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Zur Meinung von Amazon

Interview: Interview mit OOMPH! (28.04.04)

Veröffentlicht am Sonntag 04 Juli 2004 11:04:57 von endless_pain
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Beim Konzert von OOMPH! am 28.04.2004 in München hatte ich die Gelegenheit Gittarist Flux mit einigen Fragen zu löchern. Dieser entpuppte sich als sehr freundlich und redselig. Das Ergebnis der halbstündigen Fragerunde könnt ihr hier begutachten.
 
 
 
 
e_p: Euer aktuelles Album “Wahrheit oder Pflicht“ ist ja jetzt schon eine Weile auf dem Markt. Wie fielen die Reaktionen darauf aus?
 
Flux: Sehr positiv, also wenn man rein die Verkaufszahlen sieht ist es unser erfolgreichstes Album. Wir haben schon 150-160000 Stück davon verkauft und haben Gold dafür bekommen und es stand in den deutschen Charts auf Platz zwei. (Zahlen und Platzierungen sind vom April 04 – Anm.d.Verf.) Das sind natürlich jetzt nur die Zahlen, die auch sehr abstrakt sind. Was das eigentlich interessante dran ist, dass wir jetzt erst anfangen zu spielen. Wir haben ja jetzt erst drei Shows gespielt, waren aber schon richtig heiß drauf und haben es kaum erwarten können endlich raus zu gehen und mit denen Auge in Augen zu stehen, die eigentlich das wirkliche Urteil abgeben. Was in Rezensionen steht ist ja alles ganz schön und gut, wie die Presse das findet und wer uns sonst noch auf die Schultern klopft. Aber entscheidend sind eigentlich die Reaktionen der Fans. Und da muss ich sagen bin ich wirklich überrascht, es war so positiv auf den Konzerten. Da werden schon die Stücke mitgesungen und sich gefreut wenn die Stücke anfangen. Also besser könnte es gar nicht sein. Ich bin auch froh, wir haben eines unserer härtesten Alben seit längerer Zeit wieder gemacht, dass gerade das wieder gut ankommt gibt mir eigentlich positive Kraft für die Zukunft.
 
e_p: In wie weit wart ihr über den riesigen Erfolg von “Augen auf“ überrascht?
 
Flux: Wir waren total überrascht. Wir haben ja jetzt schon mehrere Singles veröffentlicht und Videos gemacht in unserer Geschichte und da hört man immer mal wieder von den Plattenfirmen “Dieses Mal habt ihr DEN Mega-Song am Start“ und “Diesmal klappt es“. Man selber denkt ja sowieso immer man hat den besten Song seines Lebens geschrieben, sonst würde man den ja nicht veröffentlichen. Und man denkt auch bei dem Album, das man gerade gemacht hat, es sei das Beste was man je gemacht hat. Aber an diese Versprechungen der Plattenfirmen glaubt man dann irgendwann nicht mehr. Dann sagt man sich “Mal abwarten was passiert“. Aber das es halt so abgeht? Wir waren ja jetzt fünf Wochen auf Platz eins, 13 Wochen Top Ten, also das hätte von uns niemand erwartet. Wir gehen jetzt mit der Single auf Platin zu. Das ist so ein Wahnsinn, das ist auch kaum greifbar. Das sind Zahlen irgendwo. Man merkt es natürlich dass der Bekanntheitsgrad gestiegen ist. Wenn man sagt, dass man bei OOMPH! spielt, dann kennt das jeder! Das war vor einem halben Jahr nicht so. Da mussten wir immer erklären welche Musik wir machen. Aber jetzt weiß jeder Bescheid, das ist schon irgendwie schön.
 
e_p: Wolltet ihr mit “Wahrheit oder Pflicht“ wieder back to the roots, oder ist es aus dem Bauch heraus wieder härter geworden?
 
Flux: Back to the roots ist schon ein guter Ansatz. Also wir wollten irgendwie eine Art Zusammenfassung der bisherigen OOMPH Karriere mit in das Album packen und zum anderen ist es auch noch geprägt gewesen von der langen Tour die wir gemacht haben. Wir hatten eine eigene Tour zu “Ego“ und sind dann mit HIM noch auf Europa-Tour gegangen und wir wollten ein bisschen das Live-Feeling mit ins Studio nehmen, wollten wieder ein bisschen rockiger, organischer werden und wieder direkter und auf den Punkt kommen. Wir haben auch das erste Mal seit langer Zeit wieder Sessions im Studio gemacht, bei denen sich jeder einfach ein Instrument geschnappt und drauf los gespielt hat. Bei den letzten Alben hat jeder alleine zu Hause in seinem eigenen Studio Ideen gesammelt, es dann den anderen Beiden vorgespielt und dann haben wir gesagt, der Song ist es wert dass wir dran weiter arbeiten oder den schmeißen wir weg, und dann haben wir zu dritt weiter dran gearbeitet. Dieses Mal haben wir bestimmt fünf oder sechs Songs in Sessions gespielt, haben einfach aufgenommen und geguckt was passiert. Das schöne dran ist, da passieren Sachen, die nicht stattfinden wenn man alleine spielt. Wenn man eine Melodie oder ein Riff spielt, dann denkt man sich manchmal auch was für nen Scheiß man gerade macht. Und in den Sessions  passierts dann manchmal dass gerade in dem Moment in dem man denkt man spielt die letzte Grütze der Kumpel ankommt und sagt “Boah, was war denn das Geiles. Spiel das noch mal, da fällt mir Das und Das zu ein.“ So schaukelt sich das manchmal hoch und man kommt in eine gewisse Euphorie rein, was einfach nicht passiert wenn man alleine komponiert.
 
e_p: War “Augen auf“ eines dieser Session-Liedern?
 
Flux: Augen auf ist auch in einer Session entstanden, ja. Nicht in diesem festen Zeitraum, sondern es ist so ziemlich am Ende des Albums entstanden. Aber auch in einer gemeinsamen Session.
 
e_p: Wie ist es dazu gekommen, dass ihr von der härteren Richtung wie z.B. “Gekreuzigt“ über die poppigen Anleihen von der Ego CD wieder zurück zur härteren Gangart geschwenkt seid?
 
Flux: Bei OOMPH! ist es ja sowieso immer so gewesen, dass wir von Album zu Album immer weiter entwickelt haben und das auch mit unser Anspruch war, immer wieder was Neues zu schaffen. Für uns ist es einfach langweilig, wenn wir von Album zu Album immer das gleiche machen würden. Für uns muss da eine Entwicklung und Veränderung sein und etwas was es für uns selber frisch hält. Wenn du zwei Jahre an einem Album arbeitest und danach dann noch 1 ½ Jahre auf Tour spielst oder wir spielen jetzt immer noch Songs von 1993-95 und das ist jetzt schon zehn Jahre her sozusagen. Du spielst die Songs ja fast dein Leben lang, und wenn das dann Sachen wären die dir nicht gefallen würden, die nicht irgendwie einzigartig für sich sind oder wenn man aber seit 10 Jahren immer wieder die gleiche Scheiße wieder neu spielen würde, in einem neuen Gewand, dann wäre das einfach viel zu langweilig. Und von daher war es für uns eine logische Entwicklung. Es gibt bei uns immer im Härtegrad bestimmte Wellenbewegungen die da stattfinden, bestimmte Veränderungen. Die erste Scheibe war EBM, dann wurde es mehr Gitarren lastig, dann kamen immer mehr Gitarren dazu, zu “Wunschkind“ vielleicht der Höhepunkt an Gitarrenintensität. Und dann ebbte es wieder ein bisschen ab, wurde ein bisschen melodiöser, melancholischer. Rein von der Produktion her haben wir versucht, mit einem Maler verglichen, in schönen, vielen kleinen Tupfern zu malen um ein großes, breit-bandiges Bild aufzuziehen. Jetzt sind wir wieder mit großen, kräftigen und ausdrucksstarken Strichen zu Werke. Und das hält uns halt interessant, diese stetige Erneuerung.
 
e_p: Also jenes verbessern, was es schon mal gegeben hat?
 
Flux: Verbessern, neue Wege finden und es für einen selbst einfach frisch halten und auch neue Herausforderungen suchen. Wenn man alte Wege beschreitet kann man zwar eine gewisse Art auf Nummer sicher gehen, aber es ist einfach langweilig. Man möchte ja was neues entdecken am Horizont.
 
e_p: Warum sind eure Texte im Vergleich zu früher so harmlos geworden? Im Vergleich zu älterem Material wie z.B. “Wunschkind“ finde ich das neue Album etwas zahnlos.
 
Flux: Ich weiß nicht ob es zahnlos geworden ist. Also hab das auch schon mal gehört. Vielleicht ist da auch was dran, aber ich glaub eher das es nicht auf ein Konzept zugeschnitten ist wie “Wunschkind“ oder “Defekt“ da es über einen viel längeren Zeitraum geschrieben wurde. Da sind Texte mit dabei die über 2 ½ Jahre geschrieben wurden. Bei Wunschkind war das in einem halben Jahr fast vorbei, und von daher viel krasser und direkter mit einem einzigen Thema auseinander gesetzt. Und vielleicht überkommt es dich dann viel stärker, dass du es aus so vielen Blickrichtungen beleuchtest wie dieses Thema Misshandlung. Es sind schon nach wie vor, und das ist bei Dero eigentlich immer so gewesen, autobiographische Texte mit dabei, in denen er sich stark mit sich selber, mit seiner Umwelt, seinem Verhalten anderen gegenüber bzw. wie sich andere gegenüber ihm verhalten auseinander setzt. Und das macht er immer noch sehr, sehr ehrlich, sehr authentisch und ohne sich selber in Schutz zu nehmen, und das entdecke ich nach wie vor in den Texten. Das verstehen einige auch falsch. Es geht bei uns nicht darum zu provozieren oder den Leuten mit dem erhobenen Zeigefinger etwas vorzuleben oder “Wir wollen jetzt krasse Texte machen“. Es ist halt so, dass es eine Momentaufnahme von dem Leben das Dero durchläuft ist. Und darüber schreibt er seine Texte. Und in den letzten 2 ½ Jahren sah sein Leben eben so aus und er hat sich über die Dinge die auf Wahrheit oder Pflicht sind Gedanken gemacht. Es kann aber demnächst wieder ganz anders sein, je nachdem was ihm widerfährt, was in seinem Leben abläuft. Mag sein, dass sein Leben in der letzten Zeit nicht ganz so krass war, bzw. die Zeit davor, die er verarbeitet hat. Aber das kann sich jederzeit wieder ändern.
 
e_p: Was sagt ihr zu dem Hype, der zur Zeit um euch gemacht wird? Ist diese Kommerzialisierung in eurem Sinne?
 
Flux: Ja, Kommerzialisierung hin oder her. Es ist natürlich so, sobald man einen Plattenvertrag unterschreibt, unterschreibt man auch dass seine Musik auch kommerziell ausgewertet wird. Und man gibt auch der Plattenfirma, ich will nicht sagen freie Hand, aber man selber ist für die Musik zuständig und sie für die Vermarktung. Was uns interessiert ist eigentlich nur, dass wir von unserer Musik weiterhin leben können so wie wir es zur Zeit machen. Die andere Sache wäre dann die, wenn wir nicht genug Geld mit der Musik verdienen würden, müssten wir anders arbeiten gehen, weil ich muss mir auch morgens meine Butter fürs Brot kaufen. Und wenn ich anders arbeiten müsste, hätte ich keine Zeit Musik zu machen weil das ja auch ein Full-Time-Job ist. Und in welchem Maße es dann vermarktet wird, da achten wir eigentlich nur drauf, dass das Ganze immer noch für uns vertretbar ist. Wir kucken jetzt schon ganz genau ob wir nun zum Dome gehen oder ob wir die Bravo-Super-Show machen. Die Bravo-Super-Show haben wir z.B. nicht gespielt, weil da keine einzige Rock-Band auftritt. Das war bei The Dome anders. Da haben wir mit HIM und Within Temptation zusammen bei dieser Show gespielt. Wir achten aber auch drauf ob wir bei Top of the Pops Einfluss aufs Licht oder die Bühne haben, wie wir gefilmt werden, wie die Interviews sind. Wir machen auch keine Home-Story mit der Bravo wie z.B. “Flux zuhause beim Duschen“ oder wie er seinen Hund Gassi führt. So was gibt es halt alles nicht. Wir achten ganz darauf was wir machen oder nicht machen. Dass die Plattenfirma natürlich versucht das ganze in unserem Sinne bestmöglichst auszuwerten, dagegen haben wir nichts. Wir haben nichts dagegen, dass wir Gold fürs Album bekommen haben. Ich muss ja auch meinen Lebensunterhalt verdienen wie jeder andere auch, und jeder versucht in seinem Job so gut wie möglich zu sein. Wir wären ja blöd gewesen, wenn wir sagen würden “Wir wollen nie im Leben Erfolg haben, wir machen nur Musik für einen elitären Kreis. O Gott, jetzt verkaufen wir 10000 Scheiben mehr, jetzt müssen wir sehen wie wir andere Musik machen.“ Wir haben immer schon die Musik gemacht, die uns gefällt. Das ist unser Hauptantrieb für uns selber, Musik zu kreieren, zu schaffen die uns selbst begeistert. Und wer sie dann hört, ob demnächst nur noch Stofftiere bei uns auf die Bühne fliegen oder Omas uns ihre roten Rosen auf die Bühne werfen oder da nur noch Rocker stehen, dass ist uns eigentlich vollkommen egal solange uns unsere Musik selber noch gefällt. Wir haben uns nie hingestellt und haben gesagt “Wir wollen Musik spielen die der Gothik-Szene gefällt, oder Musik schreiben die dem härtesten Metaller gefällt“, das war nie unser Ziel. Wir sind selber Fans von verschiedenen Musikrichtungen, was aber sehr breit gefächert ist, und das versuchen wir alles in unsere Musik einfließen zu lassen. Aber was dabei raus kommt ist für uns, und nicht für eine bestimmte Klientel. Ich finde es auch nicht verwerflich, dass uns jetzt junge Leute hören. Ich habe auch mit 11 Jahren angefangen Rock Musik zu hören und bin damals mit meinem Opa, da ich alleine nicht durfte zu Rock-Konzerten gegangen. Und irgendwann müssen die Leute mal anfangen. Und wenn wir nicht zu Sendungen wie Top of the Pops oder The Dome, dann sehen die Leute nur DSDS und Britney Spears. Und wo sollten dann die Rock-Fans herkommen? Die einzige Möglichkeit die ich damals hatte war auch nur Ilja Richters Disco oder später Formel 1, und hab mich dann über jede Rock-Band gefreut, die ich damals sehen konnte. Mit 11 Jahren geht man nicht in den Plattenladen und stöbert in der Metal-Abteilung herum was es da so neues gibt.
 
e_p: In den beiden Videos zu “ Augen auf“ und “Brennende Liebe“  sind ja einige Charaktere aus Horror-Filmen zu entdecken! Seid ihr Horror-Fans oder warum werden z.B. die Zwillinge aus Shining bzw. Frankenstein verwendet?
 
Flux: Wir stehen schon ein bisschen auf den subtilen Horror. Splatter-Sachen gefallen uns nicht so, aber gerade der subtile Horror findet auch in unseren Texten statt. Es ist ja eher so, deshalb auch die Anlehnung an Stanley Kubrik, dass mit Shining verglichen nur ein einziger Mord im ganzen Film. Aber das hätte man auch weglassen können. Das ist nur dazu da um zu zeigen, dass er auch noch einen töten könnte, er ist wirklich böse. Aber die Spannung an sich, die sich aufbaut, findet ja in seinem Kopf statt. Und das gefällt uns eigentlich. Das machen wir sowohl mit unseren Texten als auch in den Videos. Und wir haben zum Glück mit Jörn Heidmann (?), der mit uns auf der gleichen Wellenlänge liegt. Das war auch von ihm ein Traum, sowohl bei Augen auf hat er schon Jahre lange über ein ähnliches Treatment nachgedacht, als auch Frankenstein von 1930. Das wollte er schon immer mal in Farbe verfilmen und hat endlich mit uns eine Band gefunden, die das dankbar abnimmt. Da haben sich halt zwei Horror-Fans getroffen und es ist schon so wie du sagst. Jedoch muss es bei uns subtil sein. Wir würden nie hergehen und in unseren Videos mit Splatter-Schock-Effekten zu arbeiten. In unseren Videos wird nie einem Schwein der Kopf abgeschlagen und Blut spritzen, so was würden wir nie zeigen, weil da geht es nur ums schocken. Wir finden es viel interessanter diesen Psycho-Horror im Kopf aufzubauen.
 
e_p: In wie fern steht der Inhalt der Videos in Verbindung mit den Songs selbst! Irgendwie kann ich da keinen Zusammenhang feststellen!
 
Flux:  Nö, das muss man auch nicht. Der Inhalt des Videos bei Augen auf ist natürlich klar. Das ist ein Abzählreim, ein Versteckspiel das man hauptsächlich als Kind spielt. Uns war es wichtig da zu zeigen, dass die Kinder diejenigen sind von denen eine gewisse Macht ausgeht und nicht eben dass sie nicht gequält oder misshandelt werden. Nein, in dem Video haben die Eltern Angst und irgendwie die Doofen sind. Das fanden wir als interessanten Einsatz und durch den Abzähler den Mika, Deros Neffe spricht, war es klar, dass dort auch Kinder mit drin vorkommen müssen. Das ist vielleicht die einzige Parallele. Bei Brennende Liebe geht es halt über eine unerfüllte Liebe, die so schrecklich ist, dass sie brennt. Da kam der Regisseur auf das Bild, dass eben Frankenstein versucht, sich seine perfekte Frau zu erschaffen. Und das funktioniert natürlich nicht. Sie verliebt sich nicht in ihn sondern in das Monster welches er vorher geschaffen hat. Und da brennt die Liebe bei ihm wahrscheinlich auch. Ich finde es auch immer langweilig wenn man nen Text hat, den eins zu eins als Drehbuch nimmt und dann verfilmt. Da gibt es keine zweite Ebene. Und wir wollen auch nicht sagen, dass jener dieser Text nur so interpretiert werden darf wie wir ihn verfilmt haben. Wir wollen noch Interpretationsebenen offen lassen. Damit erreichtst du auch mehr Leute und regst auch die Fantasie der Leute mehr an als wenn du sagst so ist der Text und so muss er interpretiert werden.
 
e_p: Wie ist es zu der Single mit L ame Immortelle gekommen?
 
Flux: Also L ame Immortelle ist eine Band, die wir schon von vielen Festival her kennen, bei denen wir zusammen gespielt haben. Brennende Liebe ist ein Song der entstanden ist nachdem das Album fertig war. Wir hatten dann eben diesen Song und es war ähnlich wie 1999, als wir Fieber geschrieben hatten. Da haben wir auch ganz schnell gemerkt, dass dies ein Song ist, der vom Text und Aufbau her ein Duett werden muss. Und da haben wir wieder überlegt, welche Stimme wohl am besten zu der von Dero passen würde. Und wir sind dann ziemlich schnell auf Sonja Kraushofer von L ame Immortelle gekommen. Dann ergab sich auch der Zufall, dass sie vor kurzem bei unserer Plattenfirma GUN unterschrieben haben. Da waren die Wege dann recht kurz. Und haben wir uns halt gesagt, gut wenn das so ist, dann probieren wir es einfach mit Sonja und laden sie zu uns ins Studio ein. Und wir haben sofort gemerkt,  das unsere Vermutung dass die beiden Stimmen gut miteinander harmonieren, aufging. Der Refrain erstrahlte durch ihre Stimme dann noch und von daher war es sofort klar, wir machen das mit Sonja und brauchen niemanden anderen mehr ausprobieren. Das war es dann ganz einfach. Und da halt allen der neue Song gut gefallen hat, haben wir uns entschieden keine Auskopplung zu machen, sondern eben den Song “Brennende Liebe“ als nächste Single zu veröffentlichen.
 
e_p: VIVA zeigt ja das Video exklusiv, wird der nur bei dem Sender gezeigt, oder wie ist das?
 
Flux: Nein, er läuft eine Woche exklusiv auf VIVA. Das haben wir so gemacht da sie die einzigen waren die das “Augen auf“ Video sofort spielen wollten und uns mit einer guten Rotation unterstützt haben. MTV haben erst sehr spät, mit der Top Chart Position erst gesagt, dass sie es auch spielen. Die hatten gar nicht an das Ding geglaubt. VIVA haben sofort daran geglaubt und deswegen haben wir gesagt, bekommen sie das Video exklusiv für eine Woche. Als Dankbarkeit sozusagen.
 
e_p: Warum trägt Dero in beiden Videos einen Pastorkragen?
 
Flux: Das war einfach eine Idee vom Regisseur um auch wieder so eine Art Horror-Element zu erzeugen. Das hat ja so ein bisschen was von der Exorzist. Irgendwie so Teufel rein, raus, und damit verbindet man ja auch so ein gewisses kirchliches Element. Es erzeugt so eine zusätzliche Ebene und Spannungselement. Der Regisseur sagt auch, und das deckt sich auch mit dem was wir oft sagen, es ist immer wichtig Fragen aufzuwerfen, vielmehr als Fragen zu beantworten.
 
e_p: Das macht die Sache etwas Geheimnisvoller!
 
Flux: Ja genau, das macht es Geheimnisvoller und interessant.
 
e_p: Was stellt Oomph! für euch dar, euer Lebenswerk oder ist es einfach nur ne Band, euer Job sozusagen?
 
Flux: Mittlerweile machen wir das zusammen schon 15 Jahre. Also Musik ist sowieso ein großer Teil unseres Lebens, aber nicht der einzige. Man merkt auch immer mehr, je länger man so was macht, dass es auch grade sehr wichtig ist noch was neben der Musik zu machen. Sich auch Freundschaften und Beziehungen auch außerhalb des Musikbereichs aufzubauen. Musik ist auch unser Job, unser Lebensunterhalt. Aber in gewissem Sinne auch unser Lebenswerk. Das klingt fast schon zu hoch gegriffen. Also wir machen das weil es uns Spaß macht und weil wir Bock drauf haben auf der Bühne zu rocken. Und freuen uns dass wir mit unserem Hobby auch unseren Lebensunterhalt verdienen können. Wir hoffen dass wir das so lange wie möglich machen können, jedoch wollen wir es auch nicht zu verkrampft oder hoch gestochen sehen, so unser Lebenswerk, wir sind die Künstler, behandelt uns nur mit Samt-Handschuhen. Irgendwie sind wir auch Menschen wie jeder andere auch, die ihren Job machen. Der eine macht es besonders gut weil er Pilot ist und nicht abstürzen will, oder der Arzt der seinen Job macht. Mein Bruder z.B. ist Arzt. Da hab ich viel größeren Respekt vor,  was der für Verantwortung gegenüber Menschen hat und tagtäglich auch stellen muss. Dagegen hab ich ja einen so schönen Job, für ihn ist sein Job auch schön, aber ich könnte damit nicht klar kommen. Für uns ist es ja so, wir können Menschen mit unserer Musik beglücken und wenn sie unsere Musik scheiße finde, kaufen sie sie einfach nicht. Aber wir gehen dabei kein Risiko ein, so wie er, wie er soviel Verantwortung für ein Menschenleben in der Hand hat. Also, das ist für mich eher ein Lebenswerk indem man Menschen hilft.
 
e_p:  Wie kommt man auf den doch etwas seltsamen Namen OOMPH! ?
 
Flux: Ja, das ist eigentlich auch schon die Begründung. Wir wollten ja ne Musik schaffen die seltsam oder andersrum gesagt einzigartig ist, von mir aus auch eigenartig. Aber wir wollten eben unsere beiden Lieben, die elektronische sowie auch die Rock Musik kombinieren. Wir hatten den Anspruch was neues zu schaffen und hätte halt ein Bandname der in irgend einer Weise limitiert nicht gepasst. Hätten wir uns jetzt Metallica genannt, dann wäre klar gewesen es ist Rock und kann auch nie was anderes werden. Wir wussten aber selber noch nicht, wohin die Reise geht. Oder wir wollten es auch gar nicht wissen, wollten uns alle Wege offen halten und deswegen brauchten wir einen Bandnamen der irgendwie besonders und einzigartig ist uns aber auch nicht musikalisch festlegt. Und wie es dann so ist, man macht ein Demo fertig, schickt es weg und stellt dann fest man hat ja noch keinen Bandnamen. Blättert im Wörterbuch, setzt sich zusammen, trinkt ein paar Bier und findet so manche Sachen lustig und manche nicht. Wir sind dann irgendwann in einem alten Wörterbuch über diesen Namen gestolpert. Als Bedeutung stand da drin, dass es ein Ausdruck ist, wie man heute geil oder früher knorke gesagt hat, zu Sachen die das gewisse Etwas haben. Haha, da sind wir dann wieder. Bzw., Sexappeal haben oder Energiegeladen sind. Das passte dann wie Arsch auf Eimer zu unserer Musik. Wir haben dann gesagt wir nehmen das jetzt mal, haben es auf das Demo drauf geschrieben und es hat allen Leuten gut gefallen und so ist es dabei geblieben.
 
e_p: Wie würdet ihr euren Stil bezeichnen?
 
Flux: Ja, das ist immer sehr schwierig. Wie gesagt, wollten wir stilmäßig Rock und Elektronik kombinieren und da gab es halt so Ausdrücke wie Elektronik-Metal, Industrial-Rock oder sonstige Kreationen der Journalisten. Es interessiert mich auch nicht, wie man das nennt, weil ich möchte es selber gar nicht benennen. Man macht halt das, was einem selber gefällt. Und wir finden es gut, dass wir so viele unterschiedliche Szenen auch ansprechen, eben auch auf einem Gothic- sowie auch auf einem Metal-Festival spielen können. Wir haben auch schon auf Punk-Festivals oder Mainstream-Festivals gespielt. Wir haben da auch keine Berührungsängste. Ganz im Gegenteil, also wir finden es auch gut, dass unsere Fanschar keine uniformierte Masse ist, sondern eine sehr breit gefächert ist, genauso wie unser Musikgeschmack.
 
e_p: Kann man dann nicht irgendwie sagen, zu welchem Lager ihr euch mehr zugehörig fühlt?
 
Flux: Kann ich nicht sagen. Nein, eigentlich zu gar keinem. Es ist die Mischung, ich höre sowohl gerne Band aus dem Elektronik Bereich als das ich mir auch sehr viele Scheiben aus dem Rock und Metal Bereich, oder mir auch mal eine Björk CD kaufe und ich auch die Beatles noch gerne höre. Daher kann ich gar nicht sagen wem ich mich zugehörig fühle. Wie gesagt, wir machen Musik die uns gefällt und wenn es Leute gibt denen es auch gefällt ist es uns eigentlich egal wer das ist.
 
e_p: Von welchen Bands würdet ihr sagen, seid ihr beeinflusst?
 
Flux: Also als wir angefangen haben, haben wir im Rockbereich AC/DC und Motörhead gehört. Frühere Einflüsse aus unserer Jugend, sind bei den meisten die Beatles, da es unsere Eltern gehört haben, dann haben wir auch die Phase gehabt in der wir Elektronik gehört haben, wie Kraftwerk, Depeche Mode oder Deutsch Amerikanische Freundschaft. Solche Sachen sind genauso in unsere Musik eingeflossen. Und natürlich beeinflusst dich im Laufe der Jahre alles Mögliche was gefällt und was du so hörst. Da fliest alles mögliche ein. Da geht es von Tool, Korn, über Nine Inch Nails, oder eben auch Björk. Das sind alles Sachen die wir selber gerne hören  und was einen natürlich auch beeinflusst.
 
e_p: Wie kommt es, dass ihr von vielen als Kopie von Rammstein bezeichnet werdet? Wenn dann müsste das ja eigentlich andersrum sein, da ihr ja schon viel länger zusammen Musik macht.
 
Flux: Gut, Rammstein war halt vor uns erfolgreich. Rammstein ist der Name der den Leuten im Mainstrem-Bereich als erstes unter gekommen ist. Wenn man jetzt harte Musik mit deutschen Texten und Elektronik und Gitarren drin hört, dann sind eben Rammstein die Band gewesen, die den Mainstream-Durchbruch vor uns geschafft haben. Wir haben ihn nach 15 Jahren geschafft und Rammstein hat es eben in ihrem zweiten Jahr schon geschafft. Dass dann Leute sich zurück erinnern, aha, 1996 gab es doch mal Rammstein und die gibt es heute auch noch. Die haben doch so ähnliche Musik gemacht wie sie es jetzt von “Augen auf“ auch das erste Mal im Mainstream hören. Wir waren halt noch  nicht auf einem Bravo-Sampler drauf wie es Rammstein schon 1996 waren. Die Leute sind einfach nicht informiert. Zum Glück gibt es genug Leute wie euch, und genug Leute bei der Presse die informiert sind, und die dieses falsche Urteil dann eben ausräumen. Aber uns selber interessiert das auch nicht so. Wir haben natürlich früher angefangen, Rammstein waren vorher Fans von uns und haben uns ihre Demos gegeben. Das ist ja allseits bekannt. Und sie gehen damit auch ganz offen mit um und sagen auch in Interviews wenn sie direkt drauf angesprochen werden, dass wir eine der Bands sind, die sie beeinflusst haben und es stört und auch nicht weiter. Man muss es schon sehen, dass wir Rammstein beeinflusst haben, aber anderseits haben sie uns im Mainstream auch Wege geebnet. Also wer weiß, ob wir die riesen Durchbruch gehabt hätten wenn nicht Rammstein vor uns schon dem Mainstream diese Art von Musik nahe gebracht hätte. Verwerflich ist es halt nur, wenn die beiden Images überein gebracht werden. Also wenn da irgendwie gesagt wird, Rammstein hätten das gleiche Image wie OOMPH oder umgekehrt. Also umgekehrt wäre schlimmer, weil Rammstein spielt ja ganz klar mit Bildern mit phonetischen Ausdrücken wie sie z.B. das R rollen, die ganz klar auf eine Zeit anspielen mit der wir nie kokettieren würden. Und darauf begründen Rammstein, gerade im Ausland, einen Teil ihres Erfolges, weil sie eben das Bild des Deutschen vermitteln, was einige Länder gerne von Deutschen sehen. Zum Glück ist es nicht so, zum Glück ist die Jugend nicht so, zum Glück laufen nicht alle im Leni Riefenstahl Style rum und da unterscheiden wir uns sehr. Und dieses Bild, welches Rammstein hier verbreitet finden wir doch sehr verwerflich und mit diesen Sachen würden wir auch nie spielen.
 
e_p: Wie steht ihr zu den aktuellen CD-Preisen? 15 Euro und mehr sind ja doch ziemlich teuer, wenn man bedenkt, dass früher LPs um die 15 Mark gekostet haben und die wesentlich teurer in der Herstellung waren.
 
Flux: Das ist richtig. Alles wird natürlich teurer, man kann auch nicht sagen es soll wieder 15 Mark kosten, es wäre wahrscheinlich auch ne Preissteigerungsrate auch mit drin. Aber es ist auch richtig, dass der Preis pro CD zu teuer ist. Deswegen versuchen wir als Künstler, als einzige Möglichkeit die man als solcher hat da man ja dem Handel nicht vorschreiben kann wie teuer eine CD sein soll, so viele Songs wie möglich auf ein Album zu packen. Wir haben jetzt 20 Songs geschrieben, mit “Brennende Liebe“ 21, die alle auf die Realeses verteilt, veröffentlicht werden. Jede Single hat unveröffentlichte Stücke drauf, also da gab es eine EP mit 5 Stücken und es gibt ein Album bei dem zumindest auf der limitierten Version 15 Stücke drauf hatte. Wir versuchen eben den Preis pro Song günstig genug zu halten, um wieder vergleichbar mit einer LP zu sein. Die CDs sind zu teuer, unserer Meinung nach könnten sie wesentlich günstiger sein. Aber auch die legalen Downloads sind noch zu teuer. Ein Download von 1,15 bis 1,99 pro Song finde ich noch viel zu teuer. Also es dürfte von 50 Cent bis maximal einen Euro kosten. Das wäre der richtige Preis. Dann würden auch wieder Bands belohnt werden, die nicht nur einen guten Hit haben, sondern bei denen auch mehrere gute Songs auf dem Album sind. Einziger Nachteil für einen Künstler, bzw. man denkt auch noch altmodisch. Man will eine Reise durch seine Musik gestalten und man überlegt sich ganz genau wann welcher Song kommt und wie man die Übergänge macht. Das ist dann bei den Einzel-Downloads nicht mehr möglich, da wird es eben zerbrochen. Aber ich denke, das wird die Entwicklung sein, dass sich jeder seine CD aus dem Internet selber zusammen stellt. Aber dann hoffentlich zu fairen Preisen und das die Künstler auch dementsprechend vergütet werden.
 
e_p: Wie steht ihr gegenüber der MP3 Szene? Was haltet ihr vom Kopieren eurer Musik? Im Prinzip sind ja (meiner Meinung nach) die hohen CD-Preise mit Schuld am „Volkssport“ raubkopieren?
 
Flux: Zum einen das, zum anderen hab ich als Kind und Jugendlicher auch, als ich mir CDs bzw. Platten nicht leisten konnte genauso auf Kassette aufgenommen und mir die Qualität scheiß egal war. Und auch dass es sehr aufwändig war, war mir scheiß egal. Ich konnte es mir einfach nicht leisten und ich habe von Freunden kopiert und man hat es dann einfach auf Kassette gehabt. Das hat einem dann auch gereicht. Das mit den MP3 ist heute halt nur einfacher, aber es ist nichts anderes. Die Qualität ist vielleicht besser, aber sonst ist es genau das selbe was wir früher auch gemacht haben. Das wird es auch immer geben, wer sich nichts leisten kann wird sich es klauen. Wichtig ist nur, dass es ein bisschen mehr ins Bewusstsein der Leute kommt, das es illegal ist, das man eine gewisse Angst dabei verspürt es zu machen , wie wir es damals auch noch hatten. Das macht auch ein bisschen den Reiz dabei aus. Aber wenn es überhand nimmt sterben nun mal die Bands und dann wird es irgendwann nichts mehr zu kopieren geben. Außer halt dann von Madonna, die sowieso schon ihre Millionen verdient hat und sie es sich weiterhin leisten kann Musik zu machen. Wenn von kleineren Bands, oder grade von der Indie-Szene gebrannt wird, können sie sich es nicht mehr leisten Musik zu machen und müssen dann arbeiten gehen. Die gehen dann eben in die Fabrik arbeiten. Und dann gibt es die irgendwann nicht mehr. Und das wäre sehr schade.
 
e_p: So, dann noch danke für das Interview.
 
Flux: Bitteschön.
 
 
 
Dank geht auch noch an bloody vanpire für den Großteil der Fragen. Thx noch mal.

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