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Sonstiges: Sommersonnenwendend die Fresse voll - Neuss-now 2003

Veröffentlicht am Dienstag 24 Juni 2003 11:44:00 von madrebel
Dieser Artikel wurde von leokadia mitgeteilt
phpnuke.gifEs hätte ein wundervoller Abend werden können. Längster Tag, kürzeste Nacht im Jahr, der Zählhöhepunkt im Hexenkalender und im Empfinden des orgiastischen Sommerdaseins,
Sabbathical Goat

Sommersonnenpostwendend in die Klinik nach Gig im HdJ Neuss, 21.6.2003

Es hätte ein wundervoller Abend werden können. Längster Tag, kürzeste Nacht im Jahr, der Zählhöhepunkt im Hexenkalender und im Empfinden des orgiastischen Sommerdaseins, lecker was für die Ohren, ein Abend voller Wunder eben: Goat Of Mendes als das beste zum Schluß, zu Beginn die süßen Mexicaner mit Hot-pepper-geballer, dazwischen Jormundgard, Cerberus und Eternal Frost! Was für ein Versprechen!
Ich sollte mich noch wundern. Aber nicht nur über den Hexenrock am Jahressabbath, und der friedlichen Metal-Night im HdJ, mit vielversprechendem und voll gehaltenem Line-up, vollem Haus und tanz- und banglustigen Moshern. Wundern auch nicht über die vielen grünen Männchen, die mal mit, mal ohne Horn auf den Hof rauschen und mal kurz in der Hütte schwermetallisches lauschen. Selbst zu dieser vorangeschrittenen Stunde wunder ich mich noch nicht mal über mein 13. Glas Wasser und meine Nüchternheit. Wundern auch nicht über den tapferen Kerl, der todesmutig das Diven ohne Fänger unternahm und dann völlig dicht lediglich frische Luft schnappen wollte, was die örtlichen Sozialarbeiter zum Anlass nehmen, gleich einen Krankenwagen zu bestellen. Was tun, wenn man da nicht mitfahren will? Gehen, und so geschah es. Patient weg, Rettungsdienst abgerauscht, Sache glimpflich erledigt, Publikum amüsiert.
Dieselbe Truppe Rettungsmenschen sollte ich, wen wundert es, keine zwei Stunden später wieder treffen, diesmal mit mehr Kundschaft.
Der Reihenfolge nach: Sebastian, Meppen und ich verließen den Tempel gleich nach der „Goat-Of-Mendes-Huldigung“ und standen noch ein wenig bedröhnt auf der Strasse rum. Wir peilten die Bahn um kurz nach eins an, stiefelten los und kamen bis McDonalds, oh Wunder. Kleine Fresspause, ich warte vor der Tür, während wieder zwei Streifenwagen in cowboymarnier um die Ecke schießen. Heißes Pflaster hier, dachte ich wartend, froh darüber, dass Düsseldorf so heißt, wie es ist: ein Dorf. Das Henkersmal auf der Kralle zogen wir Richtung Bahnhof, taperten über die letzte große Kreuzung, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt.
Die Autos fahren brav auf der Strasse, die Passanten gehen erst bei grün über die Kreuzung, einige Typen sind unterwegs, jeder mit dem vermutlich richtigen Ziel. Nur einer wollte anders, und zwar der Fahrradfahrer vor uns. Er kommt uns zügig entgegen, als ich Sebastian und Meppen sage, he, Leute, lasst mal ein Stück nach links gehen, ich bin mit einem Fußbreit auf roter Markierung (Fahrrad-Deadline). Sebastian torkelte instinktiv nach links, schreitet genau vor mir her. Der Fahrradheizer streckt den rechten Arm und die geballte Faust aus, zielt und trifft aus voller Wucht Sebastian ins Gesicht. Er fällt längs zu Boden, ich glaub nicht, was ich sehe, drehe mich um und hechte dem Heck vom Fahrrad hinterher. Im selben Moment stehen vier Typen vor Meppen und mir aufgebaut. Der Fahrradwichser und seine Kumpels, alle chic und seidig angezogen, asi-toasterbraun, die ganze Klischeekiste eben. Die Luft war zum anzünden geladen, ich brülle, was das soll, ob der Weg nicht breit genug ist. Der Krakeler der Truppe und verbale Aufheizer im Italo-Look, brüllt, was wir denn hier im Weg stehen, uns verpissen sollen, nicht labern sollen, grinst sich einen und wedelt mit den Händen. Es war Meppen, der den Frieden stiftet, beruhigend und auf Rückzug insistierend hinter mir stehend, plötzlich, von einer Kante aus der Muckiebude entlaufen, am Kragen gepackt wird. Sebastian ist inzwischen aufgestanden, will mich wegziehen, als er von zweien in Mangel genommen wird und zu Boden geht. Die Katastrophe ist perfekt, der Stiernacken packt Meppen zusammen mit seiner Bierflasche vor den Kopf gedrückt und schmettert Meppen gegen die Steinmauer. Noch am Boden liegend zerren drei, vier Leute an beiden Blutenden rum, mit meiner freien Hand fummel ich nach meinem Handy. Bullen her, flackert mir vor Augen, und zwar eben schon, Verkehr und Passanten gehen schnell weiter. Als die Schläger checken, dass ich bereits telefoniere schwingen sich alle auf Räder und hauen Richtung Unterführung ab. Das war es. Meppen fehlen offensichtlich die vordere Kauleiste und einiges an Blut, Sebastian hält sich das geschwollene Gesicht.
Ich wunder mich. Ich glaub es einfach nicht. Die Bullen kommen, zwei Krankenwagen, der eine, mit der Crew von eben, packen die Jungs ein, Meppen in die Uni-Klinik, Sebastian in die Lukas-Klinik. Ich werde zur Kripo verfrachtet, darf unterwegs noch ein 50-er Jahre-Fahrrad als Nicht-Fluchtfahrzeug identifizieren, wobei meine Beschreibung vom grünen Hollandrad mit geradem Lenker wohl überhört worden sein muß.
Auf der Kripo dann das Spiel, das vielleicht einige kennen, und meine Bange um die Jungs und wie ich wohl nach Hause komme, die letzte Bahn fährt in den Minuten, in denen ich die „Verbrecher-Fotos“ ansehen darf. Egal, hier ist die kürzeste Nacht an ihrem Scheitelpunkt, die Bullen bestellen mir trotz Androhung kein Taxi, sondern fahren mich zivil nach Flingern. Echt nett, ich wunder mich ein wenig! Im funk höre ich nicht ohne Augenrollen die Einsatzanweisungen für Neuss. Von Ruhestörung bis Suizid alles dabei. Wen wundert’s!? Mich!

Natürlich hat die Geschichte keine Moral und erst Recht keinen Sinn. Aber während der Rückfahrt im Bullen-Taxi dachte ich an die bevorstehende Death-Parade und einen Grund, friedlich für irgendwas zu demonstrieren. Es ist doch so; erinnert sich irgendwer an die letzte Demo, an die bescheuerten Gesichter der Wegsäumenden, Touris, Flaneure, Spaziergänger, ordentliche Altstadtbesucher, die sich fragen, warum demonstrieren solch brachial aussehende Typen? Und wofür? Ich erinnere mich und ich wundere mich! Wer ist denn da der typische Schläger, der Böse, der Rauf- und Saufbold, vor denen sich Gott und die brave Welt in Sicherheit bringen muss? Um es deutlich zu sagen, ich will und werde keine Feindbilder malen, aber ich wünsche mir ein Wunder. Dass diese Bilder im Kopf der Harmlosen und weiterer Bürger entlarvt und enttäuscht werden. Dass Passanten wahrnehmen, dass da eine Horde lieber Jungs und Mädels für eine löbliche Sache, für eine friedliche und konstruktive Sache, die Musik nämlich, auf die Strasse gehen. Dass sie sehen, wer hier wie seine Freizeit gestaltet und zum Wichtigsten im Leben noch Stellung bezieht, zur eigenen Sache, zur eigenen Menschlichkeit. Die findet sich nicht im Vor-Urteil. Auch nicht im Wegsehen oder im Zuschieben irgendwelcher Schubladen. Die (Menschlichkeit) findet sich, wenn man es schafft, Menschen zu zeigen, dass man mit Heavy-Metal ein ordentliches Fest feiern kann, mit vielen artverwandten Seelen dem Dionysos-Rausch erliegen kann, der ausschließlich hedonistisch und nicht aggressiv ist!
„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, sagte Nietzsche einst, und ich sage das noch mal an alle Dummen, hört lieber mal was anständiges, und verkehrt in friedlichen Kreisen! Bang YOUR Head!!!
Zur erholsamen Nacht höre ich mir Folgendes an und wünsche mir im Takt der Base die Eier der Schläger-Wichser unter einem Hammer:

“Hey what’s the matter with you,
What are you tryin’ to do, I’m wrecking my brain,
I’ll never get it. Did I ever hurt you in any way?
If I did then hear my apology: ***** YOU!

I’d give anything to batter you down,
all the way to six feet under.
And why in earth should I stop until
I see your ***** ass drop.

Mind your own business and leave mine alone
to take a look in the real world for a sec.
It’s a hell for heroes and heaven for fools,
what makes you the luckiest bastard on earth.

In the prejudiced mind you narrow yourself in,
I’m the servant while you’re the king.

TIL’ TOMORROW IS A BETTER DAY TO BE,
YOU’RE BETTER OFF DEAD THAN ***** WITH ME.
WHAT IF THERE AIN’T NO TOMORROW…
THERE WASN’T ONE TODAY.”

COB, 2003


21.Juni 2003
Simone Remmert

Kommentare zu diesem Artikel
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Re: Sommersonnenwendend die Fresse voll - Neuss-now
Jo, wir sind bei euch vorbeigekommen nachdem das passiert. Ich möchte Meppen auf diesem Wege noch einmal alles Gute und Gute Besserung wünschen. Das war echt die Härte was da passiert ist, ich hab ja seine Zähne sehen können.

In diesem Sinne: Gute Besserung Meppen und Sebastian!


Gruß

Marco von OBSIDIAN GATE