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Zur Meinung von Amazon

Interview: Ektomorf - Thrashing Down Europe

Veröffentlicht am Dienstag 08 März 2005 17:25:49 von Bloody_Vampire
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Kurz vor ihrem Auftritt im Rahmen der Enemy of God Tour von Kreator, war es mir gegönnt ein kleines Interview mit Ektomorfs Frontmann Zoltan zu führen. Und was er mir zu erzählen hatte...war wirklich äußerst aufschlussreich.

 

 

Hi Zoltan. Vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast und deswegen lass uns auch gleich beginnen. Eure Tour mit Kreator startete ja einige Tage zuvor. Wie waren denn die Reaktionen der Konzertbesucher auf eure Musik?

Zoltan: Erst mal muss ich sagen, dass ich mit der Musik von Kreator aufgewachsen bin, deswegen ist es für mich persönlich schon einmal großartig mit einer solchen Band auf Tour gehen zu dürfen. Die Reaktionen waren durch die Bank wirklich Klasse. Wir starteten unsere Tour ja schon mit Kreator in Griechenland und auch dort lief alles super. Nur in Italien hatten wir kleinere Schwierigkeiten, denn die Leute dort scheinen wohl sehr auf melodiöse Musik abzufahren, und wie du weißt, groovt unsere Musik in erster Linie. Ansonsten spielten wir ja noch in Spanien, Österreich oder auch in England und alles war spitze.

Wie wichtig ist es denn eigentlich für euch, eure Musik live präsentieren zu können?

Zoltan: Für uns ist es das absolut wichtigste, unsere Musik auf der Bühne darbieten zu können. Die Aufnahmen im Studio sind nun mal zwingend, da wir ja auch neues Material schreiben müssen. Aber auf der Bühne zu stehen und die Reaktionen der Fans zu sehen, das ist unser Leben.

Du hast ja vorhin schon erwähnt, dass du mit der Musik Kreators aufgewachsen bist. Was für ein Gefühl ist es eigentlich, nun mit den Helden der Kindheit und mit einer solch erfolgreichen Band wie Dark Tranquility auf der Bühne zu stehen?

Zoltan: Es ist ein unglaubliches Feeling. Obwohl ich zugeben muss, dass ich Dark Tranquility nicht wirklich kenne. Sie spielen eben nicht die Musik , die ich mir selbst anhöre. Aber sie sind wirklich verdammt cool drauf. Doch auch das Verhältnis zu Mille ist Klasse, denn wir verstehen uns wirklich richtig gut, fast schon wie Freunde und das macht mich wirklich glücklich.

Ist diese denn die erste große Europatour, die ihr nun spielt?

Zoltan: Nein, denn letztes Jahr waren wir schon mit Pro Pain auf Tour. Aber in einem kleineren Rahmen. Wir spielten zwar auch in Osnabrück, aber in einem weniger großen Club. Hier stehen wir nun jeden Abend vor mehr als 1000 Menschen und das ist wirklich verdammt viel.

So eine Frage hab ich noch zu diesem Thema. Mit welcher Band würdet ihr am liebsten einmal touren gehen?

Zoltan: Mit Metallica, wie aus der Pistole geschossen! Ich liebe diese Band einfach. Ich bin einer ihrer größten Fans.

Lass uns aber mal ein bisschen über die Band selbst sprechen. Mit Destroy konntet ihr riesen Erfolge erzielen und auch 2 Videos drehen. Ihr seid innerhalb der Metalszene unwahrscheinlich gewachsen und aus dieser kaum weg zu denken. Hätte ich aber noch vor wenigen Jahren meine Freunde nach Ektomorf gefragt, es hätte wahrscheinlich niemand eure Musik gekannt. Kannst du diese Entwicklung vielleicht ein bisschen beschreiben?

Zoltan: Vielen Dank, dass du das gesagt hast, das freut mich wirklich. Nun ja wir haben im Jahr 2000 eine Cd mit Namen Kalyi Jag aufgenommen. Sie ist erst in Deutschland erschienen und später auch in Österreich. Damals haben wir in verdammt kleinen Clubs gespielt. Manchmal nur vor 5 Zuschauern. Aber auf einmal begannen die Leute uns zu mögen und plötzlich, wie zum Beispiel im letzten Jahr, spielten wir auf großen Festivals. Ich kann nicht erklären, wie das alles passiert ist aber es ist großartig. Gerade in Deutschland werden wir fantastisch aufgenommen.

Du hast ja gerade erzählt, dass eine eurer Scheiben 2000 erschienen ist. Seit wann existieren Ektomorf denn schon?

Zoltan: Also gegründet haben wir uns 1993 und im gleichen Jahr noch ein Demo Tape herausgebracht. 3 Jahre später haben wir dann unser erstes Album auf den Markt gebracht, allerdings auch nur auf Tape, denn in Ungarn gab es zu dieser Zeit noch keine Cds.

1998 kam dann unsere 2te Platte heraus, Ektomorf. 2000 dann Kalyi Jag und dann eben noch I scream up to the Sky und Destroy. Destroy war glaub ich in 2003, ich vergesse es doch immer wieder, lacht.

Ihr seid jetzt auch wieder kurz davor, eure neue Cd zu veröffentlichen. Wie wird sie denn heißen?

Zoltan: Wir haben sie Instinct genannt. Und ihr könnt euch drauf gefasst machen, es wird die heftigste Platte die wir bis jetzt rausgebracht haben.

Wo wir gerade bei den Unterschieden sind. Was außer der Heaviness hat sich denn in eurem Sound noch verändert?

Zoltan: Destroy ist ja schon ein ziemlich hartes Album. Aber Instinct tritt eben noch ein kleines Stück mehr Arsch und kommt schneller auf den Punkt. Es wird ausschließlich einen Song geben, bei dem man sich ein bisschen ausruhen kann. Er heißt Land of Pain und kommt direkt aus meinem Herzen. Obwohl ich sagen muss, das Stück ist sehr düster geworden. Die Platte wird euch 45 Minuten gewaltig in den Arsch treten!

Auf jedem Album von euch gab es ja auch folkige Einflüsse zu hören. Sind ihr dieser Linie bei Instinct treu geblieben?

Zoltan: Ja, die folkigen Sachen gibt es immer noch zu hören, jedoch deutlich weniger. Wir haben sie eingebracht, aber auch darauf geachtet, dass sie an der richtigen Stelle stehen.

Zwischen euren beiden letzten Outputs ist ja nun auch nicht gerade viel Zeit verstrichen. Können wir jedes Jahr oder alle 2 Jahre auf ein neues Album hoffen?

Zoltan: Das liegt zum einen daran, wie viel wir in der Zwischenzeit auf Tour sein werden. Da ich aber immer ein Pocket Studio dabei habe, kann ich auch auf Tour schreiben. Ich denke es werden nie mehr als 2 Jahre bis zu einem neuen Album vergehen.

Wer von euch schreibt denn die Ektomorf Songs? Ist es allein deine Aufgabe, oder sind mehrere Leute in diesen Prozess eingebunden?

Zoltan: Also eigentlich schreib ich alle Stücke selbst. Ich besitze ja mein kleines Studio, dann schreibe ich Riffs und wenn ich damit fertig bin, gebe ich die Sachen den andern. Die üben wir dann in unserem Proberaum. Da hocken wir dann meistens so eine Woche zusammen und dann geht es ab ins Studio.

Schreibst du deine Stücke denn nur in einer ganz bestimmten Situation? Zum Beispiel wenn es dir richtig scheisse geht?

Zoltan: Auf jeden Fall. Denn viele Sachen haben mich verletzt oder stark berührt, und das schlägt sich dann eben in aggressiven Songs nieder. Die Stücke sind alle in bestimmten Gefühlslagen geschrieben, genau so verhält es sich mit den Lyrics.

Besteht denn ein textliches Konzept auf Instinct?

Zoltan: Ein textliches Konzept (überlegt) Ich habe das Album eher Instinct genannt, weil die Tracks so instinktiv aus mir herausgesprudelt sind. Das ist wohl der einzige Grund für diese Namensgebung. In Set Me Free geht es zum Beispiel um meine Beziehung zu Gott, denn ich glaube wirklich sehr stark. Es soll nur ausgedrückt werden, dass ich nicht so sein will wie alle anderen, die jeden Sonntag in die Kirche wandern und sich einem Ideal anpassen.

Dann gibt’s da noch Show Your Fist, welches zeigt, wie wichtig es ist sich nicht unterdrücken zu lassen. Das letzte Stück mit Namen Fuck you All ist ein richtiger Punk Song, der sich an die richtet, die in uns nur Sepultura sehen!

Und um es nur noch einmal zu sagen. Wir sind weder wie Sepultura, noch wie Soulfly. Wir verbreiten eben eine ähnliche Power auf der Bühne, aber unsere Musik halte ich doch für etwas sehr eigenständiges.

Ich habe erst kürzlich ein Interview im Nuclear Blast Katalog gelesen und dort habt ihr auch vom Rassismus in eurer Heimat berichtet, und dass es gerade euch in besonderer Weise betrifft. Kannst du vielleicht darüber ein bisschen erzählen?

Zoltan: Es war wirklich nicht leicht in unserer Heimat, weil wir eigentlich immer diskriminiert wurden. Es ging im Kindergarten los und als ich eine Freundin hatte, durfte ich nicht einmal ihr Haus betreten. Nicht einmal einen Job habe ich bekommen, eben weil ich Zigeuner bin. Auf Destroy gibt es den Song Gypsi, er beschreibt genau dies alles.

War dies auch einer der Gründe, warum du nun im Ausland lebst und nicht mehr in Ungarn?

Zoltan: Nun lebe ich ja in Amsterdam, und der Rassismus war auf jeden Fall einer der Gründe. 2000 spielten wir einen Gig in Ungarn und die Leute warfen Gläser auf die Bühne, nur weil wir Zigeuner sind. Wir haben auch viele Freunde dort. Jedoch ist die Intoleranz immer noch da.

Da wir ja wieder einmal beim Thema Ungarn angekommen sind. Wie steht es dort mit der Metal Szene? Existiert etwas in dieser Richtung?

Zoltan: Die Szene ist gar nicht mal so klein. Doch hat man dort einfach überhaupt keine Chance als Band. Deswegen sind wir auch aus Ungarn gegangen. Wenn man nicht irgendwo anders hin geht, ist es fast unmöglich aus dem Underground heraus zu kommen.

Eine Frage habe ich am Ende aber noch. Wie ist es eigentlich bei einem solch großen Label unter Vertrag zu stehen? Hattet ihr zuerst Zweifel zwischen Bands wie Nightwish oder Hypocrisy unterzugehen, oder kamen diese Ängste gar nicht auf?

Zoltan: Ich würde es nicht direkt Ängste nennen. Dennoch unterscheiden wir uns deutlich von den anderen Bands dort. Wir können uns auf keinen Fall beklagen. Sie supporten uns super und auch sonst wüsste ich nicht worüber ich mich beklagen sollte.

 

In diesem Sinne kann man glaube ich nur für ein sehr aufschlussreiches Interview danken und sich auch über einen bestens aufgelegten Rede Partner freuen. Ich glaube mehr Offenheit kann man sich gar nicht wünschen.

Vielleicht sollten die Herren Ulrich und Hetfield über Ektomorf nachdenken. Mit Sicherheit ein Tourpaket, welches nicht nur mich erfreuen würde.


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