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Konzert Review: No Mercy Festival 2004: CANNIBAL CORPSE, HYPOCRISY, KATAKLYSM, CARPATHIAN FOREST

Veröffentlicht am Donnerstag 08 April 2004 05:06:06 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifEin hochkarätiges Billing hatten die NoMercy Festivals ja schon immer – aber das diesjährige Billing und die Einzelleistungen waren schon Hammer! Wer`s verpasst hat kann sich Blend-A-Med kaufen und sich kräftig in den Hintern beissen!




Für mich persönlich stand der Abend unter keinem guten Stern: erst nachts nicht schlafen können nach 9 Nachtwachen am Stück, und dann erst am späten Nachmittag aufgewacht, was dann alles in allem zur Folge hatte, dass ich von EXHUMED noch den letzten Song zur Hälfte zu sehen bekam. War laut Anwesenden aber wohl nicht der Brüller, die vorher aufgetretenen SPAWN OF POSSESSION sollen besser gewesen sein. Das anberaumte Interview mit Hypocrisy platzte dann auch gleich, was wodurch ich dann wenigstens nicht den Gig von VOMITORY verpasste. Und schon am frühen Abend waren Licht und Sound erfreulicherweise sehr gut, was eine arschtight zusammen spielende Band dann mit einem engagierten Set dankte und sich freute wie kleine Kinder über den alles andere als spärlichen Applaus. Technisch gab`s an dem immer noch nicht überragend einfallsreichen Geknüppel rein gar nichts auszusetzen, obwohl mich Vomitory mit ihrem Songmaterial auch diesmal nicht vom Hocker reissen konnten. Vomitory knüppelten circa 25 Minuten einen Song nach dem anderen herunter und erwiesen sich als prima Anheizer – mehr aber auch nicht. Nach kurzer Umbaupause enterten CARPATHIAN FOREST die Bühne und lieferten ein schweinegeilen Gig ab. Schon beim ersten Song wurden die Pommesgabeln ausgefahren und gebangt was das Zeug hält, vor der Bühne war es trotz der noch recht frühen Stunde schon ordentlich voll und Band und Publikum gaben richtig Gas. Black Metal konnte man das, was die Band um den als einziger weiß getünchten Nattefrost ablieferte, nur teilweise nennen, denn Carpathian Forest hörten sich durch den knarzenden Bass und die ausgeprägte Rock`n Roll-Attitüde (inklusive Saitenfraktionsgepose) an wie eine Mischung aus Motörhead, Sodom und Impaled Nazarene. Mit Songs wie „The Angel And The Sodomizer“, „Morbid Fascination Of Death“, „He`s Turning Blue” und dem abschließenden “Carpathian Forest” räumte der Fünfer um den äußerst agilen Nattefrost gut ab und dürfte auch so manchen eingefleischten Death Metaller überzeugt haben. Die rund vierzig Minuten machten nicht jede Menge Spaß, sondern auch Lust auf mehr, aber die geforderte Zugabe musste leider ausbleiben. Wenigstens konnte ich noch einige Bilder machen, bevor meine Fotobatterie den Geist aufgab und mir die Laune verdarb.

Der Ärger war allerdings recht schnell vergessen, als KATAKLYSM zum Intro von „Serenity In Fire“ die Bühne enterten um dem Publikum so richtig den Arsch zu versohlen. Mit „The Ambassador Of Pain“ ging es sofort in die vollen, vor der Bühne steppte der Bär, und nachdem Sänger Maurizio sich kurz über mangelnde Stimmung beschwert hatte, gab das Publikum noch mehr Gas. Während Gitarrist GF und Basser Stephane vorne bangten, vertrimmte Neuzugang Martin sein Drumkit mit derselben unglaublichen Geschwindigkeit wie auf Platte, während sich Maurizio bei „Illuminati“ schon mal den ersten Diver auf der Bühne unter den massigen Arm klemmte, um im Duett gepflegt abzumoshen, während sein Nachfolger nach einigen Takten kurzerhand geschultert und ins Publikum zurück befördert wurde. Nach einigen älteren Sachen konnten dann natürlich der Titeltrack und „For All Our Sins“ vom neuen Album gnadenlos überzeugen, bevor Drummer Martin zum (ersten) Drumsolo ansetzte. Und was der Typ da anstellte, dürfte so manchen Drummer mit Streichhölzern und Benzin zu seinem Drumkit rennen lassen: noch schneller als auf Platte verdrosch der Schlagzeuger sein Drumkit, was im Strobolicht schon ziemlich surreal wirkte, da auf jeden sichtbaren Anschlag ungefähr zehn hörbare kamen. Endgültig fielen die Kinnladen, als der Drummer plötzlich einen Arm ausgestreckt aushielt – und praktisch genau so schnell wie vorher nebenher auf seine Snare eindrosch! Wahnsinn! Das folgende „Blood On The Swans wurde dann leider von massiven Gitarrenproblemen überschattet, und währen GFund Maurizio sich auf Problemsuche begaben, spielte Martin noch ein kurzes Drumsolo, bevor man „Temple Of Knowledge“ noch schnell vor Ablauf der Zeit und ohne größere Probleme über die Bühne brachte. Mehr als sich für die Probleme zu entschuldigen blieb dann nicht mehr, aber Kataklysm hatten auch so amtlich abgeräumt und dürften in punkto Flugverkehr am heutigen Abend Chef im Ring gewesen sein.

Dann wurde das vordere Schlagzeug abgebaut und alles wartete gespannt auf HYPOCRISY. Und jeder der da vor der Bühne stand dürfte den Abend kaum vergessen! Erste Neuerung – nix mit irgendwelchen Alien-Backdrops, einfach nur die nackte Bühne. Mit dem Intro von „Born Dead Buried Alive“ vom aktuellen Meisterwerk „The Arrival“ startete man in einen Gig, der selbst eingefleischte Hypocrisy-Fans in Staunen versetzte. Ich habe die Band schon mindestens fünf Mal gesehen, aber selbst Promo-Chef von Nuclear Blast war nachher überrascht von dem Gig und meinte er hätte Hypocrisy noch nie so gut gesehen. Vom hymnenhaften Charakter der Songs blieb streckenweise nicht viel übrig, denn Peter Tägtren und seine Mannen knüppelten sich mit der Brachialgewalt einer Dampfmaschine durch ihren Set – hier gab`s von wenigen Ausnahmen abgesehen voll was auf`s Fressbrett! Egal ob Sachen wie „Fusion Programmed Mind“ oder „Adjusted The Sun“, der auf der letzten Tour mit Dimmu Borgir bereits vorgestellte Kracher „Eraser“ von „The Arrival“ – Peter grunzte fast wie in alten Tagen ins Mikro, und während sich seine beiden Sidemen agil auf der Bühne bewegten und bangten was das Zeug hält, prügelte Ex-Immortal-Drummer Horgh ohne Pause auf sein Schlagzeug einund machte deutlich, dass man den Vorgänger Lars Szöke keine Sekunde vermissen braucht! Unglaublich wie brutal Hypocrisy jetzt live klingen, wo sie freundlich formuliert nicht mehr auf den Drummer Rücksicht nehmen müssen. Selbst „Turn The Page“ vom „Ausrutscher“ „Catch 22“ krachte herrlich derb aus den Boxen, wobei man diesmal dem Soundman nein echtes Lob aussprechen musste, denn obwohl die Boxen bis zum Anschlag aufgerissen waren, konnte man über den Sound nicht meckern. Das Publikum feierte Hypocrisy und Songs wie „Fire In The Sky“ oder „Necronomicon“ gnadenlos ab, weshalb sich Peter immer wieder bedankte. Mit „Slaves To The Parasites“ konnte man natürlich ebenso punkten wie mit „Reborn“, „Ludwigsburg 47“ räumte sowieso ab, und diesmal knüppelte man auch die Uraltschote „God Is A Lie“ gnadenlos tight herunter, bevor man es mit dem majestätischen „Deathrow“ verhältnismässig ruhig ausklingen liess. Die lauthals geforderte Zugabe blieb auch hier aus, aber trotzdem konnte man den Gig von Hypocrisy nur als geil bezeichnen. Und auf das nächste Album (Peter wollte schon wieder ins Studio!) darf man jetzt schon gespannt sein, denn das soll wieder ein richt deftiger Kracher sein!

Über die um 23:30 Uhr die Bühne enternden CANNIBAL CORPSE muss man wohl kaum mehr Worte verlieren. Mit dem Opener „Severed Head Stoning“ vom neuen Album "The Wretched Spawn" legten die Amis gleich los wie die Feuerwehr, der Corpsegrinder brüllte sich die Seele aus dem Leib, Alex Webster und Pat O`Brien moshten und frickelten was das Zeug hielt, Drummer Paul Mazurkiewicz trommelte wie ein Ohrwerk – und Jack Owen steht mit geschlossenen Augen da als wäre in einer verrauchten Eckkneipe und spielt den Blues! Und zwar praktisch das ganze Konzert – egal ob man Klassiker wie „Stripped, Raped & Strangled“ oder „Fucked With A Knife“ oder den Übersong vom neuen Album, „Decency Defied“ zum besten gab. A propos Klassiker – Brüllwürfel Corpsegrinder könnte seine Ansagen mal überarbeiten, beide Songs kündigte er exakt wie auf der „Live Canninbalism“-CD an… Aber egal, eine routinierte Band wie die Kannibalen lebt sowieso eher von Songs wie „Disposal Of The Body“, „Sentenced To Burn“ oder „Festering In The Crypt“. Das Publikum in der spätestens jetzt brechend vollen Rockfabrik gab ein letztes Mal alles, und abgesehen von kurzen Pausen durch erneute Soundprobleme (irgendwo her dudelte immer Radio Eriwan oder weiß der Kuckuck durch eine Fubkstörung über die Boxen, was auch durch ein mehrfaches „Shut up!“ von George nicht zu beheben war) holzten sich Band und Publikum wie gewohnt arschtight weiter durch Göttersongs wie „Gallery Of Suicide“, natürlich „The Wretched Spawn“ und „Pit Of Zombies“. „Staring Through The Eyes Of The Dead“ und Devoured By Vernim“ durften natürlich auch nicht fehlen, ein kurzes Dankeschön – und nach einer Stunde war ohne Zugabe Schicht im Schacht! Auf das immer wieder zwischen den Songs vom ganzen Publikum geforderte „Hammer Smashed Face“ konnte / musste man ja notgedrungen verzichten, aber die Unsitte keine Zugaben zu spielen sollten sich Cannnibal Corpse mal abgewöhnen.

Um halbeins entließ man dann ein ausgepowertes Publikum nach Hause, und wer noch die Chance hat das Billing zu sehen sollte sich das nicht entgehen lassen! Lauter gute Bands, Licht, Sound (abgesehen von Radio Eriwan), Show – alles klasse, saugeiler Abend!!!

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