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Konzert Review: CRADLE OF FILTH - IMMOLATION - AGATHODAIMON in Stuttgart 2003 plus TESTAMENT

Veröffentlicht am Montag 14 April 2003 10:35:32 von Zombie_Gecko
phpnuke.gifWer die Wahl hat, hat die Qual – aber so war`s auch geil!
Im Vorfeld musste die Entscheidung getroffen werden – die Blutsauger um Dani Filth gastierten mit bärenstarkem Album und nach längerer Zeit mal wieder in der Landeshauptstadt, während in der Ludwigsburger Rockfabrik das No Mercy-Festival lockte – keine leichte Entscheidung also! Wobei die Frage zu stellen wäre, welcher geistige Tiefflieger dafür verantwortlich ist, beides am gleichen Tag stattfinden zu lassen und sich so gegenseitig die Fans abzuwerben. Trotz des starken No Mercy-Billings entschied ich mich für Cradle Of Filth und erreichte das Stuttgarter LKA pünktlich zur Hallenöffnung – um in der Halle erst mal die Kinnlade fallen zu lassen und auch ohne Musik den Kopf zu schütteln: 25 Euro für ein stinknormales Shirt ohne Tourdaten (wobei auch mit Tourdaten der Preis völlig überzogen gewesen wäre), 35 Schleifen für ein Longsleeve und satte 14 für ein beschissen aussehendes Wollmützchen! Dementsprechend zu Recht wanderten die meisten, den Stand ignorierend, sofort weiter vor die Bühne.
Selbige enterten ungefähr zwanzig Minuten vor offiziellem Beginn etwas überraschend AGATHODAIMON und hatten mit dem ziemlich mittelmäßigen Sound zu kämpfen, was die Spielfreude aber nicht bremsen sollte. Und auch wenn der Darmstädter Fünfer mich auf Platte bisher nicht zu begeistern wusste, gefielen mir die Jungs mit ihrer Mischung aus Death und Black Metal mit ein paar Viking Metal-Anleihen recht gut und konnten auch einigen Applaus ernten, bis nach einer halben Stunde dann Schluß war. Die anschließende viertelstündige Umbaupause „versüßten“ mir dann zwei Trupps von Nachwuchsmetallern links und rechts von mir: während die einen (circa 15 – 17, ziemlich peinlich geschminkt) sich in pseudoprolligen Sprüchen und einem Rülpswettbewerb übten, beschwerte sich der ebenfalls circa 15jährige neben mir, das doch aber auch sowas von heftig gedrängelt wurde. Gerade noch konnte ich mir verkneifen, ihn bei seinem offensichtlich ersten Metalkonzert darüber aufzuklären, dass das bei einem Metalkonzert höchstens geordnetes Anstellen war und in etwa den Drängelfaktor einer Fußgängerzone in einer x-beliebigen deutschen Großstadt am Samstag hatte. Derweil hatte Rülpsi einen Beinahe-Orgasmus, als er seinen aufmerksam lauschenden Freunden erzählte, dass vor kurzem „einer von Cradle drei Meter – drei Meter!!!“ an ihm vorbeigelaufen war – ohne Worte!

Eng wurde es dann allmählich, als die Prügelbarden von IMMOLATION ihren Set begannen und ohne Rücksicht auf Verluste die Bühne in Grund und Boden knüppelten und während ihres ebenfalls halbstündigen Sets den anwesenden Metal-Teenies zeigten, was eine Death Metal-Harke ist. Den Moshpit vor der Bühne quittierte der drängelgeschädigt Teenie mit ungläubigem Staunen und weit aufgerissenen Augen, der das ganze dermaßen argwöhnisch beobachtete, dass er den Großteil von Immolation verpasst haben dürfte. Den nächsten Brüller lieferte er dann, als ein Diver im Fotograben landete, was ihn dazu verleitete, seinen anscheinend etwas konzerterfahreren Kumpel zu fragen, ob der denn jetzt wohl rausfliegt. Die anderen im Moshpit feierten indes Immolation und beschwerten sich anschließend, dass so wenig los war – kein Wunder angesichts des hohen Teenie-Anteils! Denn an Immolation konnte es nicht gelegen haben, denn die zockten eine Runde wirklich feinen Brutalo Death – heftig aber gut!

Im allmählich unangenehm warm werdenden LKA wurde dann die Bühne umgebaut, es wurde ziemlich eng weil brechend voll und man durfte gespannt sein, was der Hauptact auffahren würde angesichts der angekündigten großartigen Show. Immerhin bauten die Roadies ein paar Laufstege auf der Bühne auf und Scheinwerfer standen auch mehr als genug rum. Kurz vor halb zehn kündigte dann das Instrumental „A Bruise Upon The Silent Moon“ die lang erwarteten Heroen an, und mit Nebel und dem Opener „The Promise Of Fever“ vom aktuellen Langeisen übernahm dann Dani Filth das Ruder – bzw. Mikro. Allerdings ließ der ziemlich miese Sound schlimmes befürchten – was CRADLE OF FILTH aber ziemlich egal war! Agil und spielfreudig zelebrierte man die Songs, und als man als dritten Song „Dusk And Her Embrace“ spielte, war endlich auch der Sound gut, vor der Bühne war kaum noch Luft zum atmen und Cradle Of Filth drehten allmählich richtig auf – allen voran Dani, der die komplette Bühne als Spielplatz nutzte und eindeutig der Aktivposten der Blutsaugerbande war. Krasser Gegensatz dazu war Wuchtbrumme Sarah, die mit einer Miene auf ihrem Podest links vom Drumset stand, als würde ihr gleich das Catering aus dem pausbäckigen Gesicht fallen – stimmlich ging ihr Einsatz allerdings in Ordnung! Mit „Cruelty Brought Thee Orchids“ feuerte man anschließend gleich den nächsten Karcher unter das durch die Enge beim bangen ziemlich eingeschränkte Volk und ließ allmählich auch etwas von der versprochenen Show sehen – denn neben der Band hatte Dani nun auch eine Stripperin auf die Bühne geholt, die ein bisschen das Leibchen lüpfte und sich im Genitalbereich herumspielte. Allerdings konnte ich mich nicht recht entscheiden, ob das ganze jetzt erotisch sein sollte oder einfach die duschen im Backstagebereich kaputt waren – erotisch war das ganze nämlich definitiv nicht! Zwischenzeitlich verzog sich das – im übrigen auch nicht gerade übermäßig hübsche – Mädel und überließ Dani wieder das Feld, der trotz Lederkostüm (wie im übrigen auch der Rest der Band) über die Bühne tobte wie ein Derwisch, allerdings nicht mehr ganz die diabolische Ausstrahlung früherer Zeiten hatte. Und auch wenn die „Bühnenshow“ bei weitem nicht das hielt, was versprochen worden war, räumten die sechs (bzw. mit Sarah sieben) Engländer standesgemäß ab – kein Wunder bei Songs wie „Thank God For The Suffering“, das frenetisch gefeierte und mitgesungene „Her Ghost In The Fog“, „The Twisted Nails Of Faith“, „The Principle Of Evil Made Flesh“ oder „Lord Abortion“. Die Hitze war zwischenzeitlich ziemlich heftig, was dazu führte, das die mehrere Mädels die Segel streckten – und während die eine sich freiwillig rausziehen ließ, sackte die neben mir stehende zusammen wie von Blitz getroffen, da aber einige aufpassten, konnte man die leblose Dame schnell über die Brüstung nach vorne verfrachten. Sogar „From The Cradle To Enslave“ gefiel mir an diesem Abend, was auf Platte nicht der Fall ist. Und dann war erst mal Feierabend. Nach etwas über einer Stunde verließen Cradle Of Filth die Bühne, um nach ein paar Minuten unter heftigem Jubel mit „The Forest Whispers My Name“ und „Ebony Dressed For Sunset“ noch mal allen zu zeigen, wie englische Vampire rocken, die Stripperin durfte sich noch mal mit Federbusch auf der Bühne und an Dani räkeln und dann war nach knapp über eineinhalb Stunden Schluß, die Meute bedient und Cradle Of Filth hatten ihre durchwachsenen Auftritte der letzten Zeit vergessen gemacht – nicht ganz das versprochene, aber auf alle Fälle klasse!

Danach ging`s dann ruckzuck ins Zombiemobil, Wasser- und Nikotinspiegel aufgefrischt während der Fahrt nach Ludwigsburg, um zu sehen, wie voll wohl die altehrwürdige Rockfabrik war – irgendwo mussten die ganzen gestandenen Metaller ja sein, nachdem das LKA primär von Jungvolk bevölkert war! Kurz nach elf und kurz nach Marduk stellte sich heraus, dass selbst bei trottelhafter Terminlage auch die Rockfabrik ziemlich voll war, sich hier ausreichend gestandene Metaller fanden und ich vom alten Sack im LKA hier fast schon zum Jungspund wurde. Auch egal, denn erfreut stellte ich fest, dass ich gerade pünktlich zu TESTAMENT aufgeschlagen war – und auch noch umsonst reingekommen war! Eigentlich hatte ich gehofft, noch ein paar Takte Marduk zu hören, diese hatten aber trotz Co-Headliner-Status lediglich 45 Minuten, die aber laut Augenzeugen gut genutzt wurde. Durchkommen vor die Bühne war praktisch unmöglich – auch egal, Getränk geholt, Posten bezogen und abgewartet – und dann kamen die alten Recken um Frontindianer Chuck Billy und wurden begeistert empfangen. Vor der Bühne wurde gemosht wie sich das für einen amtlichen Metalgig gehört, auf der Bühne wurde gemosht, vor allem von Basser Steve DiGiorgio und Gitarrero Alex Skolnick, während Chuck Billy einen richtig fitten Eindruck machte, das Publikum anfeuerte und offensichtlich versuchte, seine beiden Ohren gleichzeitig zu essen. Stimmlich konnte er mich weniger überzeugen, grunzte er doch verdächtig oft auch bei alten Klassikern, so dass es den Anschein hatte, der Guteste wäre nicht mehr so ganz auf der Höhe. Ist aber auch völlig egal, denn wer mit solcher Spielfreude am Werk ist, dem seien solche Fehler verziehen. Und Testament machten alles richtig – keine langen Ansagen, Thrash Metal bis der Arzt kommt und alten Stuff bis zum abwinken – oder abmoshen! So viele Mosher und Diver hatte die Rockfabrik glaube ich seit der Sodom/Tankard-Tour `99 nicht mehr gesehen, und als Chuck bei „Over The Wall“ das Publikum aufforderte, doch möglichst viele Diver auf die Bühne zu schicken, war endgültig der Teufel los! Vier Leute auf der Bühne, zwei oder drei noch auf dem Rückweg auf den Händen des Publikums und die nächsten schon wieder unterwegs – das war pure fucking Metal! „Alone In The Dark“, „Raging Waters“, „C.O.T.L.O.D“ und ein paar neuere Stücke, die mir zwar weniger gefielen, aber der Meute vor der Bühne war das egal! Kurze Pause, zwei Zugaben und um halbeins verabschiedete man sich mit der Ankündigung, im Herbst wieder zu kommen unter tosendem Beifall und Gejohle – ein äußerst gelungener Abschluß eines geilen Abends!
Fazit: Cradle Of Filth mit mehr Aufwand haben ein verdammt gutes Konzert abgeliefert – aber Testament gehen an diesem Abend dank eines klasse Gigs und wegen Verbreitens richtig guter Old School-Laune als erster durch`s Ziel! Mehr davon!!!

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