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IN FLAMES, DEVIL DRIVER, CALIBAN - 28.04.2004 Stuttgart im LKA

Veröffentlicht am Montag 03 Mai 2004 20:14:56 von maximillian_graves
phpnuke.gifAls arschkickende Live-Band bekannt, machten In Flames, zusammen mit Devil Driver und Caliban "Touring to your Escape" durch Europa unterwegs, im Stuttgarter LKA Station.
Als einer der wenigen Menschen, die In Flames nicht schon mindestens einmal live gesehen haben, betrat ich nach allseits begeisterten Stimmen zu den Live-Performances der fünf Schweden das LKA mit gespannter Erwartung.
Den Abend eröffneten um halb acht Caliban, nicht gerade stimmungsfördernd durch das Tageslicht beleuchtet, das durch die Dachfenster fiel. Trotzdem war die Halle schon recht gut gefüllt. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich weder von Caliban noch von Devil Driver vorher ein einziges Lied gehört hatte, aber von einem Kenner und Anhänger der Musik des deutschen Fünfers ließ ich mir sagen, dass das Album der Jungs in keinem Vergleich zu ihrem Auftritt an diesem Abend im LKA steht. So lag es wohl auch am mäßigen Sound, dass der Auftritt von Caliban wenig mitriss. Sänger Andy Dörner, der noch der Präsenteste auf der Bühne war, versuchte zwar immer wieder das Publikum zum Mitgehen zu bewegen, es gelang aber selten, nur wenige nutzten die Gelegenheit um sich beim Pogen schon mal warm für In Flames zu machen – zum Beispiel beim letzten Song, dessen Titel ich nicht ganz mitgekriegt habe, aber der irgendetwas mit Circle zu tun hatte, als Frontmann Dörner dem Pit mit einer kreisenden Bewegung seiner Hand klar zu machen versuchte, worum es in dem Song ging und was er von den Leuten im Publikum für eine Illustration dessen erwartete. Überhaupt war die Stimmung ab dem dritten Song, "The Love and the Hatred", besser. Der Song davor war der einzige, den ich noch durch die Ansagen erkennen konnte: "Between the World" (keine Garantie für beide Titel). Ingesamt waren Caliban etwa eine halbe Stunde auf der Bühne.

Dann kamen Devil Driver. Besserer Sound und die Lichtverhältnisse von außen, die sich im Laufe des Gigs verbesserten, ließen die US-Knüppler gleich viel besser aussehen als ihre Vorgänger. Insgesamt wirkte ihre Performance auch routinierter und stimmiger. Flankiert von den zwei äußerlich kontrastreichen Gitarreros Evan und Jeff, links ohne Haare und rechts meist mit schwarzer Matte vor dem Gesicht, dem Bassisten John Miller, der seinen Kollegen mit seinem Haar propellerartig Luft zufächelte – und die konnte man im schwül dampfenden LKA durchaus vertragen – wirbelte im Zentrum immer am Bühnenrand Grobvokalist Dez Fafara und rotzte dem Publikum mit rotem Gesicht und hervorquellenden Augen die Lyrics entgegen. Devil Driver brachten Bewegung ins Publikum, in dem sich einige Leute mit Devil Driver T-Shirts ausmachen ließen – Devil Driver hinterließen Eindruck. Von den Songs konnte ich nur "Die" vom selbstbetitelten Debut-Album festhalten.

Danach ließen In Flames auf sich warten. Obwohl sich auf der Bühne nicht viel veränderte dauerte es eine gute Dreiviertelstunde bis die fünf Schweden die Bühne betraten. Dann enttäuschte Anders Fridén die ungeduldig gespannte Crowd, mit geschätztem Durchschnittsalter von höchstens 25 erst mal mit einer Ansage: Sie hätten zwar eine echt fette Lightshow mitgebracht, aber das LKA sei mit zu wenig Power ausgestattet und die volle Show hätte wohl die Sicherung rausgehauen und gar nichts mehr wäre gegangen. Tatsächlich gingen während des Gigs trotz heruntergefahrener Performance zweimal die Lichter aus. In Flames nahmen die Einschränkung gelassen und mit Humor und das Publikum störte sich wenig daran, die Musik und die pure Energie der "band of the free and the home of the brave" reichten aus um das LKA zum Kochen zu bringen. Während des Gigs betonte Fridén immer wieder gern die Tastsache der eingeschränkten Show, und dass sie das Bestmögliche in dieser Situation geben würden und das taten die Jungs. Auch erinnerte er immer wieder daran, dass von dieser Tour eine Live-DVD entstehen sollte und für Stuttgart die Chance besteht sich darauf in Bild und Ton zu verewigen. Das Set startete mit "Dead Alone" vom neuesten Meisterwerk der melodiösen Schweden-Rocker "Soundtrack to your Escape". Der Song, der alle typischen In Flames Elemente enthält, ließ die Crowd gleich gut abgehen, der Kracher "Pinball Map" fast nahtlos im Anschluss tat den Rest, um der Stimmung in der Halle den richtigen Anstoß zu geben. Danach kam "System" zum Mitsingen, was das Publikum allerdings keineswegs "slow" gehen ließ und auch die Nordmänner auf der Bühne waren ständig in Bewegung besonders Vocalist Fridén. Allein Mastermind und Bandgründer Jesper Strömblad an der Gitarre hielt sich öfters ruhiger im Hintergrund. Und Fridén, der sympathische Rastamann mit Krawatte hatte das Publikum souverän im Griff: "I don't know what you're all shouting. I don't know German I know only Swedish." Er stellte ganz klar, was Sache ist, und bewies Humor: "We are In Flames and we rule, so shut the fuck up!" Bei "Cloud Connected" flippte der Mob dann richtig aus, der Pogue erfasste großflächig die Halle. Danach läutete "Touch of Red" einen Block aus Songs vom neuen Album ein. Bei "Like You Better Dead" forderte Fridén die Crowd zu Hüpfen auf und das LKA folgte und jumpte entfesselt. Gelächter und Unglauben dann, als Fridén von seiner Bewunderung für und Prägung durch eine ganz bestimmte deutsche Band berichtet: die Scorpions. Aber er verteidigte sich unbeirrt gegen die fehlende Akzeptanz seiner Meinung durch das Publikum. Alle Raucher mussten dann ihre Feuerzeuge auspacken bevor die sanften Klänge von "Square Nothing" ertönten. Tatsächlich brannten aber nur wenige Flammen in der Luft, dieser Brauch ist wohl doch nichts für harte Death Metaller und auch als melodische Vertreter dieser Zunft, wurde Fridén, der es gern gesehen hätte, und seinen Kollegen dieser Anblick nicht zuteil. Dafür sang die ganze Halle mit, um beim nachfolgenden "Clayman" wieder komplett auszurasten. Ähnlich ging es beim folgenden "Gyroscope" zu, bevor die Stimmung bei "Only for the Weak" noch mal einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Jump! Jump! Wen die fünf Schweden mir ihrem melodiösen Deathmetal-Gewitter noch nicht mitgerissen hatten, der stand spätestens jetzt mit dem Rest es LKA kopfüber in der Luft. Mit "Behind Space" ging es dann noch mal in ältere Gefilde des In Flames Universums. Gentleman-Metaller Anders Fridén, der zwischndrch, wenn er Pause hatte durchaus Zeit für einen Wasserspaß mit einer weiblichen Zuhörerin im Bachstagebereich hatte widmete das Lied: "For the ladies!" From green to red, bei "Trigger" sang dann wieder alles mit, bevor "The Quiet Place" und "My Sweet Shadow" vom neuen Album das Set abrundeten.
Der Titel "Soundtrack to your Escape" und das Tourmotto "Touring to your Escape" waren perfekt umgesetzt. Als In Flames wie gewohnt, wenn auch für manche schwer hinnehmbar, ohne Zugabe von der Bühne gingen, musste schon der Blick auf die Uhr zeigen, dass die Schweden über zwei Stunden gespielt hatten, war die Spielzeit doch weit kürzer erschienen. Ein kurzweiliger Abend mit 20 Songs In Flames vom feinsten. Das einige, was gegen Ende nachzulassen schien, war Fridéns Stimme, ansonsten von vorne bis hinten große Klasse Alter Schwede!
Am Ende bleibt dem nassgeschwitzten und durch und durch gerockten LKA noch die Aussicht auf die angekündigte Live-DVD. Vielleicht bestehen für Stuttgart, als letztem Gig in Europa, trotz der fehlenden Light-Show tatsächlich Chancen darauf zu landen, denn Friden erklärte das Publikum im LKA für das beste auf der bisherigen Tour. Davon, dass er das ernst meinte und nicht nur daherredete um dem Publikum in den Arsch zu kriechen, gehen wir mal aus. So drehte Fridén die Machtverhältnisse in der zweiten Hälfte des Konzerts sogar um: "Stuttgart, you rule!"

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