu Olly,
tranken jeder noch ein, zwei Bier und sanken dann in die Kojen.
Der Spruch des Tages kam übrigens von Michel: „Wenn die Franken des hadde Be aussprechen, dann schepperts!!!!!“

Tag 4: Dienstag 5.2.02 Essen - Zeche Carl
Ca. 280 Leute

Morgens hieß es erst mal Rottweiler suchen. Ollys sabbernde Hunde sind wie der Blitz aus dem Haus geflitzt um ein anderes Tier zu verfolgen.
Zum Glück sind beide nach 10 Minuten wieder aufgetaucht. Köter...
Nach einer ausgiebigen Verabschiedung brachen wir um 11:30 gen Essen auf.
Dort angekommen haben wir ziemlich lange mit Jesse rumgeblödelt. Er hat z.B. Lieder angespielt und wir mussten raten was es denn sei.
Die Jungs sind echt geil drauf. Wie wir heute erfuhren, musste Shane wegen eines Nierenleidens ins Krankenhaus.
Er hatte die ganze Nacht nicht schlafen können und war zum Schluss wohl schon richtig weggetreten.
ND beschloss kurzerhand ohne ihn weiterzumachen.
Mitch’s Gitarre lief einfach auch über den Bassamp. Somit war das Soundloch einigermaßen gestopft.
Als wir um 20:00 anfingen war die Zeche schon gut gefüllt. Scheinbar hatten uns noch etliche Leute von der Immolation-Tour in Erinnerung, denn wir wurden echt amtlich bejubelt.
Das hat sich auch im Merch-Verkauf bemerkbar gemacht.
Schönen Gruß an die „Verrückten“, die wegen uns wieder etliche Kilometer auf sich genommen hatten.
Einer hat sich sogar die Picture-LP zum zweiten mal gekauft, damit er sie endlich auch anhören konnte (die andere hing an der Wand).
Echt krass!
Huge Baby sind überhaupt nicht angekommen.
Die Leute verließen den Raum in Scharen, weswegen sie den Set auch um satte 10 Minuten kürzten.
Irgendwie ist das schon scheiße.
Auf der anderen Seite, wenn ich auf ein Death Metal Konzert gehe, dann will ich auch keine Weichspülermucke hören.
Napalm Death waren auch ohne Shane fett wie Sau!
Zwar bleibt durchaus eine optische Lücke, aber die Fans hat das wohl nicht weiter gestört und dementsprechend abgegangen sind sie.
Mich überkam ein breites Grinsen, als ich daran dachte, dass ich ND noch 6 mal sehen kann.
Geil!
Unser Bierkonsum war heute sehr zurückhaltend. Wir haben fast ausschließlich unser Aldi Dosenbier gesoffen, das jedoch in Mengen.
Zum Schluss waren deswegen noch etliche Dosen im Kühlschrank.
Als Huge Baby uns einluden, den Kühlschrank zu plündern, gabs natürlich kein Halten mehr und die Freude war groß.
Dieses mal pennten wir bei unserem Kumpel David in Voerde. Wir mussten noch ne Stunde fahren und haben im Anschluss noch bis früh um 5:30 gefeiert.

Tag 5: Mittwoch 6.2.02 Nürnberg - Hirsch
Ca. 400 Leute

Die Fahrt nach Nürnberg hat sich ewig hingezogen. Insgesamt waren wir 7,5 Stunden unterwegs.
Unser Bus läuft mit Anhänger hinten dran manchmal nur noch 50 – 60 Sachen auf der Autobahn, je nach Steigung.
Wir hatten uns also mal wieder total verschätzt. Dementsprechend hatten wir auch ein schlechtes Gewissen als wir ankamen (ca. 17:30),
da die anderen beiden Bands schon komplett fertig waren mit Sound Check.
Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt um den Aufbau und unseren Soundcheck schleunigst hinter uns zu bringen.
Zu unserer Überraschung gabs aber überhaupt keine Beschwerde.
Wieder mal überängstlich gewesen.
Da wir heute Heimspiel hatten, war der Laden zum einen schon sehr voll, als wir auf die Bühne gingen und die Stimmung auch dementsprechend geil.
Unsere ganzen Freunde und Bekannten waren gekommen, um uns anzufeuern.
Deswegen hat der Gig auch ultraviel Spaß gemacht. Der einzige Nachteil, wenn so viele Bekannte da sind, ist der, das man fast keine Zeit hat, um mit jedem zu plaudern.
Da Bachi ( unser ex-Sänger) ebenfalls anwesend war und zudem noch Geburtstag hatte, widmeten wir ihm den Song „Trapped in a body“.
Leider hat er es gar nicht mitgekriegt.
Schade – hat sich im Nachhinein aber trotzdem gefreut, der Gute.
20 Minuten nach dem Auftritt haben wir die komplette Backline in den Hänger geladen, waren somit von jeder Pflicht befreit und konnten feiern.
Trotz der Tatsache, dass viele Leute unsere Shirts trugen, haben wir heute vor der Show schon vier Stück verkauft.
Coole Sache!
Huge Baby sind erwartungsgemäß wieder schlecht beim Publikum angekommen. Was besonders schlimm für sie gewesen sein musste: es wurden Soul Demise rufe laut während ihres 25minütigen Sets!
Wahrscheinlich haben jene geschrien, die uns vorher zu einer Zugabe aufforderten.
Napalm Death haben wie immer keine Gefangenen gemacht. Die Leute sind ohne Ende abgegangen. Es ist eine wahre Freude, so was zu sehen.
Später hatten wir noch über einen Zettel von Roadie Steve zu lachen.
Hinter der Bühne führt eine Tür nach draußen, die wegen der Anwohner immer geschlossen sein muss.
Scheinbar war sie ein paar mal offen gestanden, weswegen Steve einen Zettel anbrachte auf dem stand:
„Hot Steve says: don’t open“.
Wir haben uns gekringelt. Mittlerweile hängt der Zettel im Bus.
Da wir heute bei Roman pennten, mussten wir noch ne halbe Stunde Parkplatz suchen. Nach den obligatorischen paar Bier haben wir uns schließlich abgelegt.

Tag 6: Donnerstag 7.2.02 München - Backstage
Ca. 400 Leute?????????????

Da es nach München nicht soweit war, konnten wir es geruhsam angehen lassen.
Nach dem Frühstück haben wir den Hänger, der wegen akutem Parkplatzmangel wo anders stand als der Bus, wieder angekoppelt und sind Richtung Feucht gefahren, um Roli wieder einzuladen.
Diese Gelegenheit haben wir gleich dazu benutzt, um die Biervorräte wieder aufzustocken.
Bei Aldi natürlich.
Schmeckt zwar am Anfang scheiße das Bier, aber nach der dritten Dose ist es egal.
Und nach einigen Tagen Tourleben, denkt man sowieso nicht mehr über den Geschmack des Bieres nach.
In München angekommen haben wir das Backstage begutachtet. Beim Betreten der Halle lief Napalm Death.
Hot Steve wütete hinter dem Drumkit und ich dachte mir, dass er ja auch die Drums sehr gut beherrscht (Er kann saugeil Gitarre spielen).
Allerdings bemerkte ich nach wenigen Sekunden, dass keine Gitarristen auf der Bühne waren und bei genauerem hinsehen war klar, dass der gute Steve nur Karaoke-Drums spielte.
Total beknackt hahahaha.
Aber er hat es wirklich gut gemacht. Jeden Blastpart, jedes Break hat er voll „mitgespielt“.
Das Essen war heute wieder vorzüglich. Kalter Schweinebraten mit Knödel.
Da freut sich das Herz eines jeden Bayern.
Dummerweise war meist dann Essenszeit, wenn wir am Soundchecken waren.
Zu Beginn der Tour hatten wir uns noch darüber lustig gemacht, wie oft es wohl Spagetti geben würde. Die haben uns ganz schön gelinkt, haha.
Heute habe ich mich zum ersten mal länger mit Barney unterhalten.
Über Power Metal und dessen dämliche Klischees. Er vertritt die gleiche Meinung wie ich: ziemlich blöd, das Ganze.
Es ist echt cool zu sehen, wie Barney sich gerne und ausführlich mit Leuten/Fremden unterhält.
Oft schotten sich Musiker ja ab, aber diesbezüglich ist Barney echt geil drauf.
Peter von Extra Tours war heute auch zugegen.
Mit ihm hatte ich im Vorfeld alles geregelt. War echt cool, vor allem als er sagte, dass sich Jez, der Tourmanager, sehr positiv über uns geäußert hätte.
Auch von unserer Seite her gab es nicht die geringste Beanstandung. Alles war super organisiert und vor allem wurden wir sehr fair behandelt.
Wir wurden keineswegs verheizt oder so, wie es ja bei anderen Touren oft vorkommt.
Das Münchner Publikum hat uns sehr gut aufgenommen.
Der Laden war brechend voll und dementsprechend heiß war auch die Stimmung. Nach 30 schweißtreibenden Minuten haben wir das Feld für Huge Baby geräumt,
die heute sogar mehr als Höflichkeitsapplaus ernteten.
Dennoch haben sie nur 30 Minuten gespielt. Waren wohl schon etwas frustriert.
Als Napalm Death anfingen gab es für die gesamte Belegschaft kein Halten mehr.
Es wurde gemosht, gepogt und gedived, dass es eine wahre Freude wahr.
Das Münchner Publikum ist sonst ja ehr zurückhaltend, aber bei ND scheint das nicht zu gelten.
Hier reduziert sich alles auf Schweiß und Aggression (im positiven Sinne). Die tobende Menge veranlasste Barney schließlich, in die Menge zu diven.
Später hat unser „Handwerker“ Alex noch das Busschloss über den Jordan geschickt.
Deswegen mussten wir die Hintertür mit einer Wegfahrsperre verschließen. Es lebe das Improvisationstalent.
Diese Nacht wurde bei mir gepennt. Da ich Ortskundig war, musst ich heute nüchtern bleiben, um den Bus zu fahren.
Scheiße auch. Apropos, mittlerweile hat jeder mehr oder weniger heftige Probleme mit seinem Stuhlgang.
Jeder steht kurz vorm Durchfall und über den Geruch möchte ich mich nicht weiter auslassen.
Fürchterlich.
Trotz geschlossener Klotür hat sich dermaßen ein Gestank breit gemacht, einfach unglaublich.

Tag 7: Freitag 8.2.02 Bad Salzungen - Pressenwerk
Ca. 500 Leute

Nach wieder mal kärglichen 4 Stunden Schlaf machen wir uns um 8:30 auf den Weg.
Schön langsam sitzt uns der Schlafmangel in den Knochen. Nach reichlich wenig Pinkelpausen und vielen Stunden Fahrt kamen wir im Pressenwerk an.
Der Laden stellte sich als riesig heraus. Ebenso groß waren die Erwartungen bezüglich der Zuschauerzahl (600 – 700).
Tatsächlich waren jedoch „nur“ 500 da.
Das Catering war wieder mal erste Klasse. Viel besser als das Essen zu Hause, hahaha.
Die Leute waren sehr besorgt um das Wohlergehen der Musiker und haben uns fast jeden Wunsch erfüllt.
Nachmittags hatte Jesse aus dem Nähkästchen geplaudert. Beispiele gefällig: Wie macht man einen Fremden fertig, wie kann man umsonst telefonieren,
wie knackt man ein Computerspiel usw.
Er ist in South Central LA aufgewachsen und dort scheint es echt übel zuzugehen.
War recht interessant und wie immer auch sehr lustig. Habe noch nie jemanden so viel Unsinn erzählen hören.
Heute wurde zum ersten mal unsere Spielzeit verlängert, auf 35 Minuten.
Die von HB wurde dafür gekürzt. Wir konnten es erst gar nicht glauben und haben gleich noch mal nachgefragt.
Aber es war schon richtig so. Seit heute fühlten wir uns zum ersten mal so richtig akzeptiert.
Ein gutes Gefühl. Jez hat sich lange mit uns unterhalten und es stellte sich heraus, dass auch er sehr witzig ist.
Ich Idiot habe tatsächlich meine Tasche mit den Klamotten in München gelassen. So was.
Das bedeutete also bis zum Ende der Tour die gleiche Unterwäsche........
Pfui.
Die Publikumsreaktionen waren Anfangs gut, wurden aber mit der Zeit spärlicher.
Insgesamt also eher verhalten. Leider ging es den anderen Bands nicht besser. Petra, seit gestern mit an Bord um einen Tourbericht für den Hammer zu schreiben, hat uns jedoch einen Hammer-Gig bescheinigt. Das hört man gerne.
Heute ist zum ersten mal jeder kurz vorm Gig noch mal auf den Topf, um Überflüssiges los zu werden. Wie sich noch herausstellen sollte, war dies nur der Anfang.
Eigentlich war geplant gewesen, die Nacht bei Manager Christian zu verbringen, aber da Jez uns bat, schon um 13:00 in Bischofswerda zu sein, haben wir die Übernachtung geknickt und sind gegen 2:30 losgefahren.
Es war insofern etwas blöd, da im Bus eigentlich nur Schlafgelegenheiten für maximal 6 Personen waren.
Wir waren zu siebt und deswegen wurde es etwas eng. Aber einem richtigen Musiker macht so was ja nix aus.

Tag 8: Samstag 9.2.02 Bischofswerda - East Club
Ca. 450 Leute

Nach einer erwartungsgemäß krassen Nacht kamen wir pünktlich um 13:00 in Bischofswerda an. Wir schleppten den Anhänger von ND den Berg hoch zum Club, da der Nightliner viel zu groß war.
Anschließend hat sich fast die ganze Belegschaft erst mal aufs Ohr gelegt. Das war echt bitter nötig.
Es war ein richtig geiles Gefühl, die East Club-Crew mal wieder zu treffen. Sie hatten sich damals, als wir den letzten Gig der Krisiun Tour bei ihnen spielten, rührend um uns gekümmert.
Der Club sollte heute randvoll werden, was sich auch bewahrheitete. Man konnte sich kaum noch umdrehen.
So waren es auch schon sehr voll, als wir die Bühne erklommen. Die Reaktionen waren heute wieder besser als am Vortag.
Unsere Show ebenfalls in Ordnung, so dass wir zufrieden waren. Wie gestern kam HB einigermaßen beim Publikum an.
ND haben zum wiederholten Male alles in Grund und Boden gespielt und das Publikum war dankbar dafür.
Nach dem Gig ging’s hoch her. Es ergab sich, dass Steve, Jez und wir zusammensaßen und ins Gespräch kamen. Er bescheinigte uns eine sympathische und gute Vorband zu sein und könne sich gut vorstellen,
dass wir bei der nächsten ND Europatour mit dabei wären.
Das hat natürlich seine Wirkung nicht verfehlt und wir waren recht angetan.
Zudem erfuhren wir, dass er versuchte, die Running-Order zu verändern. Sprich Soul Demise als zweite Band und Huge Baby als erste.
Leider lies sich dies aus businesstechnischen Gründen nicht verwirklichen.
Unsere kleine Plauderei wurde jedoch plötzlich unterbrochen, als ein reichlich verwirrter, ca. 55 Jahre alter Typ in den Raum kam und jedem der es hören wollte oder auch nicht, von Klaus Kinski erzählte.
Später hat er plötzlich mit Jez geplaudert. Das verrückte war: jeder in seiner Muttersprache!
Das „Gespräch“ dauerte ca. eine Stunde, weswegen sogar die Abfahrtszeit verschoben wurde.
War recht amüsant zu sehen, wie Jez aus Wortfragmenten versuchte, die Bedeutung der Aussage herauszufinden.
Jesse hat wie üblich wieder eine Witzstunde abgehalten. Am meisten lachte er sich darüber kaputt, wie die Spanier Earache (= Iraeigh) aussprechen.
Nämlich Eradsche.
Das hat er bestimmt zehn mal erzählt. Genauso die Geschichte von Godflesh, die in einem Laden in Amerika als Goldfish angekündigt wurden und wie er Max von Sepultura erklärte, dass es Mass Hypnosis heiße und nicht Mass Hypinosis,
Worauf er Max imitierte: „Yeah! Mass Hypinosis!“.
Ich glaube am meisten haben wir deshalb gelacht, weil er so gelacht hat.

Tag 9: Samstag 10.2.02 Leipzig - Moritzbastei
Ca. 450 Leute

Obwohl wir dieses Mal sehr pünktlich los fuhren, kamen wir reichlich spät im Club an.
Der Grund dafür: 10 Minuten vor unserer Ankunft begann der Faschingszug, welcher natürlich genau an dem Laden vorbeiführte.
So hatten wir zwei Stunden zu warten, die ich mit Schlafen verbrachte, während der Rest die Gegend erkundete.
Der Laden entpuppte sich als die große Version des Sudhauses mit labyrinthartigen Gängen und Verzweigungen.
Ein gemauertes Kellergewölbe also, mit einer geilen Atmosphäre.
Wegen der vielen Treppen gestaltete sich das Ein- und Ausladen des Hängers als recht unschön.
Da wir heute die Gitarrenbox von HB nehmen sollten, mussten wir eine der unseren wieder rausschaffen. Bei dieser Gelegenheit bot Mitch Alex seine Hilfe an.
Vor Ort schaffte Alex es jedoch nicht, den Hänger aufzusperren (war auch nicht ganz einfach) und holte deswegen Verstärkung.
Als er nach ein paar Minuten wieder zurückkam, stand Mitch immer noch vorm Hänger, gähnend. War wohl ein kleines Missverständnis.
Unsere Show war gut, die von Napalm Death auch (wie immer). Sogar Huge Baby sind heute einigermaßen gut angekommen. Freute uns schon für sie, da es wirklich nicht schön ist, wenn man auf Dauer schlechte Reaktionen bekommt.
Hot Steve erzählte uns, dass er den Jungs von HB eine Lektion wegen ihrem Rock Star Gehabe erteilen wollte, welches sie durchaus an den Tag legten.
Wie die Lektion jedoch aussah, entzieht sich meiner Erkenntnis. Unsere heutige Bierration war beachtenswert:
Ganze drei Kisten! Das lob ich mir – grins.
Nach dem Gig sind wir völlig mit Leuten überladen an der Polizei vorbei zu Alex Kumpel Wolfgang gefahren, um dort noch bis früh Party zu machen. Leider hat sein Bett das nicht so ganz heil überstanden.
Michel war ziemlich voll und hat sich wieder mal einen abgelacht.

Tag 10: Sonntag 11.2.02 Hannover – Faust
Ca. 300 Leute

Der erste und einzige Stau der Tour und es erwischte natürlich mich.
Echt ätzend!
Nachdem heute der letzte Tag war, haben wir Napalm Death mit unseren Shirts versorgt und von ihnen ebenfalls welche bekommen.
Das war echt cool!
Zudem habe ich das allerletzte Longsleeve von ihnen erstanden.
Beim Bilderschießen war Barney heute wesentlich unverkrampfter als in Bischofswerda.
Er hat zwar ein bisschen gezuckt, als er 10 Plakat unterschreiben sollte aber es hat ihm nicht wirklich was ausgemacht.
Eine Stunde vor Showbeginn bekam Gitarren-Andy arge Probleme mit seinem Kreislauf, so dass wir bangen mussten, ob er überhaupt auf die Bühne konnte.
Zum Glück ging es, jedoch musste er auf Gesang und Bangen verzichten, da es ihn wohl sonst umgebrettert hätte. Trotzdem haben wir ein gute Show abgeliefert und den Leuten hats gefallen.
Beim ND Gig hat ein Diver das Mikrokabel von Barney mitgerissen.
Wider erwarten hatte ihn das überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil. Er hat sogar noch gegrinst, als Jez die Sache wieder in Ordnung brachte.
Zu unserer Freude hat Mitch sein neu erworbenes Soul Demise Shirt während der Show getragen. Was waren wir happy!
Als die Meute „Barney, Barney“ rief, konterte der Gitarrero mit „Mitch, Mitch“-Geschrei.
Während der Show hat sich Barney noch bei Huge Baby und bei uns bedankt, für den guten Support, was uns ebenfalls sehr gefreut hat.
Auch die Menge hat getobt.
Nachdem alles verräumt war, haben wir uns noch verabschiedet, mindestens drei mal von Mitch...... und sind dann schweren Herzens, nach einer viel zu kurzen Tour, wieder nach Hause gefahren.
Schade, schade.
Der einzige Lichtblick am Horizont: Als ich zu Jez sagte es würde uns freuen, wenn wir uns mal wieder sehen würde, sagte er, wir werden uns ganz bestimmt wieder sehen.
Da bleibt zu hoffen.


Andreas Bradl



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