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Zur Meinung von Amazon

Interview: Interview mit TANKARD 08-04-2003 Teil 1

Veröffentlicht am Montag 14 April 2003 10:42:16 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifAuch beim zweiten Versuch war kein vollkommen ernstes Gespräch möglich. Aber Gerre entpuppte sich als redseliger, aber kritischer Zeitgenosse. Von VW Polo bis zu Junkies. Und weil Gerre so viel erzählte, gibt`s das ganze auf zwei Teile…
Nachdem das letzte Interview mittlerweile eineinhalb Jahre alt ist, und diverse Versuche einen Nachschlag zum aktuellen Album zu organisieren fehlschlugen, klingelte Gerre abends um Neun zur gemütlichen Quasselstunde durch. Und ließ durchblicken, dass man auch als Frontmann der Bembelthrasher deutlich mehr zu sagen hat als „Prost!“.


Gerre: Hi, ich bin`s Gerre! Sorry wegen den 5 Minuten Verspätung, tut mir leid! Aber so sind wir halt nun mal…

Zombie: Hallo! Wir haben das Interview jetzt mit fast einem Jahr Verspätung hingekriegt, da soll das mal völlig egal sein!

Gerre: Danke für euren netten Live-Review aus Amberg! Also ich fand`s ganz ok, die Anlage war halt ziemlich beschissen, wir haben oben nichts gehört, haben uns dementsprechend ein paar Mal irgendwie verhackt, aber insgesamt war`s ganz ok.

Zombie: Es war auf jeden Fall sehr lustig! Auch wenn mein Knie heute noch blau ist - aber egal!

(Gelächter von Gerre)
Zombie: Ok, live seit ihr unbestritten eine der besten Bands! Was war eigentlich das letzte Auto welches Du dir gekauft hast?

Gerre: Ich fahre jetzt einen alten Polo, einen Derby! `87er, nee, `86er Baujahr, hat gerade einen neuen TÜV gekriegt, fahre ich seit Oktober, weil den Einser-Golf habe ich dann doch mal verschrotten lassen. Der hat ein bisschen viel Öl geschluckt…Da bin ich mal auf irgendeinem Festival vorgefahren und hab dann doch allgemeines Gelächter hervorgerufen…
Zombie: Ah ja! Der Hintergrund der Frage war eigentlich: wie gut läuft denn „B-Day“?

Gerre: (lacht los)

Zombie: Die ist ja doch schon ein Jahr draußen…

Gerre: Naja, ein Jahr nicht ganz, dreiviertel Jahr. Mitte Juni ist die Platte rausgekommen. Gut, aber da kann ich Dir leider nix genaues dazu sagen! Wir haben keine genauen Zahlen bis jetzt, irgendwas zwischen fünf- und zehntausend. Die ist auf jeden Fall wesentlich besser gelaufen als „Kings Of Beer“! Die Plattenfirma hat auch einiges getan, wir haben auch ein bisschen was getan, und, tja – das das jetzt nicht der Megaseller wird war klar, aber das war schon auch so erhofft das es wieder aufwärts geht, und das hat`s auf jeden Fall getan. Aber genaue Verkaufszahlen kann ich Dir im Moment echt nicht sagen… Eher gegen zehntausend europaweit.

Zombie: Also zum Leben reicht`s noch nicht…

Gerre: Ach Quatsch(lacht), das ist ein Hobby!

Zombie: Und auf was führt Ihr die doch wieder relativ deutlich gestiegenen Plattenverkäufe zurück? Nur die Promotion durch die Plattenfirma?

Gerre: Gut, die Platte hat ziemlich gute Kritiken überall bekommen (Und das zu Recht!!! – Anm. des Verfassers), im Sweden Rock waren wir Platte des Monats – das waren wir noch nie mit irgendeiner Platte irgendwo Platte des Monats! (lacht) Zumindest nicht das ich mich entsinnen könnte - obwohl, warte mal, mit der „Chemical Invasion“ (1988) glaube ich mal! Na ja, auf alle Fälle ziemlich gute Reaktionen, und ich denke mal das es auch der richtige Schritt war, den Produzenten zu wechseln!

Zombie: Das wäre jetzt die nächste Frage gewesen…

Gerre: Ich nehm Dir schon alles vorweg! Ich denke mal das war ein längst überfälliger Schritt, nix gegen Harris Johns irgendwie, der ja alle Platten mit uns gemacht hat (immerhin 10 reguläre Studioalben plus eine Live-CD – Anm. des Verf.), aber das war halt einfach mal nötig so ein Tapetenwechsel. Und der (Andy Classen - Anm. des Verf.) hat auch `ne ganz andere Arbeitsweise gehabt. Und hat uns auch…schon noch Old School Thrash Metal ist da drauf, aber schon auch in einem fetteren, neueren Sound. Und die „Kings Of Beer“ (2000) hat mir im Nachhinein betrachtet wirklich nicht mehr so gefallen ehrlich gesagt.

Zombie: Das heißt „B-Day“ ist euer stärkstes Album seit…

Gerre: (überlegt) …das musst Du beurteilen! Das ist immer so schwer das zu sagen, natürlich steh ich nach wie vor zu jedem Album, was wir gemacht haben! Wobei, „The Tankard“ (1995) war halt schon so ein bisschen aus dem Rahmen gefallen, weil es spielerisch unser bestes Album war – nach wie vor – ist es auch so von den Melodylines her, das war ziemlich viel Arbeit, aber…keine Ahnung seit wann es das beste ist! Kann ich Dir nicht sagen!

Zombie: Würdest Du der Behauptung zustimmen, das es wieder Richtung „The Morning After“ (1989) geht - vor allem im Vergleich zu den letzten paar Platten?

Gerre: Weiß ich nicht, auf jeden Fall ist die härter als „Kings Of Beer“! Aber wir planen so was ja eigentlich auch nicht richtig! Die Songs entstehen halt so aus dem Bauch heraus und dann hört man sich das Endresultat an wenn man die fertige CD zu Hause hat. Aber ich würde schon sagen die hat ein paar Härtegrade zugenommen im Vergleich zu „Disco Destroyer“ (1998) und „Kings Of Beer“ – auf jeden Fall!

Zombie: Liegt das jetzt nur am Produzenten oder…

Gerre: Nee, das liegt sicherlich auch am Songwriting, wir haben auch ein bisschen anders die Songs geschrieben, das heißt es wurde mehr zusammen entwickelt dieses Mal. Ganz früher war es halt so gewesen, dass einer praktisch mit `nen fertigen Song in den Proberaum kam, der dann noch ein bisschen ausgearbeitet worden ist, und jetzt in letzter Zeit hat sich das so entwickelt – gerade bei der „B-Day“, daß doch mehr zusammen gemacht wird. Also mehr zusammen im Proberaum ein Song erarbeitet wird.

Zombie: Kann man das auch ein bisschen eurem „neuen“ Gitarristen zuschreiben? Ok, neu ist der ja nun auch nicht mehr…

Gerre: Der hat auch schon auf der „Kings Of Beer“ ein paar Sachen gemacht, aber er hat jetzt zum Beispiel auch…also verantwortlich ist er zum Beispiel für „Rectifier“, was mein absoluter Lieblingssong auf der Platte ist, und das war auch glaub ich der allerletzte Song der entstanden ist. Also bei uns ist das so, dass wir ziemliche Schluris sind, so ungefähr „wir gehen jetzt irgendwann ins Studio und blabla, und wir haben erst drei Songs, und es wird schon…“ – und zum Schluß bricht dann immer, bevor wir ins Studio gehen die zwei, drei Monate, die totale Hektik bei uns aus, aber unter dem Druck entstehen dann meistens die besten Songs von so `ner Platte! Und das war der letzte Song glaub ich für die Platte, den wir gemacht haben.

Zombie: Und einer eurer besten seit langem!

Gerre: Ja! Mit „Sunscars“ glaub ich zusammen – die zwei waren die letzten.

Zombie: Der gefällt mir mittlerweile auch richtig gut. Am Anfang hat mir der noch nicht ganz so…

Gerre: Was wir jetzt auch noch neu live spielen ist „New Liver Please“…

Zombie: Den hätte ich gar nicht auf der Rechnung gehabt!

Gerre: Der kommt absolut gut! (lacht)

Zombie: Klar – das passt natürlich zu euch! (beidseitiges Gelächter) Meine Faves von „B-Day“ sind „Rectifier“, „Notorious Scum“ – also die ersten vier ganz einfach! Die sind nur genial – obwohl der Rest natürlich auch klasse ist! Das waren auch die, die ich eurem neuen Fan den ich im Bericht erwähnt hatte, im Auto vorgespielt hab! Den haben wir einfach mitgenommen, weil ich gesagt hab „Das musst Du einfach sehen wenn die schon mal hier sind!“ – und der ist im Auto gesessen, und ich glaub da war noch nicht mal der Refrain da von „Notorious Scum“ – und der schreit:“Geil!!! Genau das was ich hören wollte!!!“ (Gerre lacht) – also ich denk schon, dass auch noch Potenzial da ist für euch!

Gerre: Wir haben jetzt zwei Songs fertig für die nächste Platte – also Rohversionen – und…ja, es wird die Richtung weitergehen, das ist ganz klar! Also es wird jetzt nicht einen Schritt zurück geben zu „The Tankard“ oder so! Also super Melodien und blablabla – als Du weißt was ich mein! Auf jeden Fall gehen wir wieder zu Andy Classen, der wird die Platte auch mischen – und dann werden wir weitersehen!

Zombie: Klar! Also die „B-Day“-Richtung bleibt auf alle Fälle!?

Gerre: Wie gesagt, ich kann`s Dir noch nicht sagen, aber die zwei Songs die fertig sind gehen halt auch schon ganz gut ab!

Zombie: Wann können wir denn mit einer neuen Platte…

Gerre: Wir gehen im Dezember ins Studio und dann wirst Du mit der Platte im Februar rechnen können – so Februar / März 2004 ist so angepeilt!

Zombie: Spielt Ihr auch irgendwelche Festivals oder so – gibt’s da schon Pläne?

Gerre: Wir spielen dieses Jahr verstärkt im Ausland, wir waren jetzt zum Beispiel in Griechenland, in der Türkei, spielen über Ostern in Schweden auf dem Mutala Festival, spielen in Dänemark, spielen im Sommer in Deutschland nur beim Blind Guardian – Festival, ich hoffe das dann nächstes Jahr, wenn der Release draußen ist, auch wieder so Sachen wie Summer Breeze oder Bang Your Head – das fanden wir war ein sehr geiles Festival – das wir da dann auch noch mal dran kommen!

Zombie: Aber mit Tour ist nix mehr drin bei euch!?

Gerre: Also bei uns stellt sich das halt so dar: wir sind alle berufstätig in der Band – soviel zum Thema man kann davon leben (beidseitiges Gelächter) – und wir sind natürlich auch keine 20 mehr wo man viel Zeit hat und mal so locker drei, vier Wochen auf Tour gehen kann. Also wir sind alle berufstätig und bei uns verlagern sich solche Geschichten auf`s Wochenende, dann ein zwei Gigs am Stück – oder drei – und…tja, wir fahren auch selber mit `nem Neunsitzer durch die Gegend…so ist das bei uns! Und `ne richtige Tour ist jetzt nicht geplant, so eine Kurztour könnte man mal machen, so sechs bis zehn Shows am Stück, aber – wie gesagt…

Zombie: Also wenn das mit Nightliner klappt – wir haben uns ja schon mal angemeldet – dann muß es natürlich ein Tourtagebuch geben! (Gerre lacht los) Da müsst ihr dann rechtzeitig Bescheid geben!

Gerre: Tja, wir sind alt geworden! Erwarte nicht zuviel! (lacht)

Zombie: Auf der Bühne habt Ihr aber noch recht fit ausgesehen!

Gerre: Drei von vier waren ganz schön voll am letzten Samstag (Amberg – Anm. des Verf.) – das sag ich Dir! (lacht)
Ja, also so läuft das! Dann spielen wir dieses Jahr noch auf dem Sweden Rock Festival – das wird auch ein großes Ereignis werden…hoff ich mal! (lacht) Das soll ein supergeiles Festival sein, da werden wir wohl höchstens eine Stunde spielen, aber das wird schon sehr geil hoff ich mal, dann spielen wir noch in Portugal auf `nem Festival – also Du siehst: wir kommen schon ein bisschen rum! Dann spielen wir in Pratteln auf diesem (den Namen habe ich leider nicht verstanden beim abhören – Anm. d. Verf.) Festival Anfang August – da kann ich Dir aber gleich sagen: da gibt`s keine Gästeliste! Ein Festival ohne Gästeliste! A propos Gästeliste – Du hättest Dich ja auch melden können wegen Gästeliste letzten Samstag!

Zombie: Naja, das war letztendlich alles recht kurzfristig und bis zum Schluß nicht ganz sicher – und außerdem seid Ihr eine von den Bands wo ich auch ganz gern zahle!
Diese doch recht vielen Konzerte im Ausland…

Gerre. Also wir spielen schon recht viel! Wir haben letztes Jahr knapp 30 Gigs gespielt – halt über die Wochenenden verteilt, und das ist halt schon recht viel Fahrerei! Aber wie gesagt, wir sind alle berufstätig und können Shows und so meistens nur am Wochenende abziehen, dann geht der Urlaub vollkommen dafür drauf, dann geht der Urlaub natürlich auch für`s Studio drauf – und das geht halt nicht anders bei uns!

Zombie: Aber wenn Ihr jetzt so viel im Ausland spielt muss also noch einiges an Interesse da sein – das sind ja auch nicht unerhebliche Kosten die eurer Plattenfirma entstehen wenn die euch in der Gegend rumkarren!

Gerre: Die Plattenfirma fährt uns da nicht hin – das läuft alles über den Buffo, unseren Manager, der managt uns und macht auch das Konzertbooking. Da hat die Plattenfirma eigentlich nix damit zu tun. Das wir auf dem Sweden Rock spielen können weil wir in der Zeitung erster geworden sind ist natürlich geil!

Zombie: Ihr schafft den Durchbruch noch mal irgendwann! (Gerre prustet los) Ich vertrau da einfach drauf!

Gerre: Ich sag mal so: was so die letzten ein, zwei Jahre abgegangen ist, dafür hat sich`s wirklich gelohnt auch ein paar Jahre `ne richtige Durststrecke gehabt zu haben und auch in irgendwelchen JUZ`s vor hundert Leuten gespielt zu haben und jetzt geht`s grade wieder nach oben, und so lang das so ist und es noch Spaß macht, nehm ich das noch mit und – hab total Bock drauf!

Zombie: Also zwanzig Jahre werden`s noch…!?

Gerre: Ich mein: der Frank und werden dieses Jahr 36!

Zombie: Das ist doch nicht alt!

Gerre: Ich glaub der Angelripper ist älter – 38 oder so…kann das sein?

Zombie: Der schaut zumindest wesentlich älter aus…

Gerre: Ehrlich? (lacht)

Zombie: Dann gibt`s da noch eine Frage, die beinahe jedes Mal kommt wenn das Thema auf Tankard kommt – wo arbeitet ihr denn eigentlich? Wenn Ihr euch nicht in irgendwelchen Kneipen aufhaltet…

Gerre: (lacht) Also, der Frank arbeitet bei Mitsubishi – Quatsch, bei Jaguar mittlerweile, und was er da genau macht kann ich Dir eigentlich gar nicht genau sagen! Er ist im Büro tätig und hat auch eine ziemlich verantwortungsvolle Aufgabe – aber frag mich nicht, was er da genau macht! Unser Drummer arbeitet bei Tesis, die bauen Bremsen, unser Gitarrist ist Elektromechaniker, der studiert und arbeitet in einer Firma, die Geräte bauen womit Du CD`s und DVD`s herstellen kannst. Und ich bin Sozialarbeiter in der niedrigschwelligen Drogenhilfe. Also ich bin sozusagen das arme Schwein in der Band! (lacht) Ich bin halt auch so ein Schluri gewesen, ich hab mein Abi gemacht, meinen Zivi gemacht, dann hab ich erst mal garnix gemacht, ein paar Jahre von der Musik gelebt, das ging anfangs der Neunziger noch ganz gut, und dann hab ich irgendwann mal angefangen, bei der Post zu jobben jahrelang, weil ich Kohle brauchte – und dann hab ich gesagt jetzt musst mal irgendwann noch was machen, also was lernen, und dannn hab ich mich dazu entschlossen, entweder was in der Musikbranche zu machen, das hat dann aber nicht so ganz geklappt, oder was zu studieren. Und dann war immer klar, wenn ich was studiere, dann was soziales! Dann hab ich halt mein Sozialarbeiter-Studium fertig gemacht und bin jetzt seit letztem Sommer fest eingestellt.

Zombie: Und Du kannst das vereinbaren, in den Texten den Bierkonsum zu propagieren und auf der anderen Seite zu sagen:“Hey, laß die Finger weg!“?

Gerre: Nein, wie gesagt, wir sind eine niedrigschwellige Einrichtung. Ich arbeite in einer Fixerstube, die Leute kommen zu uns, kriegen sauberes Spritzbesteck und können sich ihre Drogen verabreichen. Unter hygienischen und stressfreien Bedingungen. Wir stehen da also nicht mit erhobenem Zeigefinger daneben, von wegen „Ist doch scheiße das Du Drogen nimmst!“! Das ist mehr so, dass die Leute wenn sie Hilfe brauchen, die kommen dann schon zu uns, und wir vermitteln auch weiter, wir machen auch viel für die, aber erst mal – und das ist ja das Konzept dieser niedrigschwelligen Drogenhilfe – erst mal akzeptieren wir, dass die Leute Drogen nehmen. Das ist erst im Endeffekt erst mal klassische Überlebenshilfe. Das heißt lieber die Leute weg von der Straße lieber bei uns drücken oder fixen oder wie auch immer, weil wir halt notfallmäßig eingreifen können, wenn jemand eine Überdosis hat. Bei uns ist also zum Beispiel noch nie jemand gestorben in unserem Laden. Weil wir immer gleich adäquat Hilfe leisten können – also das ist natürlich schon was komplett anderes, als das, was ich mit Tankard mache, aber Kontrastprogramm finde ich auch immer nicht schlecht!
Also das ist schon eine ernste Angelegenheit bei uns - ich arbeite da jetzt seit sechseinhalb Jahren, Moment, `97, seit sieben Jahren – nee, sechs! Ich kann nicht mehr rechnen! Seit sechs Jahren, bin da dazu gekommen wie die Mutter zum Kind gekommen, hatte keinen Plan von nix – durch `nen Kumpel, der da gearbeitet hat, bin ich da hingekommen – und bin dann da praktisch hängen geblieben. Hab während meines kompletten Studiums da gearbeitet nebenbei, mein Berufsanerkennungsjahr gemacht – und jetzt hab ich da ein dreiviertel Stelle. Ich bin da auch noch im Betriebsrat von dem ganzen Verein – ich steh also nicht nur unten im Laden und kuck mir das Gemetzel an. Wir haben natürlich auch Leute mit psychischen Auffälligkeiten, das ist klar. Es nehmen ja auch viele Leute Crack – oder spritzen sich Crack - mittlerweile, und drehen dann auch schon mal ab irgendwie – oder drehen mit der Zeit langsam ab!

Zombie: Klar! Ist eigentlich Frankfurt immer noch so ein heißes Pflaster oder ist das mittlerweile etwas weniger geworden?

Gerre: Klar, das ist schon noch ein heißes Pflaster, aber das spielt sich halt in drei Straßenzügen bei uns ab. Und dann hat bei uns jetzt noch das Heroinprogramm bei uns angefangen - und ich denke, wenn da dann hundert Leute mal Heroin kriegen, dass wird dann die Szene auch ein bisschen ausdünnen.
Aber ich finde so einen Laden nach wie vor gut und sinnvoll, und steh auch nach wie vor dazu – sonst könnte ich da auch nicht arbeiten!
Das ist natürlich so: wenn wir jemanden sehen, der total abbaut, dann sagen wir natürlich auch mal:“Hey, mach mal was!“ – aber was willst Du `nem vierzigjährigen Junkie, der seit 25 Jahren Heroin nimmt, noch erzählen?

Zombie: Klar – da ist der Zug abgefahren.

Gerre: Ok, also wie gesagt – Frank bei Jaguar, unser Drummer bei Tesis – der bedient da irgendwelche Programme, aber ich weiß es auch nicht genau! Ich hab ja von Technik überhaupt keine Ahnung! Da bin ich total…deswegen bin ich ja auch Sänger geworden: Mikro in die Hand, angemacht, Feierabend! (lacht)

Zombie: Moment, Du kannst doch auch Gitarre spielen – oder Schlagzeug!? Bei „(Empty) Tankard“!

Gerre: Ja, hab ich mal gespielt, die Töne so nachgespielt…


Den zweiten Teil gibt`s dann am Donnerstag - so check it out!

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