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Konzert Review: SOULFLY - MAD DOGGIN - EYESBURN - - 25.05.2004 - Stuttgart LKA

Veröffentlicht am Donnerstag 03 Juni 2004 20:19:45 von madrebel
Dieser Artikel wurde von Rey_Purehead mitgeteilt
phpnuke.gifDie Welt des Max Cavalera – oder, wie man ein Konzertpublikum mit einem zweistündigen Brett restlos rockt.
Den Abend im LKA eröffneten vor eher spärlichem Publikumsinteresse um 19:30 Uhr Eyesburn, von der aktuellen Soulfly-Scheibe als die Serbische Reggae-Band bekannt, mit der Max Cavalera „Moses“ aufgenommen hat. Überraschend dann, was die vier Jungs vom Balkan auf der Bühne hinlegten, nämlich alles andere als nur Reggae. Man muss sich ihre Musik tatsächlich in der Art von „Moses“ vorstellen, nur ohne Cavaleras Gerotze. Sehr metalliger Reggae. Das Ganze war auch einige Songs ganz unterhaltsam und interessant, z.B. als Sänger Nemanoa Kojotovic – übrigens der einzige wirkliche Rastamann in der Band – beim dritten Song eine Posaune auspackt, insgesamt waren der Auftritt und die Musik von Eyesburn aber wenig prickelnd. So gab es im spärlich vorhandenen Publikum auch wenig bis gar keine Bewegung, außer ein paar hüftschwingenden Mädels. Noch mal einen Überraschungseffekt gab es, als Kojotovic im fünften Song plötzlich doch noch anfängt zu rotzen, im Song danach mischen sich dann Reggae und Rotzen komplett. Ein Problem von Eyesburn, neben der Tatsache, dass sie einfach die erste Band waren und sich kaum jemand für die Serben interessierte, war wohl, dass sie überhaupt nicht mit dem Publikum kommunizierten. Sie spielten ihr Ding und gingen nach einer halben Stunde um 20:00 Uhr von der Bühne. Als Fazit bleibt: Interessante Mischung, aber schon über 30 Minuten wenig spannend.

Nach nicht mal einer Viertelstunde Umbaupause enterten dann die Hamburger Mad Doggin’ die Bühne. Die vier Neo-Metaller bezeichnen sich selbst als die „Last Pimps in Town“ und so traten sie auch auf der Bühne auf: Baseballkappen, Goldketten, weite Hosen. Das Hip-Hop-Image übertrug sich insofern auch auf die Musik von Mad Doggin’, als dass sie verdammt bass- und baselastig daherkam und von der Gitarre eher wenig zu hören war. Der Bass-Sound, insbesondere der Basedrum von Drummer Jarek, war allerdings auch mal richtig fett. Das Set begannen die Hamburger Jungs mit dem Titelstück des brandneuen aktuellen Albums (V.Ö. 03.05.04) „F.O.A.D“ (ausgesprochen „Fuck off and Die“), das das Zeug hätte zu einem Klassiker im Repertoire zu werden, dem Song von Mad Doggin’ schlechthin. Im Refrain hält Vokalist Ben den „erhobenen Mittelfinger der Band in Richtung Aller, die denken, sie wären was Besseres (Auszug Presseinfo)“ in Richtung Hallendecke. In der etwas mehr als einer halben Stunde, die die Performance von Mad Doggin’ dauerte, breiteten die Hamburger dann einen Teppich aus rollendem Bass aus, der stellenweise immer wieder an Korn und andere Größen des Genres erinnert. Leider konnten auch sie das immer noch spärlich vorhandene LKA-Publikum wenig bewegen, erst beim dritten Song (Irgendwas mit „I wish I was the leader of the world“) gibt es einen Anflug von Bewegung im Pit. Danach berichtet Sänger Ben von einer Episode mit der Stuttgarter Polizei am Nachmittag und will wissen, ob so die Stuttgarter Gastfreundschaft aussieht. Damit zieht er das größtenteils sehr junge Publikum auf seine Seite und Ben nutzt das gleich um etwas Lärm für Soulfly zu fordern, den er auch prompt bekommt. Tatsächlich gibt es dann im nächsten Song einen kleinen Pogo-Pit vor der Bühne, bis zum Ende des Gigs hält sich dann eine unerhoffte, noch zaghafte allgemeine Bewegung in der Crowd. Der letzte Song ist dann „traditionell“ (Ben) das Run–DMC-Cover „Oooh Whatcha Gonna Do?“ Ben bindet das Publikum mit ein, und lässt es „Oooh!“ rufen, wenn er schon beschriebenen Finger in die Luft streckt. Nun, das LKA hat sicherlich schon bessere Vorbands gesehen, aber vielleicht was auch das Publikum einfach zu lahm, der Auftritt von Soulfly zeigte später, dass die Leute sich ihre Energien ziemlich gut aufgespart hatten, rockten sie dafür beim Hauptact des Abends um so mehr und heftiger.

Bevor Soulfly die Bühne betraten, galt es während der etwa 40-minütigen Umbaupause Hip-Hop- und R ’n B-Mucke nach dem Motto „Je schlechter die Umbaumucke, desto besser sieht die Band danach aus“ zu überstehen. Als dann das Licht ausgeht und die ersten Töne von „Prophecy“ vom Band ertönen gibt es in der Halle bereits kein Halten mehr. Die Band kommt auf die Bühne, noch ohne Max, der erst kurz vor den ersten Gesangsparts in grüner Brasilienjacke die Bühne betritt. Vom ersten Refrain an ist das Publikum mitten drin und übernimmt das vielkehlige Schreien von „prophecy!“. Von diesem ersten Song an lässt Max Cavalera mit seinen Jungs, Joe Nunez an den Drums, Bobby Burns am Bass und Marc Rizzo an der Leadgitarre, einen beispiellosen Sturm von ineinanderfließenden Brettern aus allen Zeiten des musikalischen Schaffens des Bob Marley des Heavy Metal über dem begeisterten LKA hereinbrechen. Max wechselt dabei seine Kleidung von der Brasilienjacke über das aktuelle Tourshirt und ein Army-Shirt und schließlich - man traute seinen Augen kaum – zu einem VfB-Trikot.
Der zweite Song ist „Seek ’n Strike“ und nach diesem Motto verfährt Cavalera: Er hält sich nicht groß mit vielen Worten auf, sondern reiht einen Kracher nach dem anderen hintereinander und rockt ohne Kompromisse drauflos. Über „Living Sacrifice“ von „Prophecy“ geht es zum ersten Mal in frühere Dimensionen des Max Cavalera Universums. Der Ruf „Roots Bloody Roots!“ reicht aus um die LKA-Crowd schon beim vierten Song in völlige Ekstase zu versetzen. Danach kommt ein Song-Mix aus dem angespielten „Jumpda*****up“ und „Bring It“, bevor es mit „Territory“ wieder älter wird. Der Sepultura-Klassiker geht nahtlos in das brandneue „Execution Style“ über. Dann schon wieder Sepultura – überhaupt spielt Max überraschend viele Songs aus seinen alten Tagen mit Bruder Igor und Konsorten, viele Standard-Soulfly-Songs fehlen im Programm – und zwar einer aus ganz alten Death-Zeiten: „Inner Self“. Dann greift er sogar auf sein Nebenprojekt Nailbomb zurück, könnte „Sum of Your Achievements“ gewesen sein, bevor es mit "Troops of Doom" von der " 87er "Shizophrenia" wieder in Sepultura-Steinzeiten zurückgeht.
Vor „Defeat You“ hängt sich Marc Rizzo dann eine doppelhälsige Gitarre um, ein Hinweis, auf das was bald folgt: Der nächste Song ist „Mars“ und Rizzo zeigt, was er als Flamenco-Gitarrist drauf hat. Überhaupt ist Springteufelchen Rizzo eine echte Verstärkung für die Soulfly-Truppe. Bobby Burns mit Iro am Bass ist solide aber wenig auffällig, Joe Nunez kennt man ja schon aus „Primitive“-Tagen, er prügelt mit einer Inbrunst auf sein Drumset, dass es eine Freude ist, aber musikalisch ist wohl Marc Rizzo der Mann in der mit Erfolg runderneuerten Band, der musikalisch am meisten heraussticht. Was man sich nur fragen muss, ist, warum er auf der Bühne einen Rucksack trägt?
Für "Tribe" packt Max erstmals sein Berimbau aus, dann greift mit "Mass Hypnosis" ein letztes Mal auf Sepultura zurück. Während der folgenden "L.O.T.M.", "Porrada", bei dem Max seine Gitarre wegstellt und das Mic in der Hand die atemberaubend schnellen Lyrics rotzt, und "Born Again Anarchist" konnte man fast ein bisschen den Eindruck gewinnen, dass das fantastisch mit- und abgehende Publikum etwas müde geworden wäre. Genau zum richtigen Zeitpunkt gibt es dann eine wohlverdiente Verschnaufpause. Am Ende von "Born Again Anarchist" verschwindet Max hinter einer Wand am hinteren Bühnenteil, während die Band weiterspielt, bis am Ende nur noch Joe Nunez ein Drumsolo gibt. Während diesem kommt Max mit einer umgeschnallten Trommel zurück und legt los, dann schnallen sich auch Rizzo und Burns Trommeln um und damit nicht genug kommt noch Mad Doggin" Drummer Jarek auf die Bühne und trommelt mit. Der kleine Drum-Percussion-Jam leitet das definitive Highlight des Abends ein: Die komplette Mannschaft von Eyesburn entert die Bühne, so dass im Endeffekt acht Mann on stage sind, um "Moses" zu performen. Zwei Gitarren, Bobby Burns am Bass, Joe Nunez und ein Percussionist, Nemanoa Kojotovic mit seiner Posaune und Max am Berimbau im VfB-Trikot. Einfach schlichtweg der Hammer! Das muss sogar jeden Hardcore-Deather begeistern. Danach schießt Max noch die Soulfly-Kracher "Back to the Primitive" und "Eye for an Eye" nach und rockt damit die Leute noch mal so richtig aus der Halle – der Pogo- und Abgehfaktor im Pit erreicht noch mal einen Höhepunkt. Am Ende verbschiedet sich Herr Cavalera ziemlich kurz und verlässt die Bühne, während seine drei vorübergehenden Bandkollegen sich noch ein bisschen feiern lassen dürfen.

Es bleibt über diesen Auftritt nicht mehr viel zu sagen: Der "Planet Max" in einer Hammer-Performance - ganz große Klasse! Bleibt nur die Frage: Warum zur Hölle hatte Marc Rizzo einen Rucksack auf?

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