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Konzert Review: Alice Cooper Dragontown Europa-Tournee 2002

Veröffentlicht am Montag 02 Dezember 2002 21:20:46 von madrebel
Dieser Artikel wurde von chryptorchid mitgeteilt
phpnuke.gifNachdem es eine interessante Schlägerei zwischen Domina und Mister Alice Cooper gab, bewegte sich die Musik, aber auch die Show langsam aber sicher vom Thema Dragontown weg.
Einlass und Überblick

19.30 Uhr – Wir treffen am Haus Auensee ein. Dutzende alte und junge Fans stehen vor der Halle um ihre letzten Bierreserven zu vernichten, denn durch die Kontrollen kämen sie damit nicht. Der Regen störte die Lederjackenträger kein bisschen.
Am Einlass hatte sich eine Traube von Menschen gebildet. Stichprobenartig wurden einige der Männer von den Securities kontrolliert. Nach dem Überprüfen der Tickets betraten wir den Vorsaal der Halle, die eine Mischung zwischen Theater und Konzerthalle war. Am Merchandise-Stand drängelten sich die Fans um überteuerte Assesoirs zu kaufen. Die Mitarbeiter dort sahen so aus, als wären sie von Anfang an dabei gewesen. Die Preise wirkten, als wären Fanartikel von Cooper Mangelware. Immerhin 30 Euro für ein normales T-Shirt, 45 Euro für ein Tank Top und 20 Euro für ein Poster mit scheinbar echtem Autogramm.
Immerhin nur mäßiges Gedrängel an der Garderobe und ein glatt- laufender Einlass.
Richtig stressig wurde es erst am Getränke Stand. 2 Mitarbeiterinnen für hunderte durstige Metal- und Rockfreaks (eine kümmerte sich nur um Säfte und Brause, schlechte Aussichten für ein Rock Konzert, oder?!). Die Veranstalter dachten allerdings mit und eröffneten bald einen zweiten Getränke Stand an der anderen Seite des Hauptsaals. Dadurch verringerte sich die Wartezeit auf 10 Minuten und man konnte sich langsam vor der Bühne anordnen.

Der Saal hatte wie schon erwähnt einen Aufbau, der einem Theater gleicht. Die Decke war mit großen Kronleuchtern, an denen bei diesem Konzert bunte Scheinwerfer angebracht waren, geschmückt und nur einige Balken versperrten den Blick durch das große Glasfenster. Es gab rundum einen VIP-Balkon, der von Securities abgesperrt wurde.
In der Mitte der Halle war eine Plattform für Sound und Licht aufgebaut, vor dieser Plattform standen die Leute schon um 19.45 Uhr dicht gedrängt, dahinter fand man größtenteils die beiden Schlangen der Getränkestände.
Bei einem Blick durch das Publikum konnte ich nur Staunen. Dieses Publikum war gemischter als bei jedem anderen Konzert auf dem ich bis jetzt war. Von 14 bis 60 Jahren fand man jede Altersgruppe und – wen wundert’s – der Durchschnitt lag circa bei Ende 30.
Die Bühne war ausgeschmückt mit verschiedenen Gegenständen, die man erst später genau identifizieren konnte. Alles in allem war sie recht kompakt und in der Mitte befand sich ein Podest, dass durch Treppen erklimmt werden konnte. Daneben befand sich eine Art Altar mit aufgespießten Köpfen. Jeder Kopf trug eine andere Maske, was mich an Slipknot erinnerte und mich schmunzeln ließ. Gut verteilt fand man auch schon einige Instrumente auf der Bühne und ich kam langsam in Stimmung.
Noch ein wenig Soundcheck, korrektes Überprüfen der Bühne durch Crewmitglieder und Scheinwerferspielerei bis der Raum sich endlich verdunkelte….


Die Vorband

Kurz nach 20.00 Uhr, dem korrekten Termin für Konzertbeginn, betraten erste Musiker die Bühne. Da die L.A. Guns für die gesamte Europa-Tournee mit Alice Cooper ihre Teilnahme abgesagt hatten, stand nun eine weniger bekannte Vorband auf den Brettern. The Dogs d’Armour (home.swipnet.se/~w-43639/) haben sich für die gesamte Tour verpflichtet. Schade trotzdem, denn viele hatten sich schon auf die Special Guest L.A. Guns gefreut, die nach ihrer Reunion wieder in etwas veränderter Bandbesetzung präsent sind.
Zurück zu den Dogs d’Armour. Ansehnliche Kritken und ein ebenfalls recht ansehnlicher Bekanntheitsgrad in den USA sowie in Großbritannien ließen die Erwartungen bei denen steigen, die überhaupt schon einmal etwas von den bunten „Hunden“ gehört hatten. Trotzdem hatte die Sleezie-Rock Band kein leichtes Los gezogen, denn die eh schon träge Masse zeigte sich Anfangs nicht sehr begeisterungsfähig.
Die Band startete mit einem schnelleren Song, der recht aufmüpfig daher kam. Als Anfang o.k. und die Masse hörte zu. Der Sound der Band hallte gut abgemischt, wie der Rest des Konzerts durch die gesamte Halle und man sah, wie einige Langhaarige begannen, im Takt mit dem Kopf zu wippen. Richtig fliegen sollten die Loden den ganzen Abend kaum, aber es war ein Anfang und der erste Song wurde zumindest freundlich beklatscht.
Tyla, der 33-jährige Sänger ließ es sich nicht nehmen seine Band vorzustellen. Meiner Meinung nach stellte er sich am Ende der Show als Poser heraus. Popstar-ähnlich ließ er während des Gigs nach jedem 2-3 Song ein weiteres Kleidungsstück fallen und präsentierte so seinen Körper (an dieser Stelle habe ich dann doch überlegt, ob ich nicht was verpasst habe und schon Alice Cooper vor mir sehe). Trotzdem, seine Stimme war recht anhörlich aber durch Nikotin und Alkohol gezeichnet, was ihr einen unüberhörbaren Rauch verlieh. Beim Blick auf die Homepage der Band stellt sich Tyler als absoluter Bittelpunkt der Band dar.
Bassistin Share, die ab 1999 in der Band ist, zeigte sich als natürlich und von lustiger Natur. Die hübsche Blondine bewies allen, dass sie mit ihrem Instrument umgehen kann.Außerdem verlieh sie dem Gesang von Tyler als Zweitstimme einen schönen Kontrast.
Gitarrist Jo Dog, der in Angola geboren und aufgewachsen ist, ist Bandmitglied seit 1985, pausierte von 1992 und ist seit 1999 wieder bei den Dogs d’Armour dabei. Nebenbei spielt er noch in anderen Bands und beweist sein Talent indem er seinen Teil zu verschiedenen Soundtrack Projekten beisteuert.
Bam, der an den Drums eine sehr gute Leistung darbot, konnte sich in der Vergangenheit nicht richtig zu den Dogs d’Armour durchringen. Er spielte 1983 in der Band, dann wieder von 1985-1995 und schließlich von 1999 bis jetzt. Er wurde wie Sänger Tyler in England geboren und so zeigt sich, dass die Band recht international ist.
Der eher fröhlich aufmüpfige Trend zog sich bis Ende ihrer Show nach etwa einer Stunde durch das Programm. Als abwechslungsreich erwiesen sich hier leider nur die Klamotten von Tyler. Sie trafen den Nerv des jüngeren Publikums und wurden am Ende, zwar recht verhalten aber bejubelt. Die ältere Generation zeigte sich recht unbeeindruckt und als das Licht den Saal wieder erhellte wartete man nun eine viertel Stunde auf den Hauptact.


Hat Mr. Cooper nichts verlernt oder hatten seine Fans Grund zur Enttäuschung?!

Als die Wartezeit, in der die Bühne nochmals ein wenig umdekoriert wurde, gerade ihre Schmerzgrenze erreicht hatte dämpfte man das Licht wieder und der Jubel und das Klatschen des Publikums wies darauf hin, dass ein 56-jähriger, zu seiner Zeit Shock Rock Star in jeder Sekunde die Bühne erklimmen würde.
Auf dem Podest stand nun ein chinesischen Gong, der neben dem chinesischen Ambiente für „Dragontown“- Stimmung sorgte. Dort tauchte nun eine schemenhafte Gestalt auf, die sofort vom Jubel den geschätzten 500 Fans der gut gefüllten Halle ausgiebig begrüßt wurde.
Doch falsch geraten. Vor uns stand ein Chinese in seiner Tracht, der erst einige Gesten machte um dann mit voller Kraft gegen den Gong zu schlagen. Kurz darauf wandte er sich angsterfüllt zum gespannten Publikum um, dass ahnte, was der Nebel der nun um das Podest wallte, freigeben würde. Der Chinese stürmte vom Podest und verschwand hinter der Bühne, während die Band begann, die ersten Klänge eines Medleys anzustimmen, dass Songs vom Dragontown Album enthielt. Vincent Damon Furnier alias Alice Cooper betrat wahrhaftig die Bühne, weder gekrümmt noch vom Alter gezeichnet. Seine graue Haut war Cover-ähnlich geschminkt und Teile seines immer noch schwarzen Haars wurden von chinesischen Essstäbchen oben gehalten, die er später in Richtung Publikum entfernte. Seine Kleidung war dem chinesischen Feeling, das auf der Bühne herrschte angepasst.
Nach dem Medley, das vom Publikum stürmisch gefeiert wurde, begrüßte Alice seine Fans und setzte an um den nächsten Song zu singen. Bei Sex, Death and Money bewies sich das Publikum textsicher und eine rothaarige Domina, die von den Männern im Publikum mit aufgeregten Pfiffen, Hecheln und Jubeln begrüßt wurde, heizte der Masse ein. Sie schwang die Peitsche und die Band Coopers bewies durchaus Klasse..
Bestehend aus 2 Gitarristen, einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Drummer, zeigte die Band im häufigen Alleingang, dass nicht nur Name Qualität beweist. Einige Mitglieder feierten in Leipzig ein Heimspiel und machten die im Saal ansässigen Landsleute stolz darauf, dass sie sich dem Bassisten aus Hollywood nichts eingestehen mussten.
Nachdem es eine interessante Schlägerei zwischen Domina und Mister Alice Cooper gab, bewegte sich die Musik, aber auch die Show langsam aber sicher vom Thema Dragontown weg.
Einige Songs noch, dann sollte statt der in Leder gekleideten scharfen Lady eine besorgte Krankenschwester mit einem Kinderwagen auf der Bühne stehen. Wieder gab es den Kampf der Geschlechter und wieder gewann Alice. Er streckte in alter Rocker Manier die attraktive Schwester nieder und zu den Klängen von Dead Babies wog er nun ein 2-köpfiges und 3-armiges Wehrwolfmenschenbaby im Arm. Die Menge tobte. Von nun an sollten auch Klassiker folgen.
Die von gestellter Gewalt und witzigen Parodien geprägte Show ging weiter, indem Alice von ganz besonderen Ärzten in Gewahrsam genommen wurde. Erst stellten diese sich mit einem Patientenhemd zufrieden, der Alice’ eigenwilligen Lendenschutz bedeckte, später steckten sie ihn allerdings in eine originale Zwangsjacke. Immer wieder stieß er zusammen mit der langbeinigen Schönheit und immer wieder artete dies in einen gewaltreichen Streit aus. Highlight war für mich hierbei eine Britney Spears Parodie. Auf dem Podest erschien – ratet – dieselbe Dame wieder, diesmal ganz blond und im Brit-Look. Der Refrain von „Hit me Baby one more time“ erklingt im Saal, die Zuschauer amüsieren sich prächtig und die pralle Blondine schüttelte sie ihren Körper zu den Klängen. Eine galante Überleitung und schon steht Brit vor Alice, der mit seinem „Britney wants me – dead“ - Shirt vorher schon viele Lacher auf seiner Seite hatte und reicht ihm in tollster Werbe-Manier eine Pepsi-Dose. Alice lässt es sich nicht nehmen sich zu erfrischen, spuckt dann aber der Dame das Gesöff ins Gesicht. Wieder ein handgreiflicher Streit bis er von 2 sehr finsteren Gestalten im wahrsten Sinne des Wortes an den Henker geliefert wird. Alles in allem eine dramatische Szene, denn der Henker bewahrte was er versprach. Der Kopf von Alice landete in der Holzkiste unter der Guillotine. Dort blieb er allerdings nicht lang, denn der Henker nutzte diese Gelegenheit einen Superstar aus der Nähe zu sehen – und mit dessen abgeschlagenen Kopf den Zungenkuss durchzuführen und anschließend Blut in die amüsierten ersten Reihen zu spucken.
Wieder mal ein grandioser Alleingang der Band und wieder ein Szenenwechsel. Die uns mittlerweile schon bekante Lady, diesmal im Flittchen-Look mit ultrakurzem roten Lackmini greift sich Alice Kopf um ihn in eine Art Wiederbelebungsmaschine zu stecken. Einige Songs zuvor hatte Alice diesen schon mit den restlichen Teilen einer Schaufensterpuppe gefüllt, nun ist das Werk perfekt. Zu den ersten Klängen von „Feed my Frankenstein“ bejubelt das Publikum die Wiederauferstehung von Alice Cooper. Danach schmettert er Klassiker wie „Hell is living without you“, „Trash“ oder „Welcome to my Nightmare“ und zieht so das Publikum abermals in seinen Bann. Nach einer Ballade folgte zum Abschluss noch „Schools out“. Alice präsentiert stolz die Flagge der USA auf seiner Jeans Jacke und riesige Luftballons gefüllt mir Dollarsscheinen und Konfetti fliegen durchs Publikum. Am Ende der Show verlassen alle den Saal mit Konfetti in den Haaren und mit sehr gemischten Meinungen. Vom „war ja ne Riesenentäuschung“ bis zu „der hat nichts verlernt, genauso geil wie früher“ gab es eine breite Palette an Kritiken.
Ich schließe mich hierbei den Letzteren an. Die Show hat mir großen Spaß gemacht, mein einziger Tadel geht an das Publikum – beim nächsten Mal etwas mehr Stimmung bitte!

Auf dem Weg aus der Halle wirbt ein Radiosender noch für Tourplakate – 5 Euro das Stück. Ich überlege, zögere dann aber und begebe mich nach draußen. Glück gehabt, denn am Tor zum Gelände des Haus Auensee stehen 2 fliegende Händler und verkaufen T- sowie Longshirts und Plakate für 15, 20 und 2 Euro! Noch ein Schnäppchen abgegriffen und die 30 Euro haben sich voll ausgezahlt!
Chryptorchild


Kommentare zu diesem Artikel
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Re: Alice Cooper „Dragontown“ Europa- Tournee – 29. November 2002
sorry, hab eben erfahren dass alice cooper erst 54 ist.
und übrigens: die tusse, die dauernd mit über die bühne gespeecht ist ist alice coopers tochter calico!