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Interview: Interview mit MAX CAVALERA - Mai

Veröffentlicht am Donnerstag 03 Juni 2004 20:21:32 von madrebel
Dieser Artikel wurde von Rey_Purehead mitgeteilt
phpnuke.gifMister Soulfly über das aktuelle Album "Prophecy", die Band und sein Schaffen.
Gespannt auf eines der großen Idole des Heavy Metal finde ich mich pünktlich mit meinem Fragenkatalog vor dem LKA wieder. Ein Roadie meint, dass ich kurz zurückbleiben soll, dann klopft er für mich an den einen der beiden zweistöckigen Torbusse, die vor der Halle parken. Es dauert eine Weile, bis wie erwartet Gloria Cavalera, ganz in Weiß, in der offenen Tür erscheint und mich hereinbittet. Ich steige in den Bus, der im Innern so gar nicht aussieht, wie ich mir den Torbus eines großen Rockstars vorgestellt habe. Die Inneneinrichtung wirkt etwas angestaubt, könnte auch noch aus alten Sepultura Tagen stammen. Gloria bittet mich auf einem Vierer mit Tisch Platz zu nehmen und verschwindet kurz im vorderen Teil des Busses, wo eine Treppe in den oberen Stock führt, um Max bescheid zu sagen, dass nun der tägliche Interview-Marathon beginnt. Als sie zurückkommt, beginnt sie an einer Kochstelle zu hantieren und einen kleinen Small-Talk mit mir. Dann ist Bewegung auf der Treppe und Max erscheint. Er begrüßt mich mit Handschlag. Das obligatorische „How are you? –Fine. –And you?“, dann geht er an mir vorbei, holt sich aus einem Kühlschrank eine Coke und fläzt sich schließlich mir gegenüber in die Sitze, um mit mir über das aktuelle Album, die Band und sein Schaffen.



Rey: Also Max, wie läuft die Tour bis jetzt.

Max: Die Tour läuft super. Die Crowds sind großartig, die Leute gehen voll mit, bei jedem Gig. Es macht jeden Abend einen Riesen-Spaß.


Rey: Das neue Album „Prophecy“ – kannst du einfach noch mal sagen, was für dich das Charakteristische oder das Neue an „Prophecy“ ist. Was macht „Prophecy“ für dich aus?

Max: Ich wollte auf dem neuen Album ganz einfach starke Songs machen, Songs, die ich auch nach Jahren noch spielen und hören will. Wie z.B. “Back to the Primitive” oder “Roots”. Es gibt den experimentellen Teil auf dem Album, aber das Wichtige sind wirklich die Songs im ersten Teil des Album, aber auch Songs wie Porrada. Viele mögen auch das Cover „In the Meantime“.


Rey: Auch schon auf dem letzten Album „3“ waren die Percussion- und vor allem die Tribal-Elemente von den ersten beiden Alben fast verschwunden. Das ist auch auf „Prophecy“ so. In den Heavy-Teilen gibt es gar keine Percussion mehr. Der typische Soulfly-Groove fehlt, besonders wegen den Drums finde ich, die neuen Songs gehen eher in die Richtung von konventionellerem Hardcore Metal.

Max: Oh doch, es gibt schon immer noch Percussion-Elemente, aber sie sind einfach mehr im Background. Und die Tribal Sache – es war einfach an der Zeit etwas Neues zu machen, das war ausgelutscht. Ich musste auch zeigen, dass Soulfly mehr ist als das. Ich wollte bewusst zurück zu den richtig heavy Sachen.


Rey: Die aktuelle Tour trägt den Titel „Planet Max Tour“. Was verbirgt sich dahinter?

Max: Wir haben diesen Titel gewählt, weil die Tour einfach alles einschließt ein. Im Live Programm sind Songs aus meinem ganzen Leben, von den alten Sepultura-Sachen, den Soulfly-Sachen, Nailbomb, einfach alles. Ich mag das alte Zeug sehr, es sind großartige, starke Songs, es macht Spaß das alles zu spielen.


Rey: Der Titel schließt aber auch ein, dass Soulfly einfach noch immer Max Cavalera ist. Max Cavalera bringt die Musiker zusammen, schreibt die Songs... Wie groß ist der Einfluss der anderen Bandmitglieder auf die Musik von Soulfly?

Max: Die Anderen sind auch wichtig. Ich komme zu ihnen mit einer Idee und sie machen etwas daraus, spielen etwas drüber. Ich bringe eigentlich nur die Grundriffs, die anderen führen meine Ideen aus und bringen dabei ihren Stil und auch ihre eigenen Ideen dazu ein. Von Marc (Rizzo, Gitarre; rp) sind zum Beispiel die schreienden Gitarren bei „Prophecy“ am Anfang.

Rey: Ich denke, dass besonders Marc Rizzos Gitarre der Musik eine neue Qualität gibt.
Aber können wir erwarten, dass du die Bandmitglieder vor dem nächsten Album wieder auswechseln wirst?

Max: Nein, das kann ich nicht sagen. Nicht jetzt. Soulfly wird sich immer wieder verändern. Aber man kann das nicht voraussagen.


Rey: Jetzt mal ein bisschen weg davon zu allgemeineren Themen. Ich würde mal gerne den Song "Call to Arms" vom letzten Album nehmen ("3", 2002; rp) – ich denke er entstand nach dem 11. September. Die Betroffenheit und vor allem die Wut über diese schrecklichen Anschläge sprechen daraus. Ich zitiere: "revenge is our fight" or "drop the bombs in", "bring the troops in... wipe out your minoritiy". Das sind ziemlich brutale Worte und sie unterstützen die Reaktion der Amerikaner nach den Anschlägen. Wie denkst du über das, was bei diesem "War against Terrorism" herausgekommen ist? Wie denkst du über die Situation heute – im Irak und der ganzen Welt?

Max: Ich stimme dem immer noch zu. Ich hasse... ich hasse den Krieg, aber ich hasse alle Arten von Terrorismus, weil es uns betrifft auch, die wir hier leben, die wir ins Flugzeug steigen. Sie wollen uns alle vernichten, deshalb muss man dagegen sein, egal wer du bist.


Rey: Ich frage mich auch, wie diese brutalen, aggressiven Elemente in deinen Songs mit den Sachen zusammengehen, an die du glaubst. Ich meine, Jah, Jesus und all das, die den Gedanken der Liebe und des Friedens haben.

Max: Das sind keine friedlichen Sachen. Ich denke, die Kreuzigung ist eine der härtesten Sachen der Welt. Wie die Bibel und das Zeug, es gibt da wirklich schlimme Passagen... in Ägypten, die Geschichte von Moses, als sie die Tötung aller Kinder befehlen und Ähnliches – das ist ziemlich brutal. So gesehen gibt es da für mich keinen solchen Konflikt. Ich kann über übergewalttätige Sachen singen und zu etwas wie "I Believe" übergehen, weil ich denke, dass sie zusammen gehören. Das ist einfach, wie ich es sehe: Es gehört zusammen. Wir können uns nicht abwenden und ignorieren, was passiert. Aber du kannst versuchen positiv zu sein, ich versuche etwas Positives daraus zu machen, ich denke, das ist die gute Seite davon. Es ist also eine Art Fusion... wie ich es in "Roots" gemacht habe – im "Roots"-Video wird Leiden zu etwas Positivem. Das war das Übelste, mit dem ich je ein Video begann. Ein großer Teil des Videos wurde in Salvador aufgenommen, wohin all die Sklaven aus Afrika kamen. Viele von ihnen wurden getötet und zurück ins Meer geworfen. Ein unterirdischer Ort, der wirklich ziemlich heftig stinkt – das sind die stärksten Passagen des Videos, als ich auf den Boden aufschlage. Das gefällt mir wirklich. Diese Einstellung hat schon immer zu mir gehört, etwas Schlechtes in etwas Gutes zu verwandeln. "Frustration is my inspiration", wie ich in "Execution Style" singe. Manchmal ist Frustration die beste Inspiration, du kannst dir deine Gitarre schnappen und die besten Songs schreiben. Es kommt direkt aus dir selbst heraus, so wurde das Lied geschrieben: frustriert.

Viele Bands haben keine Frustration mehr, sie haben nichts mehr um darüber zu singen. Alles läuft gut, sie haben ne Menge Geld. Für mich hat sich das nicht verändert, mein tägliches Leben. Mit der Musik kämpfe ich immer noch.


Rey: Glaubst du, dass sich das irgendwann ändern könnte

Max: Wer kann das sagen? Ich persönlich denke, dass nicht, denn es gibt viele Probleme. Auch der Kampf mit der Musik selbst, mit dem Musik-Business. Es ist manchmal frustrierend... manchmal denke ich, dass Soulfly mehr Anerkennung verdient hätte. Aber ich denke, das kommt vielleicht noch. Mit vier Alben kommen wir an diesen Punkt, aber ich hätte gedacht, dass das stärker der Fall sein würde und schneller kommen würde.


Rey: Gibt es also noch Träume für dich, für Soulfly? Ziele, die du erreichen willst?

Max: Ich träume... nein es ist mehr als ein Traum, ich weiß, dass es kommen wird – diese Anerkennung. Ich frage mich, wie lange es dauern wird. Primitive ist ein gutes Beispiel. Als die Platte rauskam, wurde sie ziemlich missverstanden, aber heute wird sie von vielen Leuten anerkannt und gemocht. Es dauert, bis die Leute soweit sind, denn ich denke ich bin immer ein bisschen zu weit voraus und das ist manchmal ein Problem. Aber andererseits muss das jemand machen. Du musst da durch, die Show, diese Business-Sachen, auch wenn du kritisiert wirst – es ist besser als schon Dagewesenes zu kopieren


Rey: Siehst du dich selbst als einen Propheten?

Max: Ich sehe das nicht so, nein. Vieles von dem, was ich mache oder schreibe, ist unterbewusst. Ich ziehe das Unterbewusste dem Bewussten vor. Man tendiert dazu mehr bewusste Sachen zu schreiben, aber die für mich besten Sachen, waren immer die, bei denen ich nicht genau wusste, warum ich das machte oder was ich machte. "Prophecy" ist eine dieser Sachen, ich kann für mich noch nicht sagen, was diese Platte ist, was die "Prophezeiung" ist. Vielleicht könnte ich dir in ein paar Jahren, wenn wir uns noch mal zusammen setzen würden, alles erklären. Aber jetzt kann ich das nicht.


Rey: Was hört Max Cavalera sich für Musik an, wenn er auf Tour ist?

Max: In letzter Zeit ziemlich viel Brasilianisches Zeug. Auch Eyesburn, die mir schon auf der letzten Tour eine CD gegeben haben. Ich habe nicht so viel Zeit, da ist jeden Tag der Soundcheck, die Interviews. Es vergehen Tage, ohne dass ich eine CD auflegen kann. Spät nachts, nach der Show, will ich keine Musik mehr hören, meine Ohren klingeln dann von dem Lärm, den ich mache. (lacht)


Rey: Eine letzte Frage vielleicht noch. Was kann ich als Soullfy-Fan für den Gig heute Abend erwarten?

Max: Das Unerwartete (lacht). Ich lasse dich dein eigenes Urteil darüber fällen. Ich will nicht sagen: "Oh es wird so toll werden!" Das werde ich dir nicht sagen. Du schaust es dir an und fällst dann ein eigenes Urteil.


Rey: Also Max, danke für das Interview.

Max: Ich danke dir, genieß die Show!


Mein Eindruck von Max? Ein richtig netter Typ, aber wenn es um Musik geht, absolut verrückt. Ein Fazit ist schwer zu ziehen, im ersten Teil des Interviews hielt er sich, finde ich ziemlich zurück, dafür wurde er im zweiten um so aus- und leider auch abschweifender. Teilweise haben mich seine Antworten schon etwas irritiert, aber ich hoffe es ist mir gelungen, sie für die Allgemeinheit einigermaßen sinnvoll wiederzugeben.

--Rey

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