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Konzert Review: BOLT THROWER - BENEDICTION - FLESHCRAWL - DISBELIEF - Live In Stuttgart 2002

Veröffentlicht am Montag 02 September 2002 17:52:22 von madrebel
Dieser Artikel wurde von Zombie_Gecko mitgeteilt
phpnuke.gifNach langer Zeit des Wartens verirrte sich endlich mal wieder ein hochkarätiges Package in die Röhre nach Stuttgart, die in meinen Augen zu den besten Konzerthallen zählt. Und diesmal war die gute alte Röhre auch mehr als ordentlich gefüllt und ich denke im Laufe des Abends auch ausverkauft.
Nach endlos langer Parkplatzsuche und kurzer Wartezeit vor bzw. in der Halle eröffneten dann Disbelief den Death Metal-Reigen. Sound und Show war soweit gut, aber irgendwie schafften es Disbelief wieder nicht mich zu überzeugen. Auch wenn der Death Metal der Süddeutschen zweifellos groovig ist, wird mir das ganze auf Dauer zu langweilig. Lediglich „God? Master!“, wahrscheinlich der bekannteste Song des Fünfers und „Infected“ stachen etwas heraus, wobei das bei letzterem vor allem am Gesang liegt. Als Vorband und für gefälliges Kopfnicken meinerseits in Ordnung, aber mehr wird diese Band wohl nicht mehr werden. Einige andere in der bereits mehr als gut gefüllten Halle waren aber doch schon eifrig am Bangen. Nach ca. 25 Minuten und einer erfreulich kurzen Umbaupause enterten dann Fleshcrawl die Bühne und das Stimmungsbarometer stieg gleich um einige Grade. Bisher war mir die Band nur vom Namen her bekannt, aber das werde ich bei nächster Gelegenheit ändern müssen. Denn mit Fleshcrawl war in den ersten 2 - 3 Reihen kollektives Kopfschütteln angesagt. Und das hatte auch seinen Grund. Denn Fleshcrawl boten dazu den richtigen Mix aus Death, einer Prise Thrash und Black mit Rock`n`Roll-Feeling. Allerdings hatte der Bassist (ohne sein „Fleshcrawl“-Shirt hätte ich gedacht der hätte sich verlaufen...*gg*) entweder Probleme mit seinem Bass (den er so tief geschnallt hatte das ich immer drauf gewartet hab das er drüberfällt...) oder er fand das Stuttgarter Publikum so häßlich, dass er ihm die meiste Zeit den Rücken zudrehte. Ich tippe eher auf ersteres, auch wenn sehr wenig Frauen anwesend waren. Allerdings fiel das in dem Soundgewitter, daß Fleshcrawl veranstalteten nicht sonderlich auf. Die Jungs dürften an diesem Abend einige Fans hinzu gewonnen haben. Nach etwa 35 Minuten (vielleicht sollte ich meine Uhr nicht immer im Spind lassen...) war dann leider schon Schluß und das Publikum drängte allmählich näher an die Bühne als sich abzeichnete, daß Benediction bald ihren neuen Sänger vorstellen würden. Nachdem mich die Kostprobe des neuen Albums nicht überzeugte (deswegen hab ich`s auch nicht...) war ich dann doch mal gespannt. Dann kurzer Nebel (irgendwie brauchen Engländer das wohl), auf die Bühne gelatscht, Gitarre an - und dann voll auf die Zwölf! Das ist Death Metal wie er sein muss - und das war definitv Benediction! Der Nachfolger von Dave Ingram fügte sich - trotz des ungewohnten Anblicks von 2cm-Frisur im Vergleich zu Ingrams Megamatte - hervorragend ein, wuselte genauso wie seine Mitstreiter (naja, den Drummer nehm ich jetzt mal aus!) emsig über die Bühne, heizte das Publikum an und wirkte als wär er immer dabei gewesen. Auch stimmlich überzeugte der Neuling vollkommen und wurde immer nach vorne getrieben von einer Band, ohne die der Death Metal eindeutig ärmer wäre. Nachdem das Publikum die Frage „Wollt ihr Old-School-Death Metal?“ (auf deutsch!) mit lautem Gebrüll bejahte, wurde dann mit den Worten „es gibt keinen Song der mehr Old-School ist als „Subconcious Terror“!“ gleich als drittes der Bandklassiker schlechthin runtergeprügelt und die vorderen Reihen bestanden größtenteils nur noch aus Haaren. Spätestens jetzt hatten Benediction das Publikum in der Hand und liess sich feiern - und gab der Meute was sie verlangte! „Agonised“, „Nightfear“, Dark Is The Season“ - war das schön! Zwar habe ich Benediction schon mal leicht besser gesehen, aber im Vergleich zu anderen Legenden wurde hier wirklich noch das Haus gerockt! Ständige Positionswechsel der Axtfraktion, strahlende Musiker, die vor Spielfreude strotzten - so muss ein Metalkonzert sein. Zum Schluß gab`s dann noch betretenes Schweigen, als mit „Letzten Dezember ist ein Freund von uns gestorben. Er hieß Chuck Schuldiner. Dieses Lied ist für Chuck!“ dem Begründer des Death Metals gedacht wurde. Umso größer dann der Jubel, als Benediction mitten in „Carcinoma Angel“ mit „Das ist für Dich Chuck!“ „Pull The Plug“ anspielten. Ich glaube nicht nur ich wußte in diesem Moment nicht, ob ich vor Freude ausrasten oder heulen sollte, als ich noch einmal bei einem Konzert „Pull The Plug“ mitgröhlen konnte. Aber ich denke, wenn Chuck diesen Moment irgendwie mitbekommen hat, wäre er am liebsten von seiner Wolke nochmal runtergestiegen um die Gitarren erstmal richtig zu stimmen... Besser als auf Chuck konnte der Titel wohl zu niemanden passen. Und wenn ich ehrlich bin laufen mir beim schreiben dieser Zeilen einige Tränen runter wenn ich an Chuck`s Tod und diese Geste denke! Danke, Benediction!
Aber wie bereits seinerzeit Steppi bemerkte:“Lebbe gehd weida!“ - und nachdem die „kleine“ Backline abgebaut war, die große Schießbude enttarnt war, das übliche Intro erscholl und massig Nebel die Sichtweite auf ca. 1 Meter reduzierte wurde es vor der Bühne richtig eng. Denn alle warteten darauf, dass Bolt Thrower mal wieder alles niederwalzen würden. Unter tosendem Jubel legte das Schlachtschiff dann mit „Contact - Wait Out“ los und liess keine Zweifel offen, wo der Hammer hängt - und zwar in England! Mit tödlicher Präzision ballerten Bolt Thrower unter Bedingungen wie bei Nebel in London einen Kracher nach dem anderen raus, ließen den Fans keine Zeit auszuruhen und unterstrichen mal wieder ihren Ruf als erstklassige Liveband. Und mir wollte irgendwer erzählen Bolt Thrower würden gegen Disbelief und Fleshcrawl nicht anstinken können. Das hier war ein Klassenunterschied! Vor der Bühne tobte der Mob, und als mit „When Glory Beckons“ mein persönlicher Lieblingssong gleich als zweites aus den Boxen dröhnte, tickte der vordere Teil der Halle kollektiv aus! Weiter ging`s mit „Silent Demise“ und „Inside The Wire“ um dann mit „The IVth Crusade“ gleich den nächsten Klassiker los zu lassen. Dave Ingram fühlt sich bei Bolt Thrower sichtlich wohl, nur manchmal war die Verbindung „der“ Benediction-Stimme mit Bolt Thrower etwas irritierend - zumindest für mich. Dafür heizte er wie gewohnt das Publikum an, bangte und lief rum und war sichtlich begeistert, das vor der Bühne die Hölle los war. „That`s a real gig! Thank you Stuttgart!“ brüllte er - und schon krachte „Forever Fallen“ aus den Boxen wie ein todbringendes Geschoss! Lange habe ich in der Röhre kein Konzert mehr erlebt, wo dermaßen die Post abging! Kurze Ansagen, „der Songtitel, „Come On! I wanna see you bang!“ - und schon kam mit „Honour“ mal wieder was vom neuen Album. Und das schöne bei Bolt Thrower ist: Jeder Song passt perfekt zum anderen, und trotzdem wird das ganze nie langweilig! Allerdings konzentrierte man sich fast ausschließlich auf die letzten drei Alben (außer „The IVth Crusade“ im regulären Set), aber alle Kracher können Bolt Thrower garnicht an einem Abend spielen. „Laid To Waste“, „Pride“, „Mercenary“ - es ging Schlag auf Schlag! Manche Diver bangten halbe Songs auf der Bühne mit, was Bolt Thrower erfreulicherweise tolerierten, und einmal leuchteten Dave`s Augen richtig, als einer mit einem Sprung fast durchgehend 4 Meter über die Fans rutschte - well done! Mit „To The Last“ und „...For Victory“ endete dann der reguläre Set, bevor das Publikum die Band lautstark auf die Bühne zurück brüllte. Mit „World Eater“ und - da bin ich mir jetzt aber nicht sicher weil meine Ohren nach vier Stunden vor der Monitorbox reichlich geplättet waren - „Spearhead“ gab`s dann noch was auf Lauschlappen, ein Outro und dann war Schluß!
Einmal mal ein geniales Konzert in der Röhre von zwei alten Death Metal-Recken, und wenn noch einer sagt Death Metal wär tot, dann spring ich ihm mit dem nackten Arsch ins Gesicht. Denn so lange Bands wie Benediction und Bolt Thrower die Fahne hochhalten wird es auch Death Metal geben. Und noch ein besonderes Lob an Bolt Thrower, die mal wieder bewiesen, daß für Merchandise nicht das ganze Ersparte draufgehen muss: Eintritt 13 Euro, Tourshirt 12 Euro, Longsleeve 13 Euro, das billigste Shirt und die „Mercenary“-CD für je 8 Euro, Tourposter 1 Euro - so geht`s doch auch!

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