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Konzert Review: QUEENSRYCHE London Astoria 05-06-03

Veröffentlicht am Mittwoch 11 Juni 2003 00:12:19 von Harry
phpnuke.gifQueen of the Reich vs. Räucherstäbchen
Mein letztes QUEENSRYCHE-Konzert ist schon einige Zeit her (1995), und da meine alten Helden bei ihrem diesjährigen Europa-Kurztrip nicht in unserer Ecke vorspielen wollten, fliegt man dann auch gerne mal wieder auf die Insel.
Das Astoria im Londoner Vergnügungsviertel Soho ist eines dieser alten englischen Theater, welches irgendwann in einen Tanz- und Veranstaltungsschuppen umgebaut wurde. Hinten ein großer Balkon mit Sitzplätzen, kleine Treppen führen zu diversen Nebenräumen und den Innenraum, der doppelt so breit wie lang ist. Hier hat man aus jeder Position die große Bühne komplett im Blick, ist man auch am hintersten Thekenplatz maximal 30-40 Meter von ihr entfernt.
Zu den Preisen sag ich jetzt mal nix, jeder, der schon mal in London war weiss, dass es in Europa nirgendwo teurer ist als dort.

Den Anfang machten HURRICANEPARTY ("death to the Namensgeber"), fünf britische Nachwuchsmusiker, altersmäßig irgendwo an die 20, alle, bis auf den Sänger, mit gepflegtem „Haare nach vorne gekämmt“-Haarschitt. Trotz des üblen optischen Auftretens muss man aber festhalten, dass die Jungs teilweise wirklich rockten. Die Mischung aus Black Crowes, Ramones und The Almighty kam beim Londoner Publikum ganz gut an.
Kurze Umbaupause, dann enterten QUEENSRYCHE die Bühne.
Im Hintergrund thronte natürlich Scott Rockenfield hinter seinem schon von vergangenen Touren bekannten, Plexiglas-ummauerten Drumkit. Basser Eddie Jackson und Gitarrist Michael Wilton, beide äußerlich fast unverändert, besetzten die linke Bühnenhälfte während der Neu- (Tour-) Gitarrist und de Garmo-Ersatz (geht das ?), dessen Namen mir noch nicht geläufig ist, sich auf der rechten Bühnenseite austobte. Dahinter noch ein Synthi, den Frontmann Geoff Tate während des Gigs gelegentlich nutzte.
Tate hatte mit seiner Komplett-Glatze, leichtem Übergewicht (wer hat das nicht in dem Alter ?) und schwarzem „Gewand“ verblüffende Ähnlichkeit mit Meister Propper, war aber, um es vorweg zu nehmen, stimmlich 100% auf der Höhe. Immer noch eine der besten Stimmen im Metalbereich.
Der Opener „Open your mind“ vom im Juli erscheinenden neuen Album „Tribe“ gab dann auch gleich die Marschrichtung vor, die QUEENSRYCHE und insbesondere Geoff Tate in den folgenden knapp 120 Minuten einschlugen. Viel „neueres“ Material wurde gespielt und Tate lud alle ein auf eine Reise durch die Band-Geschichte und „ein jeder sollte sich doch öffnen für diesen Trip“.
Gut, ich öffnete mich also, was die in der Folgezeit dargebotenen Stücke der 90er-Jahre-Alben für mich aber auch nicht erträglicher machten. Letztendlich nutze ich dieses „Öffnen“ dann doch eher für das ein und andere kalte Ale, so ging die erste Stunde des Gigs locker über die Bühne.
OK, so schlecht war diese erste Stunde auch nicht, „Screaming for digital“, „Empire“ oder „Needle lies“ waren der Hammer, dementsprechend enthusiastisch ging die Menge bei diesen Songs auch mit. „I am I“ und „Damaged“ machten auch gute Stimmung, dagegen verströmten die Stücke 9 – 12 der Setlist (siehe unten) bei mir gepflegte Langeweile.
Die war sofort weg, als die zweite Stunde QUEENSRYCHE mit „Jet City Woman“ eingeläutet wurde. „Silent Lucidity“ wurde mehr von den Fans als von Tate gesungen/zelebriert und die anschließenden sechs Songs von „Operation: mindcrime“ waren schlichtweg genial, das Astoria tobte und auch bei mir hatte sich längst das alte Queensryche-Gefühl eingestellt. Nur leider war dann Schluß.
Nach Ende des regulären Sets folgten zwei Zugaben, mit welchen QUEENSRYCHE ganz klar die These widerlegten, dass man seine besten Songs für den Schluß aufheben sollte. „Best I can“ war gut, aber “Saved” haute wirklich keinen mehr um.
Ja, und wo war mal wieder der göttliche Rest ?
Nix von „Queen of the Reich“, nix von „The warning“, kein „Neue Regel“ (von „Rage for order“).
Handwerklich war wie immer alles vom Feinsten, Scott Rockenfield ist an den Drums immer noch die Macht, der neue Gitarrist spielte solide, hat aber natürlich nicht die Aura eines Chris de Garmo, und Geoff Tate hat immer noch ´ne mächtige Stimme.

Fazit:
Mein viertes wird wahrscheinlich gleichzeitig auch mein letztes QUEENSRYCHE-Konzert gewesen sein.
Nicht weil´s schlecht war, im Gegenteil, nimmt man Ort, Atmosphäre, Sound und Stimmung, war der Gig sogar richtig klasse.
Nur mittlerweile überwiegen die Songs aus der „Nach-Empire-Phase“, und die haben einfach nicht mehr die Qualität einer „Warning“ oder einer „Mindcrime“, wirken auf mich eher ermüdend und langweilig (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen).
Und Geoff Tate machte mir durch sein „Open your mind“-Gefasel während des gesamten Konzerts nicht den Eindruck, als würden er/die Band jemals wieder ein Stück von „Reich“ oder „Warning“ live zum Besten geben. Die scheinen dem guten Tate mittlerweile peinlich zu seinen bzw. nicht in sein esoterisch angehauchtes Gesamtkonzept zu passen. Es passiert also das, was nie hätte passieren dürfen: Ein Räucherstäbchen besiegt die "Queen of the Reich"!
Jetzt werden natürlich Leute kommen und sagen, „die Band hat sich halt weiterentwickelt“; natürlich hat sie das, aber hier werden die Wurzeln einfach vergessen, Songs nicht gespielt, welche der Band erst die Möglichkeiten eröffneten, diesen ganzen Mist aus den 90ern zu produzieren.
Was hätte ich gegeben, noch einmal „Take hold of the flame“ live mitzuerleben ?!
Kurz, ich bereue nicht dabei gewesen zu sein, aber für ein Über-Konzert einer Über-Band fehlten mir an diesem Abend einfach einige Über-Nummern.

Harry


Setlist:
1. Open your mind
2. My global mind
3. Sign of the times
4. Screaming for digital
5. I am I
6. Damaged
7. Empire
8. The needle lies
9. Tribe
10. (kannte ich nicht, will´s auch gar nicht wissen)
11. (kannte ich nicht, will´s auch gar nicht wissen)
12. (kannte ich nicht, will´s auch gar nicht wissen)
13. Jet City Woman
14. Silent Lucidity
15. I remember now / Anarchy X
16. Revolution calling
17. Speak
18. Spreading the disease
19. The mission
20. Eyes of a stranger

21. Saved
22. Best I can

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