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Interview: Internet Round Table with Glenn Danzig, Maritim Hotel Köln, 13.04.04

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Veröffentlicht am Dienstag 27 April 2004 13:13:45 von madrebel
phpnuke.gifDanzig das Punk/Metal/Gothic Urgestein bringt bald ein neues Album raus. Nach den letzten drei Alben nicht unbedingt eine aufregende Nachricht.
Jedoch wenn man das Angebot bekommt ein Interview mit dem guten alten Schinkengott zu führen, wäre man blöd, dies nicht zu tun. So dachten auch 3 andere Fanzineschreiberlinge und alle freuten sich ziemlich auf das Gespräch.




Internet Round Table with Danzig, Maritim Hotel Köln, 13.04.04

Danzig das Punk/Metal/Gothic Urgestein bringt bald ein neues Album raus. Nach den letzten drei Alben nicht unbedingt eine aufregende Nachricht.
Jedoch wenn man das Angebot bekommt ein Interview mit dem guten alten Schinkengott zu führen, wäre man blöd, dies nicht zu tun. So dachten auch 3 andere Fanzineschreiberlinge und alle freuten sich ziemlich auf das Gespräch.

Zuerst hatten wir alle die Möglichkeit in das neue Werk reinzuhören, und ganz ehrlich, da kommt grosses auf uns zu. Das Material klingt wieder mehr „Back to the Roots“ und das sollte jeden Danzig-Fan zufrieden stellen.

Begonnen hatte das ganze mit einem Missverständnis: Wir dachten "Internet-Round Table" wäre eine Art Web-Cast, oder Live Stream...bis wir zu früh in das Hotelzimmer gebracht und Glenn Danzig persönlich mich völlig aus der Balance gebracht hatte!

Fragen an den Manager, "wie ist er denn so?",“Hat er gute Laune ?“, „Muss man ein wenige Muffe haben ?“ wurden schnell zerschlagen, denn nun auch wenn Glenn Danzig sehr müde war (Jetlag etc...) hat er das Charisma welches einen Musiker von einem Rockstar unterscheidet, eine Präsenz die raumfüllend ist.

Der Moment des Treffens rückte näher und, da die Kollegen von den Metal-Zines und ich gehört hatten dass Danzig ein "schwieriger" Gesprächspartner sei waren wir alle entsprechend nervös.
Und hörten uns erstmal fünf der neuen Stücke an.

Auf meine Anmerkung dass die neuen Stücke mich an das dritte und vierte Album erinnern, meinte er lachend, das jeder Interviewpartner in den neuen Stücken verschiedenes rausgehört hat, von den „Misfits“ zu „Samhain“ zu „Danzig“ bis zu „Lucifuge“.

Anschließend dazu sagte Glenn Danzig, dass mit „I Luciferi“ ein thematischer Kreis geschlossen wäre. Mit dem neuen Album ist er jetzt frei, neue Stücke zu schreiben ohne sich von einer thematischen Vorgabe einengen zu lassen. Anscheinend waren diese sieben Alben wohl vorher geplant gewesen.
Die neuen Stücke die wir gehört haben sind noch „Rough Mixes“, und sechs weitere Songs die noch nicht fertig sind werden auf dem neuen Album sein.

Die wahrscheinlich erste Single wird Circle of Snakes werden, die Spezialeffekte für das Video werden von dem gleichen Effektspezialisten gemacht der auch an Rob Zombies „House of 1000 Corpses 2“ arbeitet. Daraufhin sprach ich Danzig auf seine Comics an und ob er schon einmal daran gedacht hat einen seiner Comics zu verfilmen.
Er erzählte uns fogendes:
"Es gibt zu Satanika eine Pilot-Folge, die auf Video erschienen ist, gemacht wurde der Anime von Mad House Studios, die bsw. Ninja Scroll gemacht haben.
Um dir eine Frage zu beantworten die du noch nicht gestellt hast, im Anschluss and die Tour werde ich wahrscheinlich Ge Rouge oder Jaguar God als Realfilm schreiben und inszenieren."
Das war schon eine Überraschung, sollte er Jaguar God verfilmen wollen, wäre Javier Bardem, Hauptdarsteller aus Perdita Durango seine Wunschbesetzung.
Auf die Frage welches seiner Lieder er gerne von Johnny Cash gecovert gehabt hätte meinte er American Nightmare von den Misfits, passend kann man da nur sagen.
Die einzige Kollegin fragte ihn nach seinen Einflüssen beim Schreiben, daraufhin zeigte er mit dem Finger auf sich. Im ersten Moment dachte wohl jeder der Fanzineschreibernun, ein wenig von sich eingenommen ist er ja schon.Bis Danzig genauer erklärte wie er dass meinte: "In meinen jüngeren Jahren haben mich sicherlich viele Einflüsse geprägt. Mittlerweile bin ich aber ein eigenständiger Musiker, wie es jeder Künstler einmal werden sollte. Ansonsten (inspiriert mich) die Welt und wie abgefuckt sie ist, oder wenn ich eine bestimmte Geschichte erzählen möchte."

Auf die Frage des Kollegen aus Köln ob seine Labeltätigkeit und sein Comicverlag nicht mittlerweile zu Arbeit werden antwortete Danzig:
"Nein, vor vielen Jahren habe ich mir gesagt dass ich das was ich mache (Musik, etc.) aus Leidenschaft mache, egal ob ich Geld damit verdiene oder nicht. Und wenn es sich wie Arbeit anfühlen sollte, leg ich eine Pause ein."

Politische Texte oder Äußerungen versteht Danzig so:
"Ich wurde schon zu Punk-Zeiten, und mit Samhain, gefragt ob wir politisch eindeutige Texte schreiben würden. Politik ist ein Geschäft, und wir können nichts daran ändern. Veränderungen beginnen im sozioligischen und theologoischen Bereich." Darauf meinte ein Kollege ob dass auch einschließt einen bestimmten Lebensstil zu promoten, sagte Danzig nur grinsend:
“Oh, I think I have been.“

Eine Sache die einen der Frager immer interessiert hatte war, "meint er das was er da singt wirklich?".
Seine Frage war dann auch, seien seine Texte eine Möglichkeit "Fuck Off" zu sagen oder sind sie auch Ausdruck seines Glaubens?

"Beides. Ich finde dass organisierte Religion abgeschafft werden sollte, Religion sollte Privatsache sein die stattfindet wenn man seine Haustür geschlossen hat. Wenn man so will wurde Satansimus ja auch erst durch die christlichen Religionen ermöglicht. Ob ich an die Bibel oder die Satanische Bibel glaube? Nein. War die Satanische Bibel und die Bibel eine Anregung um mal selbst nachzudenken oder andere Wege zu beschreiten? Ja. Wie überhaupt am Anfang viele Religionen interessante und neue Impulse geben. Das Problem ist das Religion häufig politisch wird, anstatt spirituell und erbaulich zu bleiben. Was mich auch abstößt ist dass viele Religionen irgendwann in sich selbst gespalten sind, sogar die Church of Satan. Wobei La Vey bestimmt als jemand in die Geschichte eingehen wird der viel getan hat für freies Denken und Individualität."

Ob man dieser Aussage zustimmen sollte bleibt wohl jedem selbst überlassen... Danzig scheint sich auch eher auf Satan als eine Rebellenfigur zu beziehen und weniger auf das was man unter "Satanismus" versteht, auch im Sinne Miltons "Paradise Lost", düster-romantisch ist seine Musik ja.
<´br> Eines kann man mit Sicherheit sagen, Danzig ist jemand der sich mit Religion auseinandergesetzt hat.

Ob die aggressive Aussage "Respektiere den Raum anderer Leute, sollte jemand deinen nicht respektieren und du diesen jemand platt machst, brauchst du dich nicht schlecht fühlen", ein guter Leitfaden für das tägliche Leben ist auch so eine Sache, ich zumindest kann mit dieser Aussage eher weniger etwas anfangen. Aber jedem wie er will.

Eine kleine Anekdote gab er zum besten:
"Wir haben einmal im Kölner Dom gefilmt. Die Leute wollten uns 'rausschmeißen,bis wir uns umgedreht und sie unsere Pentagram Shirts gesehen haben! Dann haben sie die Cops gerufen! Naja, nach einer halben Stunde sind wir gegangen.(Lacht schelmisch)."

Ich erzählte ihm daraufhin, daß der Kölner Dom auf einer heidnischen Kultstätte erbaut wurde, was er noch nicht wusste, aber wohl sehr interessant fand.

Überhaupt scheint Individualität einer seiner Leitsätze zu sein. Manchmal hat man das Gefühl dass es eine Rebell-Pose ist, häufig wirkte es aber glaubwürdig.

Gibt es im Moment Musiker oder Filmemacher die du als verwandte Seelen sehen würdest? "Hmm, also wenn es Hollywood-Filme sind dann auf gar keinen Fall! Meine Hauptquelle für Kino ist seit knapp 12 Jahren japanisches Kino. Sachen wie "The Ring", nicht das schreckliche Remake. Ich mag diese kleine, fiesen, Filme "that fuck around with your brains". Was europäische Filme angeht, "28 Days Later" und "Trouble Every Day" fand ich klasse. Das Remake von "Texas Chainsaw Massacre" war auch schön fies, hat mir gefallen. Im Moment setzten sich auch an der Kinokasse immer mehr kleine, mutige Independent-Produktionen durch, nicht dieser langweillige Hollywood-Kram. Es gibt also noch Hoffnung."

Die Fanzine-Kollegin fragte Danzig ob die Casting-Shows à la "Popstars" nicht Metal gefährden und wie er die Zukunft des Metal sehe.
"Casting Shows haben mit Metal nichts zu tun. Trends wie NuMetal werden kommen und gehen, aber "Career-Bands" wie wir, AC/DC und Slayer wird es immer geben, egal welcher Trend angesagt ist. Korn und Limp Bizkit z.B., kriegen in den Staaten keine mittelgroße Hallen gefüllt in denen wir jetzt spielen! Sie mussten die Tour absagen! Korn hat sogar den Opener für Limp Bizkit gemacht."

Ein anderer Kollege fragte wieso das Publikum nicht durchschaut wie es manipuliert wird mit "Popstars" und ähnlichem:
"Das ist keine Manipulation, den Hype gab es im Pop schon immer, das ist nichts neues. Manipuliert wird das Publikum nur wenn man ihm vormacht eine Band sei kein Pop."

Zum Thema Filesharing hat er eine eindeutige Meinung:
"Filesharing ist doch Abzocke. Angeblich wird das ganze von Fans betrieben. Komisch das hinter Morpheus und Kazaa Firmen stehen die Geld haben und Geld machen wollen. Warum sollte ich Firmen erlauben Geld zu verdienen mit meiner Musik, ohne dass ich auch nur einen Cent davon sehe? Wenn ein Kid sich meine CD kauft und die seinen Freunden brennt, ist das ok. Machen wir alle, damit hab ich keine Probleme.
Filesharing und die viel zu hohen Preise für CD´s jedoch sind schuld an den schlechten Verkäufen. Ich weiss noch, ich wollte mir das erste Garbage-Album wieder kaufen, hatte es verliehen und nicht zurückbekommen, auf jeden Fall hatte die CD im Laden knapp 17 $ gekostet! Ich habe sie noch für fast 12 $ bekommen!
Als ich mir ein Manson-Album angeschaut hab im Laden, war der Preis 22 $! Ich dachte nur, hey ist das jetzt ein Doppel-Album, oder was?
War nur die "Mechanical Animals"! Damit haben sich Manson und die Plattenfirma ins eigene Fleisch geschnitten, sie haben den Preis schnell geändert."

Ein Cover-Album mit Elvis Songs würde er schon länger mal gerne machen, wohl dann wenn ihm die Ideen ausgehen(lacht).
Da überraschte er uns alle mit: "Pin-ups von Bowie ist ein klasse Cover-Album. Man merkt dass er sich mit Respekt den Stücken genähert hat."
Du magst Bowie?!? "Diese Platte auf jeden Fall."

Die Frage die sich ein Fanzineschreiber nicht verkneifen konnte war:
Fühlst du dich geehrt wenn man dich in Presse als "The Black Elvis" bezeichnet oder denkst du dir "irgendwas müssen die ja schreiben?"

"Beides.(Lacht) Dennoch, meinen Namen und Elvis im gleichen Satz zu sehen ist schon eine Ehre."

Tommy Victor, von Prong, spielt auf der neuen Platte wieder Gitarre, auf unser Lob hin konnte Danzig es sich nicht nehmen lassen Victor zu loben und wieder NuMetal zu dissen:
"Tommy ist einer der großen Innovatoren. Das ganze NuMetal Pack, die schulden ihm soviel. Wenn nicht Geld dann doch eine Menge Respekt. Die haben einfach so ziemlich jeden seiner Riffs geklaut."

Dinge die Danzig gar nicht mag, neben NuMetal, sind die The-Bands (Strokes speziell hat er mächtig gedisst):

"Wenn ich echten Garage-Sound hören will bleibe ich lieber bei den Originalen, Iggy Popbeispielsweise.
Und die Strokes, einfach nur bei Iggy und den Stooges geklaut. Das ist keine Hommage mehr, einfach 'nen anderen Text zu Stooges Songs zu schreiben, das ist klauen."

Leider geht jedes Interview einmal zu Ende, und so auch dieses.
Der Eindruck den Danzig hinterlassen hat, im positiven wie auch im negativen Sinne, ist routiniert und professionell.
Sehr sympathisch ist, dass er dazu steht einen bestimmten Musik-Stil zu machen, und faselt nicht etwas von Experimenten etc.

In kleinen Momenten, als er von seinen Lieblingsfilmen erzählt, oder auch bei der Dom-Anekdote, kommt jemand zum Vorschein der noch nicht die 20 überschritten hat, im guten Sinne. Rock'n' Roll hält jung, dieses Klischee scheint zumindest bei ihm zu passen.

Das auch er noch Fan ist merkt man wenn er über Filme erzählt oder das Riff auf einem der neue Stücke erwähnt, in diesen Momenten wird aus dem Rockstar Danzig nur noch Glenn, mit dem gerne das eine oder andere Bierchen trinken würde.

Das neue Album wird wohl in den nächsten Monaten erscheinen. Noch gibt es aber keinen festen Termin.
Das Album wird auf Regain-Records erscheinen, das neben Danzig auch Samael unter Vertrag nehmen wird.
Sonst ist das Label eher Heimat für Black-Metal Bands wie Marduk. Im übrigen eine band, auf die er große Stücke schwört. Besonders nachdem die letztes Jahr den Support machen durften. Also eine große Sache für das Label.
Dem sympathischen Labelchef Per Gyllenbäck, hat man das auch angemerkt, Danzig auf seinem Label zu haben ist schon die Erfüllung eines Traums.
Danzigs Comics erscheinen in Deutschland bei EEE, von Bela B. Wenn man kein Problem mit Horror und Splatter hat sollte man zugreifen.

Hoffen wir mal dass das neue Album die letzten drei vergessen macht, dafür spricht das neue Material, und wir wieder in die "twisted, warped world" des Black Elvis eintauchen können.


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