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Interview: Interview mit FRENCH POLISH --Mai 04--

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Veröffentlicht am Samstag 08 Mai 2004 03:14:35 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifSänger und Gitarrist Karsten macht Interviews am liebsten mit Sportzigarettchen, jedes Bandmitglied kehrt vor der eigenen Haustür und Songs werden im Krankenhaus geschrieben…
Zombie: Erst mal Glückwunsch zu Eurer CD - auch wenn sie mich verdammt viele Durchläufe gekostet hat! War es Absicht oder Zufall das Eure Musik nicht gerade leicht zu konsumieren ist?


Karsten: Hi Zombie. So ein Online-Interview ist doch eine nette Gelegenheit sich ein Sportzigarettchen anzuzünden, die eigene CD nochmal einzulegen und ganz entspannt dabei die Fragen zu beantworten. Da die erste Frage direkt so gezielt kommt sage ich: Ja es ist schon immer unsere Absicht, Musik zu machen, die nicht einfach so konsumiert wird. Daher empfinde ich es durchaus als Kompliment, dass Du sagst, Du hättest mehrere Durchläufe gebraucht. Es ist nicht unsere Absicht besonders schlau zu wirken. Es ist genau so wie bei einem guten Film oder einem guten Buch. Beides kann man sich etliche male reinziehen, bis man mal das Gefühl hat, man hat alles geschnallt. Eine Stelle, die Dich beim ersten Mal schon überrascht hat, überrascht Dich beim nächsten mal, weil Du noch eine Nuance entdeckst, die Du zuerst nicht wahrgenommen hast. Das ist jedenfalls mein Verständnis von guter Musik. Ob es sich dabei um Metal, Rock oder Jazz handelt, ist relativ egal. Ich denke das sehen wir alle drei so und machen deshalb diese Musik.


Zombie: Wann habt Ihr angefangen Musik zu machen und in welchen Bands / welchen Stil habt Ihr vor French Polish gespielt? French Polish dürfte ja kaum Eure erste Band sein...


Karsten: Ich habe von Jazzrock bis Led Zeppelin Tribute alles gemacht, was mich interessiert hat. Mich haben aber immer schon fette RockRiffs fasziniert. Schwartz war immer schon ein Metalheart. Er hatte eine Metalband namens Bastaard, die zu besten Zeiten aus fünf Bassisten und ihm an der Schießbude bestand!!! Das war ein Geballer!;-) Greg ist so wie ich vor langer Zeit in der Jazz Szene von Aachen unterwegs gewesen und hat später sogar Jazz Bass in Arnheim (NL) studiert. Er hatte in den 90ern eine Band namens Mengwasser. Der Sound ging in Richtung 24-7 SPYZ, die übrigens damals auch meine absolute Lieblingsband waren. Wir haben halt in den 80ern und 90ern den Crossover genau so abgefeiert, wie die Leute den Alternative Rock heute abfeiern. Greg spielte dann lange bei Eisen, die sehr guten deutschen PopRock gemacht haben, sich aber leider mangels öffentlichen Interesses aufgelöst haben. Zur Zeit spielt er nebenbei noch bei der Band Erdmöbel aus Köln. Hier tobt er sich am Contrabass aus.


Zombie: Hat sich der Sound von French Polish im Laufe der Zeit verändert?


Karsten: Der Sound hat sich hoffentlich verbessert. Die Arrangements der Songs haben sich im Vergleich zu unseren Anfangstagen sehr verändert. Wir waren früher so krumm, dass die Leute nach dem Gig Gleichgewichtsstörungen hatten.
Auf unserer FPM-CD 004 haben wir dann mit einem Produzenten sehr straight an den Songs gefeilt. Das hat bei uns einen grossen Einfluss aufs Songwriting gehabt. Allerdings haben wir uns auch da schon nicht verbiegen lassen. Meines Erachtens hatten wir aus dieser Zeit so viel mitgenommen, dass es für FPM-CD 005 nicht mehr angesagt war einen aussenstehenden Produzenten ins Boot zu holen.


Zombie: Gibt es irgendwelche Bands die man Eurer Meinung nach am Sound von French Polish heraushören kann die Euch beeinflußt haben? Wenn man eine CD bespricht versucht man ja immer Vergleiche zu finden, aber das stellt sich bei Euch beliebig schwierig dar...


Karsten: So beliebig schwierig, wie sich das darstellt, so beliebig lang wäre die Liste an Bands, die uns mehr oder weniger beeinfussen. Mich persönlich kicken immernoch meine alten Platten am meisten. Wer jetzt schmmunzelt, soll sich mal die Original Version von "Behind blue eyes" (Who's next von the Who) anhören und mir sagen, welche Version mehr Charme besitzt.
"Mob Rules" von Black Sabbath wird von mir im Moment dauerzentrifugiert. Was für Riffs, was für ein Gesang, was für ein Bass Sound! Ich glaub, die schmeiß' ich direkt nochmal an...


Zombie: Gibt es bei French Polish irgendwelche Grenzen was den Sound betrifft?


Karsten: Jeder hat bei uns ein Veto-Recht. Das ist die Grenze.


Zombie: Der Wechsel des Bassisten hat dem Info nach den Sound nachhaltig beeinflußt - inwiefern?


Karsten: Es hat den Sound einfach verändert, weil Greg ein anderer Bassist ist als Willi. Greg steht auch sehr auf den Sound, den Willi gemacht hat. Zunächst bestand seine Aufgabe darin Willi so gut es ging zu ersetzen. Greg ist dann mit dem Prozess des Songwritings für die neue Platte immer mehr in die Band hineingewachsen. Greg und ich kennen uns schon seit der Zivi-Zeit, haben aber vorher nie in einer Band zusammen gespielt. Jetzt entdecken wir, dass wir top harmonieren.
Ich hab Ihm kürzlich geholfen ein paar Gitarren für ein Solo-Projekt von Ihm aufzunehmen. Das heißt, er hat eingespielt und ich habe den Sound geschraubt und aufgenommen. Ich hab vorher noch nie so unkompliziert mit jemandem zusammenarbeiten können. Das ging wie's Katzenf*****.


Zombie: Wie lange feilt Ihr an den Songs - einerseits klingt Eure Musik sehr durchdacht, andererseits klingen die Songs stellenweise als hättet Ihr im Studio sponatn zwischendrin gejammt!?


Karsten: Ist alles zu 100% ausgeflippert, bis auf die Gitarresoli. Wir haben etwa ein Jahr lang immer wieder an den Layouts, die wir zu Hause am Rechner aufgenommen hatten, gefeilt.


Zombie: Woher stammt die Idee zu dem Anastacia-Cover "Paid My Dues", welches ich im übrigen sehr geil finde?


Karsten: Das war meine Idee. Ich hab den Song im Radio gehört, und als der erste Refrain an mir vorüber war, war ich von der Idee besessen, DAS zu zerrocken. Dann kam einige Wochen später eine Schülerin mit der CD an. Ich direkt ausgeliehen, reingehört, Cis-Moll, genau unser Tuning, genial! Weiter rausgehört; Akkordfolge von "All along the Watchtower", "Stairway to Heaven" und so ziemlich jedem dritten Rocksong der Musikgeschichte. Scheiße, keine Lust mehr gehabt. Aber dann hat mich mein Ehrgeiz gepackt. Das muss rocken. Bass und Gitarre stammen in diesem Fall beide aus meinen Hirnwindungen. Schwartz und ich mussten dann ein wenig für die Version kämpfen, aber es freut mich, dass Du in diesem Fall auch auf unserer Seite bist.


Karsten: Was zum Teufel ist "Ziekenhuis"???


Karsten: Der Song ist bei Schwartz am Krankenbett entstanden, nachdem er seinen Motorradunfall hatte. Schwartz hat aus seinen Basstaard-Zeiten noch einen alten Bass... -Uuuuh slippin' away!... (Sorry)... G,A,D slippin' awaaay....G,A,D,A slippin'awaaay...!-Darauf denkt er sich gerne mal diese krummen einlullenden Bassriffs aus. Das Intro von „Ziekenhuis“ ist so eins, und DIS ist auch so eins. Ziekenhuis ist Niederländisch und heißt Krankenhaus. Zunächst war es nur ein Arbeitstitel, wurde dann unseren niederländischen Nachbarn zuliebe so beibehalten.


Zombie: Gibt es noch andere Songs mit "speziellem" Hintergrund - die meisten scheinen sich ja um die "alltäglichen" Probleme zu drehen...


Karsten: Wie wir es auf FPM-CD 005 gemacht haben, entspricht es unserem Welbild. Jeder kehrt erstmal vor seiner Tür, dann bleiben gar nicht so viele Probleme übrig, über die man singen muss.

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